Seinem alten Lehrer =Dr.= Bonnell erzählte in jenen Tagen Bismarck
einen Traum. Er sei auf einem Gebirgspfad in die Höhe gestiegen,
der immer enger geworden sei, bis er endlich vor einer hohen Wand
gestanden und neben sich in einen tiefen Abgrund geblickt habe.
Einen Augenblick habe er überlegt, ob er umkehren solle, dann habe
er sich entschlossen und mit seiner Gerte einen Schlag gegen die
Wand geführt; augenblicklich sei diese verschwunden und der Weg
frei gewesen.
Das Bedürfnis nach Erholung faßte jetzt auch einmal diesen starken
Mann. Es treibt ihn von neuem nach dem Süden Frankreichs, nach
Biarritz und den Pyrenäen. Dort in dem schönen Badeorte sitzt er am
offenen Fenster, den Blick auf die blaue, sonnige See gerichtet, deren
Rauschen von dem Schellengeklingel der Wagen auf der Bayonner Straße
begleitet ist. »In so behaglichen Zuständen habe ich mich klimatisch
und geschäftlich lange nicht befunden, und doch hat die üble Gewohnheit
des Arbeitens schon so tiefe Wurzeln bei mir geschlagen, daß ich einige
Gewissensunruhe über mein Nichtstun fühle, fast Heimweh nach der
Wilhelmstraße, wenigstens wenn die Meinen dort wären.«
[Illustration: Was aber nanu? — Nach den Siegen über die Dänen
beherrschte die Frage jedes Interesse: welches wird das Schicksal
der befreiten Lande sein? Graf Rechberg und Herr von Bismarck sinnen
darüber. (»Figaro«, Mai 1864)]