In Gesellschaft Keudells und Blanckenburgs machte Bismarck am 22.
August von Varzin aus einen Spazierritt. Die drei Reiter bewegten
sich im Trab längs einer großen Rieselei im Walde auf einem
aufgeschütteten, anscheinend ganz ebenen und festen Rasenwege —
Bismarck voran, unmittelbar hinter ihm Blanckenburg, dann Keudell.
»Denke Dir mein Erstarren,« schreibt Blanckenburg am 24. August
an Roon, »als ich ganz plötzlich folgendes Bild vor mir abspinnen
sehe: der kleine breite Fuchs, den er (Bismarck) ritt, tritt mit
dem rechten Vorderfuß durch die Rasendecke, und zwar so tief und
energisch, daß er gleich, mit dem linken sich vergebens stützend,
nach einigem Stolpern mit der Nase die Erde wühlte. Natürlich
flog Otto über den Hals fort und war meines Erachtens erst mit
der rechten Hand und dem Gesicht an der Erde, als der zweite
Akt erfolgte — nämlich daß der Fuchs vollständig ›heesterkopp‹
schlug und mit dem dicken Pferderücken (zehn Zentner Gewicht!)
auf die bundeskanzlerischen Schultern prallte. Der dritte Akt
folgte ebenso schnell — nämlich daß der Fuchs rechts abfiel und
Otto schnell aufsprang und leichenblaß, ohne Atem, ein dumpfes
Gestöhn ausstoßend, halb Gewimmer, sich den Magen krampfhaft
haltend umherging. Ich war in dem Augenblicke vom Pferde, als er
aufsprang, und überzeugte mich bald, daß Knochen nicht zertrümmert
waren« — indessen waren drei Rippen gebrochen —, »auch erfolgte
kein Blutsturz, auch nicht das leiseste Blutspucken, so daß wir
bis jetzt hoffen, alles sei ohne weitere Folgen abgegangen. Er
ritt noch Schritt eine Viertelstunde und hatte die ersten heftigen
Schmerzen, als er einen Wagen nahm. Der Arzt kann nichts finden. —
Natürlich wird dies seine Nerven nicht gerade sehr stärken. Vorher
machte er mir eigentlich einen guten Eindruck, wenngleich er über
Schlaflosigkeit klagte. Er trank, wie er sagt, am Tage vor dem
Sturz zum erstenmal mit Appetit Sekt und rauchte drei Zigarren.«
Der Unfall hat Bismarck nicht geschadet. Nach einigen Tagen konnte
vielmehr Frau von Bismarck an Blanckenburg schreiben, daß »Otto nach
dem Sturze besser schlafe als vorher; er sei und bleibe der Meinung,
daß Gott ihm diesen Sturz geschickt habe, damit seine Nerven besser
werden«.
[Illustration: ~Das schwarze Gespenst~
~hüben — und — drüben~
als ein Mittel, die Völker militärfromm zu erhalten und in ihnen die
Steuerzahl-Lust zu erwecken (»Kladderadatsch«, Juni 1869)]