Elastisches Fleisch

Es habe dort, so erzählte er in Versailles, ein künstliches

Spartanertum geherrscht. Niemals habe er sich satt gegessen,

ausgenommen, wenn er einmal ausgebeten gewesen sei. Immer habe es

im Institut elastisches Fleisch gegeben, nicht gerade hart, aber

der Zahn konnte damit nicht fertig werden. Und Mohrrüben — roh

aß ich sie recht gern, aber gekocht und harte Kartoffeln darin,

viereckige Stücke.

Um Ostern 1822 traf der Knabe in der Anstalt ein. Einer seiner

Mitschüler, der sich damals in der Knabenschar befand, die den neuen

Zögling begrüßte, hat später über diese Szene erzählt.

Wie kommt es nur?

»Wir befanden uns auf dem Mittelflur, als die nach der Straße

führende Haustüre sich auftat und der Kutscher des Herrn

von Bismarck in dem damals üblichen weiten Mantel mit lang

herabhängendem Rundkragen eintrat, Otto, gleichfalls in einen

solchen Mantel gehüllt, auf dem Arme tragend. Er war schon damals

ein hochaufgeschossener Knabe und ragte weit über das Haupt des

Kutschers hinaus. Wir eilten auf Otto zu, aber er verzog keine

Miene und sah nur mit imponierendem Ernst von oben herab auf uns

nieder. — ›Wie kommt es nur‹ — diese Frage knüpft der Erzähler

an jene Mitteilung —, ›daß dieses Bild mir nach mehr als fünfzig

Jahren klar im Gedächtnis geblieben ist, dieses Bild eines Knaben,

von dem ich sonst aus jener Zeit nichts, durchaus gar nichts weiß?

— War das eine Ahnung davon, daß er einst so hoch über uns gestellt

sein werde?‹«

[Illustration: Der kleine Bismarck als Pflanzensammler (Aus einer

humorist. Biographie des »Kladderadatsch« zum 80. Geburtstag Bismarcks)]

Noch eine andere Schilderung aus jenen Tagen ist uns erhalten. Ernst

Krigar ein Mitschüler Ottos, hat sie uns in einem kleinen Schriftchen

gegeben.

Bismarck in Geschichte, Karikatur und Anekdote · 第 39 / 334 题