Obendrein Propfengeld

In Ferrières war Bismarck in dem Schlosse des Herrn von Rothschild

einquartiert. Sehr gastlich wurde er hier nicht aufgenommen,

wenigstens erzählt Moritz Busch: »Während des Essens hatten wir

auch eine Probe von der Gastlichkeit und dem Anstandsgefühl

des Herrn Baron zu bewundern, dessen Haus der König mit seiner

Gegenwart beehrte, und dessen Besitz infolgedessen in jeder Weise

geschont wurde. Herr von Rothschild, der hundertfache Millionär und

überdies bis vor kurzem Generalkonsul Preußens in Paris gewesen,

ließ uns durch seinen ›Regisseur‹ oder Haushofmeister patzig den

Wein verweigern, dessen wir bedurften, wozu ich bemerkte, daß

derselbe wie jede andere Lieferung bezahlt werden sollte. Vor

den Chef zitiert, setzte der dreiste Mensch seine Renitenz fort,

leugnete erst ganz und gar, überhaupt Wein im Hause zu haben, und

gab dann zwar zu, daß er ›ein paar hundert Flaschen Petit Bordeaux

im Keller habe‹ — in Wahrheit lagen 17000 darin —, erklärte aber,

uns davon nichts abtreten zu wollen. Der Minister machte ihm

jedoch den Standpunkt in sehr kräftiger Rede klar, hob hervor, was

das für eine unartige und filzige Art sei, mit der sein Herr die

Ehre erwidere, die ihm der König dadurch erwiesen, daß er bei ihm

abgestiegen sei, und fragte, als der vierschrötige Patron Miene

machte, sich wieder aufzubäumen, kurz und bündig, ob er wisse, was

ein Strohbund sei. Jener schien das zu ahnen; denn er wurde blaß,

sagte aber nichts. Es wurde ihm dann bemerkt, daß ein Strohbund ein

Ding sei, auf welches halsstarrige und freche Regisseure so gelegt

würden, daß ihre Rückseite oben sei, und das weitere könne er sich

vielleicht vorstellen. — Andern Tags hatten wir, was wir verlangt,

und auch später kam meines Wissens keine Klage vor. Der Herr Baron

aber erhielt für seinen Wein nicht nur den geforderten Preis,

sondern, wie man hörte, obendrein Propfengeld, so daß er an uns

noch etwas Anständiges verdiente. — Herr von Rothschild hat später

behauptet, sein Koch sei von Preußen geprügelt worden, weil die

Fasanen, die er ihnen vorsetzte, nicht getrüffelt gewesen seien.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 194 / 334 题