Wie er Burgunder bezog

Es erwähnte jemand bei Tisch den guten Weinkeller Bismarcks in

Berlin. »Ein ausgezeichneter Keller« — sagte er darauf —, »denn ich

habe einen außerordentlichen Lieferanten, den Marquis de T.....,

welchen Sie in Paris kennen gelernt haben müssen. Das ist ein

Diplomat, welcher Talleyrand einmal in seinem Leben ausgestochen

hat, indem er den Minister der Auswärtigen Angelegenheiten des

Kaisers zwang, ihn zum Marquis zu machen, ohne dies zu wissen. Er

ist der Sohn eines reichen Landwirts und hieß einfach Lemarquis.

Nachdem er erreicht hatte, daß er als Attaché der französischen

Gesandtschaft nach Frankfurt geschickt worden war, fügte er seinem

Namen den Namen eines seinem Vater gehörenden Landgutes hinzu, das

machte Lemarquis de T.....; dann gewöhnte er sich allmählich daran,

daß man seinen Namen in zwei Worten schrieb; endlich schrieb er ihn

selbst so. Er kam nach Berlin; ich kannte die Geschichte; als ich

das Vergnügen bemerkte, mit welchem er sich Marquis anreden ließ,

schmeichelte ich dieser Manier und ließ bei einem diplomatischen

Diner unter sein Gedeck eine Speisekarte legen, auf welcher sein

Titel auf die aristokratischste Weise schön rund geschrieben stand.

Er war hierüber gerührt und schickte mir am nächsten Tage einen

Korb ausgezeichneter Burgunderweine, welche er von seinen Gütern in

Frankreich bezog. Seitdem ist er mein Lieferant geblieben, und ich

befinde mich wohl dabei.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 189 / 334 题