»Mein Vater war von aristokratischem Vorurteil frei, und sein
inneres Gleichheitsgefühl war, wenn überhaupt, nur durch
die Offizierseindrücke seiner Jugend, keineswegs aber durch
Überschätzung des Geburtsstandes modifiziert«, so urteilt der
achtzigjährige Staatsmann über den Vater. Er war der Landjunker der
guten alten Zeit, ein eifriger Reiter und Jäger, der Freund eines
guten Trunkes. Über seinem ganzen Wesen liegt ein gewisses robustes
Behagen, ein behäbiger harmloser Humor. Er ist ganz unliterarisch,
aber er umfaßt seine Jungen mit warmer Güte und väterlicher Treue.
Und als sie zu tüchtigen Knaben heranwachsen, da blickt er mit
naivem Stolze auf sie. »Mit Eure Zeugnisse«, schreibt er 1828,
»brüste ich mich noch immer, gestern waren Bülows, Bekedorff und
Blankenburgs hier, wo ich sie zeigte und meine recht innige Freude
hatte, wie sie Euch rühmten; schon im voraus freue ich mich auf
die, so Ihr auf Johanny schicken, und bin ich von Eurer Liebe
überzeugt, daß Ihr unsere Hoffnungen gewiß erfüllen werdet. Ich
bin also berechtigt, Nr. 1 entgegenzusehen.« Wirtschaftsnöte und
manche Sorge blieben ihm nicht erspart, und als er starb, da ließ
der Zustand der Güter vieles zu wünschen übrig. Aber mit einer
gottvertrauenden Sorglosigkeit ließ er die Dinge an sich kommen.
Daß der Sohn über ihn hinauswuchs, hat er wohl kaum gespürt. Aber
das Verhältnis der beiden blieb herzlich und vertraut bis ans Ende.
Am 15. Mai fand die Taufe statt. Nur das erste Jahr seiner Kindheit
verlebte Bismarck in Schönhausen. Denn schon im Jahr 1816 siedelten
die Eltern nach Kniephof in Pommern über. Sie waren durch Erbschaft
und Vergleich in den Besitz dieses Gutes sowie von Jarchelin und
Külz gekommen. Mancherlei landschaftliche Reize bot die Umgebung,
und wenn auch das Herrenhaus selbst unansehnlich und einfach war,
so waren doch der schöne Garten und der Karpfenteich des Gutes
weithin gerühmt. Hier blieb der Knabe bis zum sechsten Lebensjahre.
Eine Reihe von niedlichen Zügen ist uns schon aus dieser ersten
Periode erhalten.