Wie beim Kotillon

An einem parlamentarischen Abend erzählte Bismarck: »Als ich dem

Kaiser Napoleon in dem Stübchen des Weberhauses bei Donchéry

beinahe eine Stunde gegenüber saß, war es mir gerade so zumute

wie als jungem Menschen auf dem Balle, wenn ich ein Mädchen zum

Kotillon engagiert hatte, mit der ich kein Wort zu sprechen wußte,

und die niemand abholen wollte.«

Der Krieg ging weiter; das Ende war noch nicht da. Zwar wurde die

Dynastie Napoleons entthront, und die Kaiserin mußte mit ihrem Sohne

nach England ziehen, aber die neue Republik führte den Krieg fort, und

ihr Wahlspruch lautete: Wir überlassen keinen Finger breit Erde und

keinen Stein unserer Festungen den Deutschen.

[Illustration: ~Vor Paris~

Wilhelm zu Bismarck, der nach dem Monde (Paris) greift: »Du fehlst ihn

wieder! Ich habe es dir schon so oft gesagt, mein Gott, mein Gott, in

welche Klemme du mich bringst!« (»Actualités«, 1870)]

Die Haltung Frankreichs war beeinflußt auch durch die Hoffnung auf

die Einwirkung der neutralen Mächte. Vor allem war es Beust, der

die Hoffnung hegte, mit Hilfe eines Kongresses den Deutschen den

Siegespreis zu kürzen. Auch England, das schon zu Anfang die Ausfuhr

von Kohlen und Waffen nach Frankreich mit den Pflichten einer neutralen

Macht für vereinbar hielt, zeigte sich den Siegern wenig freundlich

gesinnt. Beust regte sogar ein gemeinsames Vorgehen der Mächte an, um,

wie er sagte, die Forderungen der Sieger zu mäßigen und die Gefühle

des Besiegten zu schonen. Aber das Schwert war rascher als die Feder;

erst in Versailles kam es zu ernsthafter Verhandlung, und in der

Tat hatte hier Bismarck schwer um die Ernte aller Kämpfe zu ringen.

»Aber schon jetzt«, so schreibt er einmal nach Hause, »haben sich

die diplomatischen Korrespondenzen wieder gemehrt. Der aufgestaute

Tintenbach hat sich über mich ergossen, falsche Friedenstauben

schwirren umher und girren mich heuchlerisch an.« Auch die Organisation

der Verwaltung machte ihm viel Plage: »Wenn ich mit solcher

Ressortverwirrung im Zivil haushalten sollte, so wäre ich längst

gesprungen wie eine Granate. Hier aber denkt keiner daran, ob das Ganze

leidet, jeder tut, was ihm befohlen wird, und was nicht befohlen wird,

darüber tröstet er sich wie der Junge, dem sein Vater keine Handschuhe

kaufte. Vor dem Feinde lauter Helden, aber an ihren Schreibtischen wie

ein Rattenkönig mit den Zöpfen zusammengewachsen.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 182 / 334 题