Bei Tisch war Lauer Gast des Chefs. Es wurde davon gesprochen, daß
man in Paris bereits alle eßbaren Tiere des =Jardin des Plantes=
verspeist haben soll, und Hatzfeld erzählte, daß man die Kamele
für viertausend Franken verkauft habe, und daß der Rüssel des
Elefanten von einer Gesellschaft von Feinschmeckern gegessen
worden sei; derselbe soll ein vortreffliches Gericht abgeben.
»Ach,« versetzte Lauer, »das ist wohl möglich. Es ist eine Masse
von zusammengefilzten Muskeln, woher die Gewandtheit und Kraft
kommt, mit der er ihn gebraucht. Etwas wie die Zunge; er muß wie
Zunge schmecken.« — Jemand bemerkte, auch die Kamele sollten
nicht übel sein, und namentlich behaupte man, daß die Höcker eine
große Delikatesse wären. Der Chef hörte dem eine Weile zu, dann
sagte er wie nachdenklich, erst etwas vorgebeugt, dann aufatmend
und sich aufrichtend, wie das bei Scherzen seine Gewohnheit:
»Hm, die buckligen Menschen — man sollte denken, die Buckel!«
— laute allgemeine Heiterkeit unterbrach ihn. Lauer bemerkte
trocken und wissenschaftlich, die Buckel wären eine Verbildung der
Rippen oder Knochen oder auch eine Verkrümmung des Rückgrates,
und so würden sie sich nicht zum Essen eignen, wohingegen die
Kamelhöcker bewegliche Knorpelansätze wären, die möglicherweise
nicht schlecht schmeckten. Dieser Faden spann sich dann weiter, es
war die Rede von Bärenfleisch, dann von Bärentatzen, zuletzt von
den Feinschmeckern unter den Kannibalen, wobei der Minister eine
anmutige Geschichte zu erzählen wußte. Er begann: »Ein Kind, ein
junges frisches Mädchen, nun ja, aber so ein alter, ausgewachsner
harter Kerl — der muß doch nicht zu essen sein.« Dann fuhr er fort:
»Ich erinnere mich, eine alte Kaffern- oder Hottentottenfrau, die
lange schon Christin geworden war, als der Missionar sie auf den
Tod vorbereitete und sie ganz für die Seligkeit bereit fand, — da
fragte er sie, ob sie wohl noch einen Wunsch hätte. Nein, sagte
sie, es wäre alles ganz gut, aber wenn sie noch einmal ein paar
Hände von einem kleinen Kinde zu essen bekäme, das wäre doch was
sehr Delikates.«