Er reitet in die Nacht hinaus

Die schwerste Stunde in Bismarcks Leben ist wohl jene späte

Abendstunde gewesen, am 16. August, in der ihm irrtümlich der Tod

seiner beiden Söhne gemeldet wurde. Herr von Keudell berichtet

darüber: »Der Kanzler befand sich zusammen mit Moltke noch beim

König. Da tritt ein Ordonnanzoffizier ein und macht in leisem

Tone dem General eine Meldung, die ihn zu erschrecken scheint.

Bismarck versteht seinen Blick und fragt: ›Geht es mich an?‹

Darauf meldet der Offizier laut: ›Bei der letzten Attacke des 1.

Garde-Dragoner-Regimentes ist Graf Herbert Bismarck gefallen,

Graf Bill tödlich verwundet worden.‹ Und auf Befragen gibt er

an, die Nachricht komme von dem Kommandierenden General des =X.=

Armeekorps von Voigts-Rhetz, dessen augenblicklicher Aufenthalt

nicht bekannt sei, da der General umherreite, um alle Lazarette

zu besichtigen. Bismarck läßt sofort satteln, und ~ohne ein Wort

zu sagen, reitet er in die Nacht hinaus. Kein Reitknecht darf ihm

folgen~. Beim ersten Morgengrauen kommt er in das Dorf Troville.

Im Johanniter-Hospital am Ende des Dorfes findet der Kanzler

den General und erhält Geleit nach dem Gehöft in Mariaville,

wo mehrere Verwundete liegen. Beim Eintreten in das Haus kommt

ihm sein jüngster Sohn unverletzt entgegen; Herbert aber liegt

verwundet auf einem Strohlager. Er war von einer Kugel an der Brust

gestreift worden, eine zweite hatte seine Uhr zerschmettert, die

dritte aber war in das Fleisch des Oberschenkels eingedrungen.«

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 175 / 334 题