ist des Ödipus Unkenntnis der Art und Weise, wie sein Vorgänger
Laios geendet hat. Nur diese an sich unglaubhafte Unkenntnis hat die
Verwicklung herbeigeführt, die den Inhalt des Trauerspieles bildet.
=Orestes.= Die S. 32 und 64 erwähnte euripideische Tragödie hat
folgenden Inhalt: Der als Muttermörder vor ein Volksgericht gestellte
Held wird, da sein Oheim Menelaos ihn aus Feigheit verraten hat,
verurteilt, will sich jedoch vor seinem Ende noch an des Menelaos
Gemahlin Helena, als der Urheberin alles Übels, rächen; da diese von
den Göttern entführt ward, wählt er ihre Tochter Hermione zu seinem
Opfer. Da erscheint Apoll, um die Versöhnung der Streitenden und die
Vermählung des Orestes mit keiner anderen als Hermione zu bewirken.
=Pauson= (S. 4), jüngerer Zeitgenosse Polygnot’s, überaus fruchtbarer
Genremaler, von Aristophanes verspottet, von Aristoteles auch
anderwärts getadelt.
=Peleus= (S. 39). Es ist wahrscheinlich das so betitelte Drama des
Sophokles gemeint, dessen Inhalt wir kennen, wenn uns auch nur 10
wenig bedeutende Bruchstücke bekannt sind. Peleus, Achill’s Vater,
war während der Abwesenheit des gewaltigen Sohnes aus seinem Reiche
vertrieben worden, hatte seinem Enkel Neoptolemos zu begegnen gesucht
und ist auf der Insel Kos, wohin er durch Sturm verschlagen war,
gestorben. Ähnlichen Inhalt hatte des Euripides gleichnamiges Drama.
Es waren Rührstücke, in denen die Gebrechen und die Hilflosigkeit des
Greisenalters Stoff zu reicher Klage boten.
=Peloponnesische Tragödie= (S. 5). Jedenfalls waren Dithyrambos und
tragische Chöre, ersterer um und bald nach 600 in Korinth, letzterer
in Sekyon zu Hause. Auch Pratinas, ein Zeitgenosse des Äschylos, war
zu Phlius im Peloponnes heimisch.
=Perser= (S. 4). Die einzige uns bekannte dithyrambenartige Dichtung
(Nomos) mit historischem Sujet. Nur 3 Verse daraus erhalten. Ihr
Verfasser Timotheos, s. das.
=Philoktet= (S. 51 u. 54). Das Schicksal Philoktet’s ist unseren
Lesern aus der erhaltenen Tragödie des Sophokles bekannt. Seine
Mitwirkung an der Einnahme Troias hat Sophokles in einem verlorenen
Drama dargestellt. Außerdem haben Äschylos, Euripides (von dessen
Drama eine größere Zahl von Bruchstücken erhalten ist), Achäos,
Theodektes und einige Geringere das dankbare Sujet behandelt.
=Philoxenos= (S. 4), geb. auf der Insel Kythera (435-380), berühmter
Dithyrambendichter; sein „Kyklope“, von dem wir einige Verse
besitzen, war eine von dem Dichter schwer gebüßte Persiflage des
älteren Dionysios.
=Phineussöhne= (die) S. 35. Der Sagenstoff ist bekannt, der Verfasser
des Dramas unbekannt, ebenso die Personen, von deren Aussetzung und
Wiedererkennung der Örtlichkeit im Texte die Rede ist.
=Phorkystöchter= (S. 39). Dies der Titel eines äschyleischen
Satyrspieles, dessen Held Perseus im Kampfe mit Gräen und Gorgonen
war. Dasselbe wurde, wie wir kürzlich erfuhren, noch im Frühjahre 339
zu Athen aufgeführt.
=Phthiotinnen= (die) S. 39, eine uns nur durch vier den Inhalt nicht
im mindesten aufhellende Verse bekannte Tragödie des Sophokles. Daß
dem Drama, wie so häufig, die den Chor bildenden Personen seinen
Namen gaben und daß Achill’s Geschlecht den Mittelpunkt bildete, kann
als ausgemacht gelten. Alles übrige ist vage Vermutung.
=Pindaros= (S. 65), ein uns sonst unbekannter Schauspieler.
=Polyeidos= (S. 35 u. 37) der Sophist, anderweitig unbekannt.
=Polygnot= (S. 4) aus Thasos, berühmter Maler des 5. Jahrhunderts,
der die „bunte Halle“ in Athen, desgleichen die Lesche in Delphi mit
großen historischen Compositionen ausgeschmückt hat.
=Probleme= S. 61 ff. „es ragten die Lanzen --“ (Il. 10, 152). Diese
Aufstellungsweise der Speere befremdete darum, weil das Niederfallen
eines einzigen Speeres den Sturz einer großen Zahl zur Folge haben
und so der nächtlichen Ruhe des Lagers arge Störungen bereiten konnte.
„Mäuler zuerst nun“ (Il. 1, 50). Da die Seuche von Apoll als
Strafgericht über das Griechenheer verhängt wird, so nahm man
daran Anstoß, daß auch schuldlose Tiere, und zwar diese zuerst von
der Krankheit ergriffen wurden. Darum deutelte man an dem Worte,
das Maultiere bezeichnet, und wollte ihm die Bedeutung „Wächter“
aufdrängen.
Daß Dolon zugleich „übel von Ansehn“ und „schnellfüßig“ heißt (Il.
10, 316) schien schwer verständlich, da ein verkrüppelter Körperbau
die Eignung zum Schnellaufen ausschließt. Da half eben die im Text
erwähnte Deutung der Worte.
Das „kräftiger mische den Trunk“ (Il. 9, 202), das Achill dem
Protoklos zuruft, schien einem überfeinerten Geschmacke dort nicht
am Platz, wo es die ersten Heerführer der Griechen zu bewirten
galt. Darum die gewaltsame Auskunft, das Beiwort gelte nicht der
Lauterkeit des Trunkes, sondern der Eile in der Bereitung desselben.
„Alle die anderen nun, so Götter als reisige Männer --“. Unser
Homertext ist von dem Widerspruche, den hier eine so kühne
Auslegung hinwegschaffen hilft, völlig frei. Derselbe ist durch die
Ersetzung des Verses Il. 10, 1 durch den Vers Il. 2, 1 und überdies
durch die Vertauschung des Wortes „andere“, das unser Text an
beiden Stellen bietet, mit „alle“ entstanden. Schwerlich sind
diese Abweichungen einem bloßen Gedächtnisfehler unseres Autors
zuzuschreiben.
„Die allein nicht hinabtaucht“ (Il. 18, 489). Man fragte sich
verwundert, warum das Bärengestirn das einzige nicht untergehende
heiße. Die Antwort auf diese Frage, es werde eben nur das
bedeutendste oder bekannteste unter den dem Pol benachbarten
Sternbildern genannt, darf wohl als zutreffend gelten.
„Ihm aber gewähren (den Sieg wir) --“. Es sind dies Worte, die man
jetzt Il. 21, 297 liest, die man aber einst Il. 2, 15 gelesen haben
muß, wo Zeus dem Agamemnon, den er zu erfolglosem Kampf anspornen
will, ein ihn irreleitendes Traumbild zuschickt. Man wollte
die des obersten Gottes, wie man dachte, unwürdige lügenhafte
Siegesverheißung durch Veränderung der Betonung (übrigens im
Widerspruch mit dem ganzen Zusammenhang) in eine indirecte, das
Ansehen der Gottheit weniger beeinträchtigende Redeform verwandeln.
Auch hier zeigt sich, wie bei jener Mißdeutung des „kräftiger
mische den Trunk“, ein Mangel an Verständnis für homerische
Naivetät.
„Deß Teil vom Regen verfaulet“ (Il. 23, 328). Dasselbe griechische
Wörtchen bedeutet je nach der Betonung (und der Verschiedenheit
des Hauches) „dessen“ und „nicht“. Dem Zusammenhang der Stelle
entspricht einzig und allein das letztere, das unser Homertext
ausschließlich kennt.
In dem zweiten empedokleischen (Halb-) Vers gestatten die
griechischen Worte ebenso wohl die Auffassung: „gemengt ward, was
früher lauter war“, als jene: „lauter ward, was früher gemengt
war“. Es ist insbesondere der von Aristoteles nicht mitgetheilte
Schluß der zwei Verse (183f. Stein), der zu Gunsten der letzteren
entscheidet.
„Das meiste der Nacht ist vorüber --“ (Il. 10, 252f.). Der
sonnenklare Sinn der Stelle ist dieser: „Der größere Teil der Nacht
ist vorüber, zwei Drittel nämlich; der dritte Teil ist noch übrig.“
Vermöge eines kaum begreiflichen Mißverständnisses haben antike und
auch die meisten modernen Erklärer die Worte falsch verbunden und
dadurch den Anfang der Stelle besagen lassen: „+Mehr+ als zwei
Drittel der Nacht sind vorüber“ --, womit sich denn das folgende:
„der dritte Teil ist noch übrig“ nicht wohl zusammenreimen ließ!
Doch hat selbst Aristoteles in seinen „Homerischen Fragen“ diesen
Unsinn verständlich zu machen nicht verschmäht.
„Weinschenk“ des Zeus heißt Ganymed (Il. 20, 234), obgleich
die Götter bekanntlich Nektar und, wie Il. 5, 341 ausdrücklich
versichert wird, keinen Wein trinken. Wie wenig buchstäblich der
Wein an jener Stelle zu nehmen ist, zeigt am deutlichsten Il. 4,
3, wo Hebe geradezu „Weinschenkin des Nektar“ genannt wird. Eine
ähnliche Abschwächung der ursprünglichen Bedeutung hat es bewirkt,
daß „Erzschmiede“ bei Homer auch die Bearbeiter des härteren,
schwerer zu schmiedenden und darum später in Gebrauch genommenen
Eisens heißen.
„Wo die eherne Lanze nun fest stand“ (Il. 20, 272). So heißt es von
dem Speer, den Aeneas erfolglos gegen Achills Schild geschleudert
hat. Dieser bestand aus fünf Metall-Lagen, darunter einer goldenen.
Da schien es denn rätselhaft, daß einerseits das Gold als Hemmnis
des weiteren Vordringens des Speers bezeichnet und andererseits
gesagt wird, dieser habe zwei jener fünf Metall-Lagen durchbohrt.
Sollte die Gold-Lage (so fragte man sich mit berechtigter
Verwunderung) im Inneren des Schildes verborgen gewesen und nicht
vielmehr seinen leuchtenden Schmuck gebildet haben? Die Lösung
dieser Schwierigkeit, die Aristoteles andeutet, scheint dahin
zu gehen, daß die auf der Außenseite des Schildes angebrachte
Gold-Lage die Gewalt des Stoßes zwar abgeschwächt, aber den Speer
nicht zu sofortigem Stillstand gebracht hat.
Ikarios. So heißt in der Odyssee der Vater der Penelope. Es war
dies ein in Sparta heimischer Heros, der Bruder des Tyndareos.
Da befremdete es die Leser des Odyssee, daß Telemach auf seiner
peloponnesischen Erkundigungsreise, die ihn auch nach Sparta führt,
den Großvater dort nicht aufsucht. Die Änderung eines Buchstabens
sollte das Problem lösen helfen.
=Prometheus= (S. 39). Fast sicherlich das uns erhaltene äschyleische
Drama „Der gefesselte Prometheus“ gemeint, da der uns zum größten
Teil bekannte Inhalt der verlorenen Stücke jener Tetralogie dem
Zusammenhange weniger zu entsprechen scheint.
=Protagoras= (S. 42), der berühmte abderitische Jugendlehrer und
Philosoph (sogenannter Sophist) des perikleischen Zeitalters, hatte
die Unterscheidungen der Grammatik wohl als der erste zum Gegenstande
des Studiums gemacht. Wie das Geschlecht der Hauptwörter, so
unterschied er zuerst theoretisch die Tempora und Modi des Verbums.
Er exemplificierte mit Vorliebe an homerischen Versen, insbesondere
an den ersten Versen der Iliade. Obgleich dem großen Aufklärer ein
Anflug schulmeisterlicher Pedanterie nicht gefehlt zu haben scheint,
so darf man es doch bezweifeln, daß er mit der Bemerkung, Homer
gebrauche den Imperativ dort, wo der Optativ (die Redeform des
Wunsches) am Platze wäre (Il. 1, 1), einen ernst gemeinten Tadel
aussprechen wollte.
=Sinon= (S. 54). So heißt in der Sage der Grieche, der sich als ein
angeblich von seinen Landsleuten Mißhandelter und Bedrohter nach
Troia begab, die Troer durch schlaue Vorspiegelungen zur Aufnahme des
hölzernen Rosses bewog und den Griechen das Feuerzeichen gab, das sie
zur Rückkehr von Tenedos bestimmte (s. Abfahrt von Troia). Von dem
also betitelten Drama des Sophokles sind uns nur drei Worte erhalten.
=Sisyphos= (S. 40). Der verschlagene, Götter verachtende und von
den Göttern bestrafte Sohn des Äolos war der Held mehrerer Dramen.
Mitunter ward der Schlaukopf selbst überlistet. So von Tyro, der
Gattin seines Bruders Salmoneus, die er zu seiner Gemahlin machte,
um sich an dem ihm feindlich gesinnten Bruder zu rächen. Einem
Orakelspruche gemäß sollten nämlich die aus der Ehe mit Tyro
entsprossenen Söhne diese Rache vollstrecken. Die Mutter vereitelte
jedoch den Plan, indem sie ihre und des Sisyphos Söhne sofort nach
der Geburt tötete.
=Skylla= (S. 32 u. 65). Gemeint ist der also betitelte Dithyrambos
des Timotheos (s. d.), von dessen Dasein uns erst kürzlich ein
Papyrus der Erzherzog Rainer’schen Sammlung Kenntnis gegeben hat. Der
weibische Charakter des Klaggesanges, den hier der von der Skylla
bedrohte Odysseus anstimmte, wird auch in der neu erschlossenen
Urkunde tadelnd vermerkt. Zum Verständnisse der zweiten Stelle diene
folgendes. Das dramatische Element kam im jüngeren Dithyrambos in
der Weise zur Geltung, daß der Flötenspieler und der Führer des aus
50 Sängern bestehenden Chores in Tracht, Haltung und Geberden die
zwei Hauptpersonen darstellten. Hier zerrt der Flötenspieler den
Chorführer am Gewande, um das Bemühen der Skylla zu versinnlichen,
die den Odysseus an sich und ins Verderben zu ziehen bestrebt ist.
=Sokratische Gespräche= (S. 2). Darunter versteht Aristoteles
ausschließlich die Dialoge Platon’s, in denen Sokrates die
Hauptgesprächsfigur war, nicht die Dialoge anderer Sokrates-Jünger
wie Antisthenes, Phädon usw.
=Sophron= (S. 2), Syrakusaner, 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts,
dichtete in Prosa zum Recitieren bestimmte dramatische Schilderungen
des Volkslebens, Mimen genannt, z. B. der „Thunfischer“, die
„Frühstücksschwestern“, die „Näherinnen“ u. dgl. m. Über die Eigenart
dieser von ihm selbst und seinem Sohne Xenarchos gepflegten Gattung
belehren uns besser als die kümmerlichen Überreste die Nachbildungen
Theokrits und die jüngst wiederentdeckten Mimiamben des Herondas.
=Sosistratos= (S. 65), anderweitig unbekannt.
=Sthenelos= (S. 49), ein mittelmäßiger Tragiker des 5. Jahrhunderts.
Eine Lustspielfigur des Aristophanes fragt im Hinblick auf Sthenelos:
„Doch wie genieß’ ich dieses Dichters Vers?“, worauf ihm die Antwort
wird: „Mit Essigtunke oder salzbestreut“.
=Telegonos= (S. 30) der „fern geborene“ Sohn des Odysseus und der
Kirke, der, ohne den Vater zu kennen, in Ithaka erscheint und ihn
im Kampfe tötet. Gemeint ist hier fast sicherlich das sophokleische
Drama „Der vom Stachel getroffene Odysseus“, da es ein Rochenstachel
war, mittelst dessen ihm den Vater zu töten bestimmt war.
=Telephos= S. 27. Der Gegenstand von Tragödien des Äschylos,
Euripides, Agathon und Anderer. Der Kern der Fabel war dieser. Der
Held wächst, von einer Hirschkuh ernährt, fern von seiner Mutter Auge
auf, die ihn von Herakles empfangen hatte. Als Lohn für den Beistand,
den er dem König von Mysien Teuthras geleistet hat, schenkt ihm
dieser die Hand seiner Tochter, die keine andere als eben Auge ist.
Diese widerstrebt der Heirat und will Telephos töten, der, als ihre
Absicht vereitelt ward, an ihr Rache zu nehmen im Begriff ist. Da
erscheint Herakles und offenbart ihnen die lange verborgene Wahrheit.
S. auch Myser.
=Theodektes= (S. 35 u. 39). Geboren zu Phaselis in Lykien, ein
Jünger und vertrauter Freund des Aristoteles (vgl. Vorwort). Der mit
leiblicher Schönheit nicht minder als mit glänzenden Geistesgaben
Begnadete hat ein halbes Hundert Dramen verfaßt, dreizehnmal den
tragischen Wettstreit bestanden und darunter achtmal den ersten Preis
errungen, wie seine stolze Grabschrift verkündete. Uns sind kaum 70
Verse und von seinen Prosaschriften (unter denen sich eine „Apologie
des Sokrates“ befand) ein Dutzend Zeilen erhalten. S. Lynkeus und
Tydeus.
=Tereus= (S. 35). Eine Tragödie des Sophokles, von der uns wenige,
aber herrliche Bruchstücke erhalten sind. Der thrakische König Tereus
hatte von Pandion, dem Fürsten von Athen, als Lohn für kriegerischen
Beistand die Hand seiner Tochter Prokne erhalten, die ihm den Itys
gebar. Tereus that der Schwester seiner Gemahlin, Philomele, Gewalt
an und schnitt ihr, um ihren Anklagen vorzubeugen, die Zunge aus.
Philomele aber giebt durch ein kunstvolles Werk ihrer Hände -- die
„Stimme des Gewebes“ -- der Schwester Nachricht, worauf sie an Tereus
durch Hinschlachtung seines Sohnes Rache zu nehmen beschließen. Den
Schluß des Dramas bildete die Verwandlung der Hauptpersonen in Vögel.
=Theseis= (S. 18). Solche Theseusdichtungen waren von Zopyros
(wahrscheinlich aus dem 6. Jahrh.), Diphilos (aus dem 5. Jahrh.) und
Anderen verfaßt worden.
=Thyestes= (S. 27). Der durch den verhängnisvollen Bruderzwist
bekannte Sohn des Pelops war der Held zahlreicher Tragödien. Das S.
34 genannte Drama des Karkinos (s. d.) scheint mit dem von anderen
„Aërope“ betitelten identisch zu sein. Die hier erwähnten „Sterne“
waren ein auf der Schulter befindliches, weiß glänzendes Merkzeichen,
das die Pelopiden auszeichnete, wie solche vererbte Muttermale auch
heute noch in süd-arabischen Fürstenhäusern begegnen.
=Timotheos= (S. 4), aus Milet (446-357), berühmter
Dithyrambendichter. Er dichtete unter anderem die „Perser“ (s. das.),
desgleichen einen Dithyrambenkranz, der die Abenteuer des Odysseus
umfaßte und dem auch die „Skylla“ angehörte (s. d.), nicht minder der
„Kyklope“, ein „Laertes“ und „Elpenor“.
=Troerinnen= (S. 54). Ein erhaltenes Drama des Euripides (so
benannt nach den den Chor bildenden Kriegsgefangenen), das mit
Schreckensscenen angefüllt ist, die der Einnahme von Troia folgten.
=Tydeus= (S. 35). Über das nur an dieser Stelle erwähnte Drama des
Theodektes (s. d.) fehlt jede Kunde, und welche Bewandtnis es mit der
hier angedeuteten Erkennung hatte, darüber fehlt es sogar an jeder
irgend scheinbaren Vermutung.
=Tyro= (S. 34). Diese Heroine -- die Heldin zweier Dramen des
Sophokles -- hatte ein Zwillingspaar (Neleus und Pelias) dem Poseidon
heimlich geboren und nach der Geburt in einer Mulde ausgesetzt, die
sie wahrscheinlich der Flut eines Stromes anvertraute und so der
Fürsorge des göttlichen Vaters empfahl. Von einem Roßhirten gepflegt,
wuchsen die Söhne heran, trafen, wie uns alte Denkmäler zeigen, mit
der Mutter an einem Brunnen zusammen, wurden an der Mulde, die der
eine von ihnen mit sich trug, erkannt, und rächten sie dann an der
bösen Stiefmutter Sidero.
=Umänderung= (S. 48). Der Verfasser hat hier (Il. 5, 393) eine der
zur Bezeichnung von „rechts“ und „links“ auch sonst im Griechischen
und anderwärts ganz üblichen (auch im Deutschen nicht unerhörten)
Comparativbildungen seltsamer Weise verkannt. Selbst den Superlativ
(gleichsam „rechtest“) kennt das Lateinische.
=Veröffentlichte Schriften= (S. 33). Darunter versteht Aristoteles
hier und anderwärts im Gegensatze zu den uns allein erhaltenen Schul-
und Vorlesungsschriften die für ein weiteres Publicum bestimmten, in
ungleich gefeilterer Sprache und zumeist in Gesprächsform abgefaßten
populären Schriften. Hier ist der bis auf geringe Bruchstücke
verlorene Dialog „über die Dichter“ gemeint, der unter anderem
auch Fragen der scenischen Ausstattung und selbst der Costümkunde
behandelt hat.
=Waffengericht= (das) (S. 54), ein verlorenes äschyleisches Drama,
in welchem Aias und Odysseus um den Besitz der Waffen Achill’s
gestritten haben.
=Xenarchos= s. Sophron.
=Xenophanes= (S. 61). Der philosophierende Spielmann (geb. um 570
zu Kolophon in Kleinasien, nahe an 100 Jahre alt gest. zu Elea in
Calabrien), von dem wir nicht ganz unerhebliche in poetische Form
gekleidete Überreste besitzen. Gemeint ist hier ohne Zweifel sein
energischer Kampf gegen die +menschenartige+ Auffassung der Götter.
=Zeuxis= (S. 14), aus Herakleia, Maler des 5. Jahrhunderts,
unter dessen Werken Gruppenbilder, wie die Kentauren, die
Götterversammlung, und Einzelfiguren, wie Pan, Alkmene, Eros u.s.w.,
die Hauptrolle spielen.
Nachtrag.
In letzter Stunde ist der Übersetzer mit dem ersten -- annoch
unveröffentlichten -- Versuche bekannt geworden, die arabische
Übersetzung des Abu-Bischr für die Textesverbesserung der Poetik in
systematischer Weise nutzbar zu machen. Aus den Ergebnissen dieser sehr
beachtenswerten Untersuchung sei vorerst mit Erlaubnis ihres Urhebers
(Hrn. ~Jaroslav Tkač~) hervorgehoben, daß die unserer Übersetzung
von 48ᵇ 12, 51ᵇ 31, 54ᵇ 8, 55ᵃ 34 und 59ᵃ 21 zu Grunde gelegten
Schreibungen durch die neu erschlossene Quelle bestätigt werden.
Außerdem mag die 57ᵃ 33 betreffende Angabe dahin berichtigt werden,
daß die zwei eingeklammerten Worte in Ar. bei ihrem ersten, nicht bei
ihrem zweiten Vorkommen fehlen. Ernster ist es, daß die Grundlage der
Herstellung von 50ᵃ 17 sich als hinfällig erweist, und einem älteren
Vorschlage des Übersetzers der Vorzug zu gebühren scheint. Darnach
hätte die Stelle (S. 13, Z. 11 v. u.) etwa also zu lauten: „Auch die
Glückseligkeit und ihr Gegenteil besteht im Handeln, und _somit_ ist
das Lebensziel ein Thun, nicht eine Beschaffenheit.“
Fußnoten:
[1] Vgl. das Register unter „Dithyrambos“ und „Nomos“.
[2] Vgl. im Register „Megarische Komödie“ und „Peloponnesische
Tragödie“.
[3] Vgl. das Register unter „Badescene“ und „Kyprien“.
[4] Sophokles, König Ödipus V. 1002ff.
[5] Vgl. das Register unter „Abfahrt von Troia“.
[6] Vgl. das Register unter „Veröffentlichte Schriften“.
[7] Od. 8, 521ff.
[8] Euripid. Iphigenie auf Tauri V. 274ff. und 1152ff.
[9] Die Herstellung des lückenhaften Textes und die Klärung des
Verhältnisses von Glied- und Bindewort (die zusammen augenscheinlich
alle Conjunctionen, Präpositionen und viele Adverbien umfassen sollten)
scheint nicht gelingen zu wollen.
[10] Vgl. das Register unter „Definition des Menschen“.
[11] Odyss. 1, 185; 24, 308.
[12] Iliad. 2, 272.
[13] Empedokl. V. 443 (Stein).
[14] Vgl. Register unter „Umänderung“.
[15] Auflösung: der Schröpfkopf.
[16] Die drei Anführungen aus Odyss. 9, 515; 20, 259; Il. 17, 265.
[17] Il. 2, 494ff.
[18] Od. 13, 116ff., wo ihn die Fährleute des Phäaken-Schiffes
schlafend ans Land setzen und also verlassen.
[19] Olymp. Ode 3, 52: „die Hindin mit goldnem Geweih.“ -- Zum
Folgenden (bis S. 62) vgl. das Register unter „Probleme“.
[20] „Studien über Hysterie“ von Dr. ~Jos. Breuer~ und Dr. ~Sigm.
Freud~ in Wien. Wien 1895.