Wie groß die Anhänglichkeit war, die Bismarck noch in späten
Jahren für seinen alten treuen Lehrer bewahrte, beweist folgende
Episode, die wiederum Bonnell erzählt: »Der 17. April 1871 war der
Tag, an welchem die Stadt Berlin die zum erstenmal versammelten
Abgeordneten des Deutschen Reichstages in dem großen Festsaale
des neuen Rathauses begrüßte. Ich war auch dazu eingeladen. In
dem großen Gedränge der Abgeordneten und Notabilitäten jeder Art
zog natürlich Bismarck die Aufmerksamkeit am meisten auf sich.
Plötzlich steht der große Mann vor mir und reicht mir in gewohnter
Freundlichkeit die Hände. Die Hitze des Saales hatte mein Gesicht
gerötet; deshalb drückte er seine Freude darüber aus, mich so wohl
zu finden. ›Ich kann dies Ew. Durchlaucht zurückgeben,‹ sagte ich,
›und doch haben Sie einen bedeutenden Teil der Weltgeschichte
nicht bloß durchgemacht, sondern gemacht.‹ — ›Nun,‹ erwiderte er,
›ich habe so etwas an ihren Fäden gesponnen!‹ Darauf folgten noch
andere freundliche Worte, Erkundigungen nach meiner Frau.« Die
Zeitungen schilderten dann in den nächsten Tagen den Eindruck,
den dieser Vorgang auf die im Rathaussaale Versammelten gemacht
hatte. In dem Bericht des einen Blattes hieß es: »Wer ist der
kleine alte Herr, mit dem Bismarck so lange spricht, zu dem er
sich fast herabzubeugen scheint? Es ist der Direktor Bonnell,
der einst des Fürsten Lehrer war. Es tut einem wohl, zu sehen,
wie respektvoll der große Schüler noch heute vor seinem alten
Lehrer steht.« — Bonnell ist auch der Lehrer der beiden Söhne
Bismarcks später geworden. Als sie im März 1869 die Reifeprüfung
bestanden hatten, lud der Vater die Prüfungskommission zu Tische.
Die Unterhaltung bewegte sich so ungezwungen wie immer in diesem
Hause. Da erhob sich der Kanzler mit dem Glase und sprach etwa
folgendes: »Vor achtunddreißig Jahren um dieselbe Zeit habe ich
das Abiturientenexamen bestanden, und zwar vor demselben Mann und
unter Leitung desselben Mannes, der jetzt meine beiden Söhne zu
demselben Ziele geleitet hat. Ich weiß, was ich ihm verdanke. Mögen
auch meine Söhne ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Indem
ich Sie, verehrte Anwesende, auffordere, auf das Wohl meines alten
lieben Lehrers, des Direktors Bonnell, anzustoßen, verbinde ich
zugleich den Dank an die übrigen Lehrer meiner beiden Söhne.«