Der dicke Daumer

Das war ein biederer Nassauer, der wegen seiner lächerlichen

Todesfurcht bekannt war und von dem Bismarck ein niedliches

Abenteuer aus der Frankfurter Zeit erzählte: »Mit diesem ›dicken

Daumer‹ war ich eines schönen Herbstmorgens in der Nähe von

Frankfurt auf der Jagd gewesen. Als wir uns am Rande des Waldes

hoch im Gebirge zur Rast niedersetzten, entdeckte ich zu meinem

Schrecken, daß ich kein Frühstück mit hatte. Der ›dicke Daumer‹

dagegen zog eine mächtige ›Wurscht‹ hervor, die für mich allein

gerade ausgereicht hätte, und von der er mir edelmütig die Hälfte

offerierte. Das Mahl begann; ich sah das Ende meines Wurstteils

herannahen. Ich hätte vor Wehmut frankfurterisch reden mögen. Da

frage ich den ›dicken Daumer‹ von ungefähr: ›Ach, sage Sie mir,

Herr Daumer, was is doch das Weiße da unne, was aus de Zwetschebaum

herausschaut?‹ — ›Gott, Exzellenz, da möchte eim ja der Appetit

vergehe — das is der Kirchhof.‹ — ›Aber, lieber Herr Daumer, da

wollen wir uns doch beizeiten ein Plätzchen suchen, da muß sich’s

wunderbar friedlich ruhen.‹ — ›Nu, Exzellenz, nu leg i awer die

Wurscht weg!‹ Der ›dicke Daumer‹ blieb bei diesem Entschlusse, und

ich hatte mein ordentliches Frühstück.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 198 / 334 题