»Wir kamen«, so erzählt Bismarck weiter, »spät abends nach Horsitz
auf den Marktplatz. Da hieß es, die Herren werden ersucht, sich
selbst einzuquartieren. Das war aber leichter gesagt als getan.
Die Häuser waren verschlossen, und man hätte Pioniere zur Hand
haben müssen, um die Türen einzuschlagen. Aber die wären wohl
erst früh um fünf angekommen. Ich ging denn an mehrere Häuser,
drei, vier, und zuletzt fand ich eine offene Tür. Wie ich aber
ein paar Schritt auf der dunkeln Hausflur gegangen war, fiel ich
in eine Art Wolfsgrube. Zum Glück war es nicht tief, und wie ich
mich überzeugte, war Pferdedünger darin. Ich dachte zuerst: wie
wär’s, wenn man hier bliebe, — wurde aber doch gewahr, durch den
Geruch, daß noch anderes dabei war. Wie das sich doch mitunter
seltsam trifft. Wenn die Grube zwanzig Fuß tief war und voll, da
hätten sie am anderen Morgen ihren Minister lange suchen sollen. —
Ich ging nun wieder hinaus und fand einen Platz unter den Arkaden
am Marktplatze. Da legte ich mir ein paar Kutschkissen hin und
machte mir ein Kopfkissen von einem dritten und streckte mich zum
Schlafen hin. Als ich mich hingelegt hatte, kam ich mit der Hand
neben mir in etwas Nasses, und als ich es untersuchte, war es
etwas Ländliches — von einer Kuh. Später weckte mich einer. Es war
Perponcher, der sagte mir, der Großherzog von Mecklenburg hätte
noch ein Unterkommen für mich und ein Bett übrig. Das war richtig.
Nur war das Bett ein Kinderbett. Ich machte mir’s zurecht, indem
ich mir zu Füßen eine Stuhllehne hinstellte, klappte mich wie ein
Taschenmesser zusammen und schlief ein. Aber früh konnte ich kaum
aufstehen, da ich mit den Knien auf der Lehne gelegen hatte. — Wenn
man nur einen Strohsack hat, kann man sich’s recht bequem machen,
auch wenn er sehr schmal ist, wie das oft vorkommt. Man schneidet
ihn nämlich in der Mitte auf, schiebt das Stroh zurück und legt
sich dann in die auf diese Weise entstandene Mulde. Ich habe das
mitunter in Rußland so gemacht, auf der Jagd.«
Als Moltke am Abend der Schlacht von Königgrätz über das Leichenfeld
ritt, hatte er zum König gesagt: »Ew. Majestät haben nicht bloß
die Schlacht, sondern den Feldzug gewonnen.« Bismarck aber hatte
hinzugefügt: »Die Streitfrage ist also entschieden; jetzt gilt es, die
alte Freundschaft mit Österreich wieder zu gewinnen!« Welche Fernsicht!
Welche weitgehende Berechnung! Welche tiefe Erkenntnis, daß das Bündnis
mit Österreich der letzte Zweck des Krieges war!
Schon als noch die Waffen ihre ernste Weise sangen, mußte für den
Staatsmann die Zukunft die Weise bestimmen, durfte er den klaren
Sinn sich nicht durch Siegesjubel verdunkeln lassen. So hat er es
verhindert, daß die preußischen Truppen gegen Wien vordrangen und in
der alten Kaiserstadt ihren Einmarsch hielten. Nicht nur, weil er
Österreichs Eigenliebe aus Gründen der Zukunft verschonen wollte,
sondern auch, weil der letzte Widerstand an den Floridsdorfer
Befestigungen eine Zeit von Wochen in Anspruch nehmen konnte, die
Napoleons Intervention auf das Feld rufen mußte. Hier lag ja die
schwerste Gefahr, zumal seit dem Tage, da Kaiser Franz Joseph an
Napoleon Venetien abgetreten und seine Vermittlung angerufen hatte.
Unter dem gleichen Gesichtspunkt hat Graf Bismarck später auch, bei den
Friedensverhandlungen von Nikolsburg, nach Kräften vorwärtsgedrängt
und trotz des Unwillens des Königs und seiner Generale das Gebiet des
Kaiserstaates geschont.