Als des Kanzlers einstiger Reitknecht Hildebrandt gestorben
war, den er einst vom Tode des Ertrinkens gerettet, empfing er
die Nachricht durch den Bruder, der gleichfalls lange in seinen
Diensten gestanden hatte und dann nach Chikago ausgewandert
war. Ihm schrieb Fürst Bismarck folgenden eigenhändigen Brief:
»Lieber Hildebrandt! Ihren Brief vom 9. habe ich erhalten und mich
gefreut, daß es Ihnen gut geht, wenn Sie auch im Laufe der Zeit von
Trauerfällen nicht verschont geblieben sind. Ihr Bruder war danach
älter, wie ich glaubte. Ihre erste Frau war 1851 ein ganz junges
Mädchen, ist also nicht alt geworden. Ich freue mich, daß Sie auch
mit der jetzigen glücklich leben und daß sie noch an Deutschland
denkt. August wird wohl ein feiner Yankee geworden sein. Mir geht
es insoweit gut, als die Meinigen nach Gottes Gnade leben und
gesund sind und meine Tochter mir zwei Enkel geschenkt hat; meine
Söhne sind leider noch nicht verheiratet; Herbert ist bei der
Botschaft in London; der Jüngste arbeitet hier unter mir; beide
sind Gott sei Dank gesund, was ich von meiner Frau leider nicht
immer sagen kann, und von mir gar nicht; ich jage nicht mehr und
reite selten, weil ich zu matt bin, und wenn ich nicht bald mich
zur Ruhe setze, so wird meine Lebenskraft verbraucht sein. Wie alt
sind Sie jetzt? und was für ein Geschäft treiben Sie, oder haben
Sie sich schon zur Ruhe gesetzt? Ihrer Frau können Sie sagen, daß
Lauenburg sich sehr aufnimmt; ich bin im Herbst seit dreißig Jahren
wieder dort gewesen, bin auch Ehrenbürger der Stadt und grüße als
solcher Ihre Frau besonders.«