Die Türklinke

Im Anschluß an die kleine Anekdote von Beust sei hier an Äußerungen

erinnert, die dieser Staatsmann nach einem längeren Beisammensein

mit Bismarck im Hotel Straubinger zu München erzählt und auf

die auch Bismarck in Versailles wiederholt zurückkam: »Wenn

man«, so erzählte Graf Beust, »mit Bismarck in guten Beziehungen

steht, gibt es auf der Welt keinen besseren Gesellschafter. Die

Originalität der Gedanken wird nur von der Originalität des

Ausdrucks übertroffen. Dabei eine ungesuchte, daher ansprechende

Bonhomie, welche das oft scharfe Urteil über andere mildert.

Ein Lieblingswort war: ›Der ist ein ganz dummer Kerl‹, ohne ihn

damit kränken zu wollen. Verschiedene seiner Äußerungen waren zu

charakteristisch und teilweise zu interessant, um sie hier nicht

zu erwähnen. ›Was tun Sie,‹ fragte er einmal, ›wenn Sie sich

ärgern? Ich glaube, Sie ärgern sich nicht soviel wie ich.‹ — ›Nun,‹

erwiderte ich, ›bloß über die Dummheit der Menschen, über deren

Bosheit nie.‹ — ›Nein,‹ fuhr er fort, ›finden Sie nicht, daß es

dann eine große Erleichterung ist, einen Gegenstand zu zerstören?‹

— ›Wie gut,‹ entgegnete ich, ›daß Sie nicht an meinem Platz sind;

dann bliebe im Hause kein Möbel ganz!‹ — ›Sehen Sie,‹ dies war

der Schluß, ›ich war einmal drüben‹ — dabei wies er auf die mir

gegenüber im Badschloß befindlichen Zimmer des Kaisers Wilhelm —

›und habe mich schwarz geärgert; ich schließe die Türe heftig, der

Schlüssel bleibt mir in der Hand, ich trete bei Lehndorff ein und

werfe ihn in das Waschbecken, das in tausend Stücke geht.‹ ›Mein

Gott,‹ sagt dieser, ›sind Sie krank?‹ — ›Gewesen, jetzt bin ich

wieder ganz wohl.‹«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 201 / 334 题