In ärztlichen Kreisen war eine Angabe bekannt, der nie
widersprochen wurde und der man, im Hinblick auf die originelle
Art der beiden beteiligten Persönlichkeiten, eine gewisse
innere Glaubwürdigkeit nicht wird absprechen können. Danach
hätte Schweninger die Sympathie seines großen Patienten durch
das diesem selbst sehr geläufige Mittel besonderer Derbheit
erweckt. Der Kanzler liebte es, als mit dem zunehmenden Alter
auch sein leidender Zustand wuchs, durchaus nicht, von dem ihn
behandelnden Arzt mit Fragen belästigt zu werden. So riß ihm auch
gegenüber Schweninger, als sich dieser auf Empfehlung befreundeter
Persönlichkeiten zum erstenmal bei ihm einstellte, die Geduld,
und er gab auf die innerhalb weniger Minuten wiederholt gestellte
Frage nach seinem Befinden eine kurze abweisende Antwort. Aber
Schweninger ließ sich nicht abschrecken und antwortete nicht
weniger kurz angebunden: »Ich stehe zu Ihren Diensten, Durchlaucht,
wünschen Sie jedoch behandelt zu werden, ohne daß man an Sie Fragen
stellt, so täten Sie besser, nach dem Tierarzt zu schicken, der
an diese Methode gewöhnt ist.« Seit dieser Zeit war Bismarck von
seiner Abneigung gegen Fragen des Arztes völlig kuriert.
[Illustration: