Der Major von Schmeling, Kommandeur des Landwehrbataillons
in Naugard, der in den Freiheitskriegen verwundet wurde und
infolgedessen den linken Arm in der Binde tragen mußte, war
eines Tages bei Bismarcks Eltern zu Tisch geladen. Der immer
noch stattliche Krieger erregte in seiner blanken Uniform des
Knaben ganze Aufmerksamkeit. Mit fragenden Augen schaute dieser
über seinen Suppenteller hin, bald nach dem Eisernen Kreuze auf
der Brust des Majors, bald auf dessen unbeweglichen Arm in der
Binde. Das kindliche Fassungsvermögen vermochte sich wohl an der
Erscheinung des tapferen Offiziers die Konsequenzen von »Blut und
Eisen« noch nicht zu erklären; es mochte aber doch eine Ahnung in
ihm aufsteigen, denn mit plötzlichem Entschlusse sprang er vom
Stuhle, stellte sich in etwas breitbeiniger, doch gerader Haltung,
mit den Händen in die Seiten gestemmt, vor den Major hin und frug
ihn in echt friderizianischer Art zur größten Heiterkeit der
Tischgesellschaft: »Ist Er von einer Kanonenkugel geschossen?«
[Illustration: Jugendbild I]
In Versailles erzählte Bismarck einmal von seiner Jugendzeit und
seinen frühesten Erinnerungen. Die erste knüpfte sich an den Brand des
Berliner Schauspielhauses: