Nach dem Mittagessen bot Bismarck auf einer Untertasse
Havannazigarren an. Favre erklärte, er rauche nie. Bismarck
entgegnete: »Sie haben unrecht. Die Zigarre ist eine Ablenkung;
der blaue Rauch, der in Ringeln aufsteigt, erfreut uns, stimmt
uns versöhnlicher, man ist glücklich, das Auge ist gefesselt,
die Hand ist beschäftigt, der Geruchssinn befriedigt. Man ist
geneigt, sich Zugeständnisse zu machen. Und unser, der Diplomaten,
ganzes Geschäft besteht ja darin, sich fortwährend gegenseitig
Zugeständnisse zu machen. Wenn Sie nicht rauchen, haben Sie
vor mir einen Vorteil: Sie sind geweckter; Sie haben aber auch
einen Nachteil vor mir: Sie sind geneigter aufzubrausen und
der ersten Bewegung nachzugeben.« Nach diesen Worten kam die
Rede auf Garibaldi und dessen bei Dijon stehende Armee. Mit
blitzenden, zornfunkelnden Augen verlangte Bismarck, ihm »den da
und seine Armee zu überlassen. Er ist keiner der Ihrigen. Möge
er sich gegen unsere Truppen allein herauswickeln.« Favre rief,
das sei unmöglich. Man habe Garibaldis freiwillig angebotene
Dienste anfangs abgelehnt, aber nachdem er nun einmal zum
französischen General ernannt und in die Falten der dreifarbigen
Fahne aufgenommen sei, könne man ihn nicht im Stiche lassen.
Bismarck wurde erregter. Er legte die Zigarre weg, schlug mit dem
Zeigefinger auf den Tisch und rief: »Und ich muß ihn doch haben,
denn ich will ihn in Berlin umherführen lassen mit der Inschrift
auf dem Rücken: Das ist die Dankbarkeit Italiens. Wie! Nach
allem, was wir für diese Leute getan haben. Es ist unanständig!«
Da reichte Graf d’Hérisson, Favres Begleiter, dem Zürnenden, mit
halb lächelndem, halb bittendem Ausdruck, die Untertasse mit
den zwei übrigen Zigarren hin. Einige Augenblicke sah Bismarck
erstaunt auf diese Bewegung. Dann verstand er, was der Graf
meinte. Die Zornesflamme erlosch in seinem Auge. »Sie haben recht,
Herr Hauptmann,« sagte er, »es ist überflüssig, sich zu ärgern.
Das führt zu nichts — im Gegenteil!« Bekanntlich wurde dann der
südöstliche Kriegsschauplatz, also die Armee Garibaldis und
Bourbakis, in der Tat vom Waffenstillstand ausgenommen, wenigstens
bis zum 1. Februar, wo sich ihr Schicksal bereits entschieden hatte.
[Illustration: Jules Favre: »Da soll man Friedensverhandlungen pflegen!
Wo soll ich den Mann nur anfassen!« (»Figaro«, Sept. 1870)]