Die Phrasengießkanne

»Er nahm mich und Herrn von Gagern dazu, und so wurden wir eines

Tages zu einem =souper à trois= bei ihm eingeladen. Zuerst wurde

wenig oder gar nichts von Politik gesprochen. Dann aber ergriff

Manteuffel einen Vorwand, uns allein zu lassen. Als er hinaus

war, sprach ich sogleich von Politik und setzte Gagern meinen

Standpunkt auseinander, und zwar in ganz nüchterner, sachlicher

Weise. Da hätten Sie aber Freund Gagern hören sollen. Er machte ein

Jupitergesicht, hob die Augenbrauen, sträubte die Haare, rollte mit

den Augen, und schlug sie gen Himmel, daß es ordentlich knackte,

dann sprach er zu mir mit seinen großen Phrasen, wie wenn ich eine

Volksversammlung wäre. Natürlich half ihm das bei mir nichts.

Ich erwiderte kühl, und wir blieben auseinander wie bisher. Als

Manteuffel dann wieder hereingekommen war und der Jupiter sich

entfernt hatte, fragte mich jener: ›Nun, was haben Sie zustande

gebracht miteinander?‹ ›Ach,‹ sagte ich, ›nichts ist zustande

gekommen. Das ist ja ein ganz dummer Kerl. Hält mich für eine

Volksversammlung — die reine Phrasengießkanne! Mit dem ist nicht zu

reden.‹«

[Illustration: ~Bismarck als Städtezerstörer~

Er hatte eine Rede im Landtag mit den Worten geschlossen: »Wenn der

Herr Abgeordnete (Harkort) die Äußerung wiederholt hat, daß die

Regierung dem Volke mißtraue, so kann ich ihm sagen, daß auch ich

allerdings der Bevölkerung der großen Städte mißtraue, solange sie sich

von ehrgeizigen und lügenhaften Demagogen leiten läßt, daß ich aber

dort das wahre preußische Volk nicht finde. Letzteres wird vielmehr,

wenn die großen Städte sich wieder einmal erheben sollten, sie zum

Gehorsam zu bringen suchen, und sollte es sie vom Erdboden vertilgen.«

(»Kladderadatsch«, 28. März 1852)]

Auch ein heftiges Renkontre mit seinem Präsidenten hatte hier Bismarck:

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 75 / 334 题