»Bei diesen Sitzungen hatte,« so erzählte Bismarck in Versailles,
»als mein Vorgänger von Rochow Preußen vertrat, Österreich
allein geraucht. Rochow hätte es als leidenschaftlicher Raucher
gewiß auch gern getan, getraute sich’s aber nicht. Als ich nun
hinkam, gelüstete mich’s ebenfalls nach einer Zigarre, und da ich
nicht einsah, warum nicht, ließ ich mir von der Präsidialmacht
Feuer geben, was von ihr und den anderen Herren mit Erstaunen
und Mißvergnügen bemerkt zu werden schien. Es war offenbar für
sie ein Ereignis. Für diesmal rauchten nun bloß Österreich und
Preußen. Aber die anderen Herren hielten das augenscheinlich für
so wichtig, daß sie darüber nach Hause berichteten. Die Sache
erforderte reifliche Überlegung, und es dauerte wohl ein halbes
Jahr, daß nur die beiden Großmächte rauchten. Da begann auch
Schrenkh, der bayerische Gesandte, die Würde seiner Stellung durch
Rauchen zu wahren. Der Sachse Nostitz hatte gewiß auch große
Lust dazu, aber wohl keine Erlaubnis von seinem Minister. Als er
indes das nächstemal sah, daß der Hannoveraner Bothmer sich eine
genehmigte, muß er, der eifrig österreichisch war — er hatte dort
Söhne in der Armee — sich mit Rechberg verständigt haben; denn er
zog jetzt ebenfalls vom Leder und dampfte. Nun waren nur noch der
Württemberger und der Darmstädter übrig, und die rauchten überhaupt
nicht. Aber die Ehre und die Bedeutung ihrer Staaten erforderten
es gebieterisch, und so langte richtig das folgende Mal der
Württemberger eine Zigarre heraus — ich sehe sie noch, es war ein
langes, dünnes, hellgelbes Ding — und rauchte sie als Brandopfer
für das Vaterland wenigstens halb. Nur Hessen-Darmstadt entzieht
sich.«
Schon diese unscheinbare Geschichte verlieh dem Namen Bismarck in
Preußen eine gewisse Volkstümlichkeit; sie hat später zu einer sehr
ernsten parlamentarischen Szene geführt. Noch eine andere Zigarre aber
spielte eine gewisse Rolle: Als Bismarck den österreichischen Kollegen
besuchte, empfing ihn der hochmütige Herr recht formlos, rauchte seine
Zigarre weiter und hielt es nicht für nötig, seinem Besucher einen
Stuhl anzubieten. Da zog Bismarck eine Zigarre aus der Tasche und
ersuchte den ungastlichen Herrn um Feuer.
Überhaupt bietet gerade der Aufenthalt in Frankfurt ein besonders
reiches Material an anekdotischen Vorgängen. Sie mögen hier in bunter
Reihe folgen: