Eine flotte und fröhliche Zeit brach für den jungen Studiosus in
Göttingen an. Auch Otto von Bismarck erfaßte das akademische Leben
mit allen seinen Lockungen und Reizen, und von den Kollegien, die er
namentlich im ersten Semester belegte, hat er nur wenige besucht. Noch
sechzig Jahre später hat er, das Haupt mit der roten Mütze des Korps
Hannovera bedeckt, in wehmütig froher Erinnerung versichert, daß hier
in Göttingen seine Gedanken am liebsten weilen. Er trat nicht sofort
in das Korps ein; er verkehrte vielmehr zuerst in einem Kreise von
Mecklenburgern, die keine eigentliche Verbindung bildeten und mit denen
er alsbald eine fröhliche Fahrt in den Harz antrat. Auch seinen Freund
Lothrop Motley lernte er hier kennen, der ihm in seinem Buche »Otto von
Rabenmarck« ein eigenartiges Denkmal der Bewunderung setzte.
Sein Eintritt in das Korps erfolgte seltsam genug. Vor das
Universitätsgericht geladen, trat er den Weg in hellem,
schlafrockartigem Gewande an, das bis zu den Füßen reichte, »mit
seltsam konstruierter Mütze, ein gedrehtes Eisenstöckchen in der Hand,
von einem mächtigen weißgelben Hunde gefolgt«. Von Mitgliedern des
Korps Hannovera, die ihm begegneten, ob seines Aufzuges verlacht,
antwortete er mit einer Herausforderung. Aber der Konflikt wurde
beigelegt, und der junge Studiosus trat selbst in das Korps ein.
Und hiermit begann das typische Korpsleben: kleine Ordnungsstrafen,
Kneipereien, die Weinkommerse in Weede und in Minden, Mensuren und
Studentenfahrten nach der Rudelsburg, nach Eisenach und Jena.
Von seinen Mensuren sprach Bismarck noch in späten Zeiten gern und oft.