####################################################################
Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1834 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert.
In manchen Fällen, meist bei fremdsprachlichen Ausdrücken, wird das
Plural-s mit einem Apostroph abgetrennt, z.B. ‚Tschako’s‘. Da der
Sinn des Texts dadurch nicht verändert wird, wurde diese Schreibweise
beibehalten. Ferner werden Apostrophe in Wörtern wie ‚haus’ten‘
oder ‚erlös’t‘ eingesetzt, die offenbar von den alten Wortformen
‚hauseten‘ und ‚erlöset‘ herrühren. Auch diese Formen wurden nicht
modernisiert.
Überträge (hier ‚Transport‘ genannt) in mehrseitigen Tabellen wurden
entfernt.
Die Bildunterschrift der letzten Illustration (‚Karte von Mexiko‘)
wurde vom Bearbeiter eingefügt. Im Original findet sich eine
ausführliche Legende, aber kein Titel.
Fußnoten wurden am Ende eines Abschnittes, also vor Einschüben und
dem zweiten Hauptkapitel, positioniert.
Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere
Schriftvarianten werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
Symbole gekennzeichnet:
kursiv: _Unterstriche_
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: ~Tilden~
####################################################################
[Illustration]
Mexico
in den ereignißvollen Jahren 1832 und 1833
und
die Reise hin und zurück
aus vertraulichen Briefen
mit einem Anhange über die neuesten Ereignisse daselbst
aus officieller Quelle
nebst
mercantilischen und statistischen Notizen
von
+C. C. Becher+,
damaligem Sub-Director der Rheinisch-Westindischen Compagnie,
Ritter des rothen Adler-Ordens vierter Classe.
Mit einer Karte und lithographirten Ansicht der Hochebene von Mexico.
~... and with your gracious patience
I will a round unvarnished tale deliver.~
~Othello, _Shakespeare_.~
Hamburg,
in Commission bei Perthes & Besser.
1834.
An des Königlich preußischen wirklichen Geheimen Raths und
Ober-Präsidenten von Westfalen
Freiherrn von Vincke Excellenz.
Ew. Excellenz
haben mich während der dreizehn Jahre, während welcher ich meinen
Wirkungskreis hauptsächlich in Preußen hatte, mit so viel Güte
überhäuft, mit so viel Freundschaft geehrt, daß die dankbarste
Erinnerung an diese, -- meine oft mühsame und vielbewegte Laufbahn
erheiternden Verhältnisse, -- in meiner Seele nie erlöschen wird.
Von dem Wunsche beseelt, dies Anerkenntniß und den Ausdruck eines
unbegränzten Dankgefühls gegen +Ew. Excellenz öffentlich+ aussprechen
zu können, durfte ich die gegenwärtige, vielleicht nie wiederkehrende
Gelegenheit nicht versäumen, welche mir dafür
“die Zueignung dieses Büchleins”
darbietet, und von der ich mir schmeichle, daß sie +Ew. Excellenz+ mit
Ihrem gewohnten Wohlwollen und mit Nachsicht aufnehmen werden.
Wem könnte ich auch wohl diesen “chronologischen Bericht” einer langen,
beschwerlichen, in meine Lebens-Verhältnisse nur zu ernst eingreifenden
Reise, besser zueignen, als Ew. Excellenz, welcher die Motive, ich darf
sagen die +reinen Motive+ derselben, mehr als jedem Andern bekannt
sind? -- als Ew. Excellenz, welche sie billigten als ich sie unternahm,
der ich, während und nach derselben, über alles Bericht erstattete, und
die es nun mit mir beklagen, daß der dabei beabsichtigte Zweck -- ohne
mein Verschulden -- nicht erreicht ward.
Wessen Name wäre aber auch wohl in anderer Hinsicht geeigneter,
einer +Darstellung der jetzigen Lage und Verhältnisse Mexico’s+,
gleichsam als Aegide, vorgedruckt zu werden, als der +Ew. Excellenz+,
die sich stets so lebhaft für den Verkehr des Vaterlandes mit
jenem entfernten aber wichtigen Staatenbunde interessirt, und so
wesentlich dazu beigetragen hat, daß die +politischen+ Verhältnisse
Preußens zu demselben sich schon früh +so+ gestalteten, daß sie den
+mercantilischen den+ Schutz gewähren konnten, welcher sich dort
bereits bei mehr als einer Gelegenheit, als höchst nützlich, ja
+nothwendig+, bewährt hat.
Möge Ew. Excellenz denn die Freude werden, des Vaterlandes
vortheilhaften Verkehr mit den vereinigten Staaten von Mexico, sich
mehr und mehr ausdehnen, mögen Sie überhaupt die unausbleibliche
Frucht Ihrer reichen Aussaat im Felde der vaterländischen Industrie,
+das stete Wachsen des National-Wohlstandes+, in vollem Maaße blühen
sehen, und möge es mir erlaubt seyn zu hoffen, daß alsdann auch mein
zwar unbedeutendes aber redliches Streben nach gleichem Ziele, in Ihrer
freundlichen Erinnerung fortlebe.
Mit Gesinnungen der innigsten Verehrung
Ew. Excellenz
ganz gehorsamster Diener und dankbarer Freund
+C. C. Becher+.
Vorwort.
Es war zwar anfänglich meine Absicht nicht, etwas über eine Reise
drucken zu lassen, deren Erfolg den Erwartungen, die ich davon hegte
als ich sie unternahm, so wenig entsprochen hat; ich ward aber von so
vielen Seiten dazu aufgefordert, daß ich mich am Ende doch entschlossen
habe, aus den Briefen, die ich während der Reise an meine Familie und
Freunde geschrieben, ein Bild von dem Treiben und Seyn in dem so viel
besprochenen +heutigen Mexico+, während einer ereignißvollen Periode,
zu entwerfen, und es nun wage, dieses Bild, nebst einigen wenigen
Worten über Hayti und Nordamerika, dem Publicum vorzulegen.
Wenn ich mich damit meinen zahlreichen entfernteren Freunden, mit denen
ich nicht in ununterbrochenem Briefwechsel stehe, und die mithin in den
letzten Jahren weniger von mir erfahren haben, auf eine freundliche
Weise ins Gedächtniß zurückrufe und ihnen eine angenehme Stunde mache,
so wird mir ein schöner Lohn für die geringe Arbeit zu Theil.
So oft und viel auch schon über das +jetzige Mexico+ und die Reisen
dahin und zurück im +Einzelnen+ geschrieben worden seyn mag, so
ist doch, so viel ich weiß, noch nirgends +in Deutschland+ etwas
+Zusammenhängendes+ darüber bekannt gemacht worden.
Dies geschieht nun hier im +ersten Abschnitt+, und wenn auch darin,
der +Sache nach+, für +Manchen+ nichts +neues+ zum Vorschein kommt,
so mag es doch in der Art der Darstellung hier und da der Fall seyn,
denn jeder hat bekanntlich seine eigenthümliche Auffassung von den
Dingen, die er sieht, und giebt sie auf seine Art und Weise wieder. Die
Darstellung meiner Ansichten soll übrigens auf kein anderes Verdienst
Anspruch machen, als darauf, daß sie hier grade so wieder gegeben sind,
wie sie der Eindruck an Ort und Stelle hervorgebracht hat.
Die in dem Anhange geschilderten neuesten Ereignisse in der Republik
Mexico, sind mir aus amtlicher Quelle mitgetheilt worden, und liefern
den erfreulichen Beweis, daß ich mich nicht irrte, als ich, in meinen
Briefen von jenseits, dem Lande, aus der Staatsumwälzung von 1832 u.
33, große Vortheile und Fortschritte auf dem Wege der Civilisation
prophezeite.
Der +zweite Abschnitt+ enthält fragmentarische Notizen, sowohl
mercantilische wie statistische und administrative, worunter manches
noch nicht allgemein Bekannte gefunden werden dürfte.
+Das Ganze+ aber möge dazu beitragen das Interesse der Leser an den
vereinigten Staaten von Mexico zu erhöhen, und dadurch Deutschlands
Verbindungen und Verkehr mit einem Lande mehr und mehr zu beleben und
auszudehnen, dessen Wichtigkeit für ganz Europa eine jährlich wachsende
ist, und noch auf lange Zeit seyn wird, weil Mexico unermeßliche
Resourcen, vortreffliche Climate und Raum für das Zehnfache seiner
jetzigen Bevölkerung besitzt.
Im Juni 1834.
+C. C. Becher.+
Inhalts-Verzeichniss.
I. Abtheilung.
Hinreise, Aufenthalt und Rückreise.
Pag.
1. Brief. Köln, am 9. October 1831 1
2. „ Paris, am 23. October 2
3. „ Bordeaux, am 2. November 4
4. „ Am Bord des Schiffes, den 10. November 5
5. „ do. do. den 17. November 7
6. „ do. do. den 24. November 8
7. „ do. do. den 2. December, (unter der
tropischen Linie.) 9
8. „ do. do. den 10. December 10
9. „ do. do. den 14. December, (Angesichts
Haity.) 12
Zwei Stunden auf Haity, am 15. December 13
10. „ Am Bord, vom 19. bis 29. December 25
11. „ do. am 31. December, (im Hafen von Vera-Cruz) 30
12. „ Vera-Cruz, am 3. Januar 1832 34
13. „ Vera-Cruz, am 9. Januar. Anfang der Revolution 38
14. „ Jalapa, am 12. Januar. Reiseart und Ortsbeschreibung 42
15. „ Puebla, am 15. Januar. Reise und Beschreibung 49
16. „ Mexico, am 21. Januar. Hinreise und Ankunft 57
17. „ Mexico, am 23. Januar. Beschreibung; Nationalpallast;
Wohnung 61
18. „ Mexico, am 29. Januar. Politik; Alameda; Theater;
Stiergefecht 66
19. „ Mexico, am 21. Februar. Sturz mit dem Pferde;
Pferderennen; Politik 71
20. „ Mexico, am 21. März. Kriegsvorfälle; General
Moctezuma 75
21. „ Mexico, am 11. April. Der Paseo; Fahrt nach
Chapultepec und Tacubaya; Spielwuth; Aquaduct 79
22. „ Mexico, am 24. April. Heiße Bäder; Eingeborene
am See Tescuco; Osterfest; Bustamante 83
23. „ Mexico, am 31. Mai, nebst ~P.S.~ Abdankung der
Minister 89
+Beilage+: Ausflucht nach dem Eisenwerke +Sitio+;
Beschreibung desselben und Rückfahrt;
schwimmende Gärten 91
24. Brief. Mexico, am 17. Juni. Pfingstfest in St. Augustin;
Spielsucht; Hahnengefecht; Optische Täuschung;
~bal paré~ 101
25. „ Jalapa, am 25. Juni. Reizende Gegend; Waffenstillstand 106
26. „ Jalapa, am 9. Juli. Politik; Conferenz in Puente;
Meierei; Spinnen-Staaten-Bund; Kathedrale; Theater 110
27. „ Jalapa, am 24. Juli. Wiederanfang des Kriegs; Mord eines
Europäers in Vera-Cruz 113
28. „ Mexico, am 13. August. Indianer; heidnischer Götzendienst
bei katholischen Processionen; Feuerwerke; Diebereien;
Geburtstag des Königs von Preußen 116
29. „ Mexico, am 30. August. Merkwürdiger Vorfall im heißen Bade;
Politik; Einladung Pedrazas; Bustamante übernimmt das
Commando; Musquiz tritt an seine Stelle 121
30. „ Mexico, am 17. September. Fest der Unabhängigkeit;
Universitätsgebäude; Antiquitäten; (Karl Uhde) 124
+Beilage+: aus der neuern Geschichte Mexico’s, Bravo,
Vittoria, Señora Rayon 129
31. Brief. Mexico, am 30. September. Sieg bei Gallinero; Versuch
der Gefangenen, sich zu befreien; Tod des Engländers
Short; Einkleidung einer Nonne; Struensee
(Trauerspiel.) 136
32. „ Mexico, am 4. October. Tour auf’s Land; Pulquebereitung;
Olivenbau; Einfluß europäischer Sitten; Butter; Bier;
Wein 139
33. „ Mexico, am 12. October. Kriegsereignisse; Santa Anna
schlägt Facio, nimmt Puebla, unterhandelt mit der
Regierung; Alaman verläßt Mexico 144
34. „ Mexico, am 5. November. Fernere Kriegsereignisse; Mexico
belagert; Folgen davon; Bustamante rückt heran;.Theurung;
Briefwechsel; ~P. S.~ vom 8. November; Aufhebung der
Belagerung 147
35. „ Mexico, am 9. December. Stillstand in den Operationen;
Rückzug nach Puebla; Extrasteuern; Schlacht bei Puebla;
Vereinigung Santa Anna’s und Bustamante’s, zu Gunsten
Pedraza’s; Unterhandlung mit dem Congresse 152
36. „ Mexico, am 28. December. Protest des Congresses;
Garnison entscheidet für Pedraza; Ende der Noth;
Pulvermühle in Santa Fé; Clima; Steinernes Schiff in
Gouadeloupe; Sulzers Tod 157
37. „ Mexico, am 9. Januar 1833. Einzug der vereinten
mexicanischen Armee; Hoffnungen der Fremden und des
Landes; Pedraza; Zavala; Roccafuerte; Toleranz 162
38. „ Mexico, am 7. Februar. Tour in den deutschen
Minendistrict; Schleidens Lage und Tod in Anganguco;
der Bergbau daselbst, und Rückweg nach Mexico 168
39. „ Mexico, am 13. Februar. Pedraza; Mädchenschule;
Vorbereitung zur Abreise 179
40. „ Vera-Cruz, am 3. März 182
41. „ New-York, am 1. bis 9. April. Reise dahin; Clima; Hafen;
Zunahme des Verkehrs; Einwanderung; Bauart; Lebensweise;
Damen; Theater; Blutaristokratie 184
42. „ Am Bord ~the Sully~, am 30. April. Golphstrom; Hayfische 195
43. „ Paris, am 10. Mai. Havre; Auswanderung nach Amerika etc. 199
+Anhang+: Kurze Darstellung der politischen und administrativen
Maßregeln in Mexico, seit der Präsidentschaft Santa
Anna’s, so wie der gegenwärtigen Lage des Landes 203
II. Abtheilung.
mercantilische und statistische Notizen.
1. Handel mit Mexico, Bordeaux, Havre, Hamburg und Bremen 217
2. Ausfuhr. Staat von Oaxaca; Cochenille 221
Ausfuhrtabellen von 1758 bis 1832 227
Calculation des Werths in Bordeaux 229
3. „ aus Mexico im Allgemeinen 230
Taback und Kaffee 232
Preis des Kaffees bei freier Arbeit 233
4. Münzsorten 235
5. Maaß und Gewicht 236
6. Der mexikanische Tarif 238
7. Bergbau und Silbergewinnung 240
Deutsch-Amerikanischer Bergwerks-Verein 242
Ertrag und Ausfuhr im Allgemeinen 245
Münze in Mexico 246
8. ~Banco de Avio~ (Industrie-Belebungs-Bank) 247
9. Eisenschmelzerei auf dem Sitio 254
10. Bevölkerung von Mexico 255
11. Der Staat von Vera-Cruz 262
12. Finanz-Departement 264
Erste Abtheilung.
Hinreise, Aufenthalt und Rückreise.
An * * *
Köln, am 9. October 1831.
Du siehst aus der Ueberschrift, daß der Rubicon überschritten ist.
Ich bin +diesseits+ des Rheins und kann jetzt nur noch +vorwärts+.
Stufenweise sollst Du stets etwas von mir hören, so wie ich in gleicher
Weise Nachrichten von dir erwarte.
So eben tritt Herr de B. zu mir ins Zimmer, um mir einen Besuch
zu machen und zu sagen, daß er mit seiner kleinen Frau (der
liebenswürdigen Mexikanerin -- der ersten die wohl je den Rhein
befahren -- und die wir, wie Du weißt, vor einigen Monaten zwischen
Mainz und hier auf dem Dampfboot trafen) auf der Rückkehr nach Mexico
begriffen sei, und sich in Falmouth einschiffen wolle. --
Wie doch in unserer Zeit Alles mit Riesenschritten voranschreitet!
Mexico, das noch vor 12 Jahren jeder andern Nation als der spanischen
fast gänzlich verschlossene Land, steht jetzt mit der ganzen Welt in
Verbindung und schließt davon nur (bis zu dereinstiger Anerkennung
seiner Unabhängigkeit) das ehemalige Mutterland, Alt-Spanien selbst,
aus. England, Frankreich und die Vereinigten Staaten von Nordamerika
haben eine regelmäßige monatliche Packetfahrt (England von Falmouth,
Frankreich von Bordeaux und Nordamerika von New-York aus) nach
Vera-Cruz in Gang gesetzt, und Deutschland unterhält einen sehr
lebhaften Verkehr mit den mexicanischen Häfen, von Hamburg und Bremen
aus. --
Es fehlt also jetzt nicht mehr an passenden Reisegelegenheiten nach
Mexico; ich aber habe, wie Du weißt, den Weg über Frankreich gewählt,
und reise morgen mit dem Frühesten über Aachen gen Bordeaux. -- S...,
der gleichzeitig mit mir von E... abgereist ist, geht über England, wir
werden nun sehen, wer von uns zuerst das Ziel erreicht.
Paris, 23. October 1831.
Meine Reise vom Rhein hierher war eine ganz angenehme, und die
Behandlung an der belgischen und französischen Douane der Art, daß
sie mir meine gute Laune nicht verdarb. -- Paris selbst fand ich denn
noch immer das alte +Sodom+ und +Gomorrha+; und stets noch dasselbe
ungeheure Getriebe in den Straßen und an öffentlichen Orten! Doch ist
die Stadt in manchen Theilen und auf den Boulevards, seit ich zuletzt
hier war, sehr verschönert worden. -- Es giebt übrigens auch fast keine
große Stadt in Europa, wo nicht seit dem allgemeinen Frieden theils
das Innere, theils die Umgebung erheitert und verschönert worden wäre!
Der beste Beweis, daß den Völkern ein +friedlicher+ Zustand der Dinge
mehr zusagt und besser bekommt, als selbst der erfolgreichste +Krieg+,
-- und dennoch (wer sollte es glauben?) giebt es hier noch eine Menge
Unsinniger, die diesen herbei wünschen! -- Ich aber sage: der Himmel
erhalte uns den +Frieden+!
Durch die dir bekannte Gefälligkeit unseres Freundes R. war ich im
Stande manches schneller abzumachen, als ich ohne ihn gekonnt; dennoch
habe ich, da es mir auch hier an Geschäften nicht fehlte, gar vieles
ungesehen lassen müssen. Nach der Oper bin ich indessen doch einmal
gekommen, und sah dort zufällig ein seltenes Schauspiel, die beiden
+Ex-Souveräne+ nämlich, den Dei von Algier und Don Pedro von Brasilien,
in anstoßenden Logen! Letzterer ist ein hübscher, stattlicher Mann,
mit offener, intelligenter Physiognomie; er erschien in modischer
Civil-Kleidung, und sein ganzes Wesen bildete einen schneidenden
Contrast mit den maurischen Zügen des alten graubärtigen Deis, dessen
mit Brillen bewaffnete Augen mit sultanischem Wohlgefallen auf den
Pariser Opern-Tänzerinnen zu ruhen schienen. -- Des Deis Bruder,
gleich ihm in türkischer Tracht und Turban, aber während der ganzen
Vorstellung hinter ihm +stehend+, ist ein schöner, noch junger Mann.
-- Der dritte Exsouverain der neuesten Zeit, Carl X., war an +diesem+
Abend nicht in der Oper! --
Von unserm würdigen Gesandten, Herrn v. Werther, bin ich sehr gut
aufgenommen worden, und auch in merkantilischer Hinsicht habe ich
Ursache, mit meinem Pariser Aufenthalt zufrieden zu seyn; besonders
erfreut aber hat mich die Stunde, welche Herr v. Humboldt mir zu
widmen die Güte hatte, und in welcher ich, wie bei ihm stets der Fall,
sehr viel Interessantes vernommen habe. -- Mit unermüdeter, fast
beispielloser Geistesthätigkeit hat er in diesem Augenblick, trotz
seiner diplomatischen Verrichtungen, wieder Mehreres herausgegeben,
sowohl über seine Reise nach Asien, als auch über die merkantilische
Statistik von Cuba; von letzterem Werk hat er mir ein Exemplar verehrt,
was mich auf der Reise belehrend unterhalten wird. -- Auch hat er mich
mit Empfehlungs-Schreiben für Mexico versehen, und unter besseren
Auspicien, als denen +seines Namens+, kann ich in jenem Lande nicht
auftreten!
Ich reise nun heute Abend noch, in Gesellschaft des General-Lieutenants
v. P., nach Bordeaux, und schreibe dir von dort aus wieder. -- Lebe
wohl!
Bordeaux, am 2. November 1831.
Auch bis hier war meine Reise eine glückliche und angenehme. Der Weg
von Paris hierher ist weit schöner, als jener von Belgiens Gränze
nach der Hauptstadt, und man muß sich auf letztern nicht beschränken,
wenn man ~la belle France~ sehen will. Die Ufer der Loire gewähren,
namentlich bei Blois und Tours, einen sehr reizenden Anblick; ersteres
erinnerte mich lebhaft an einige Punkte unseres schönen Neckars, in der
Nähe von Heidelberg. -- Die Stadt Poitiers, auf einer gleichsam einzeln
empor ragenden, steilen Anhöhe erbaut, hat eine höchst romantische,
jedoch kalte Lage. -- Der Anblick von Bordeaux aber, bei der Einfahrt
über die Garonne, ist wahrhaft prachtvoll zu nennen. Stadt, Hafen und
Quai haben etwas sehr Imposantes, und die erst seit kurzem vollendete,
steinerne Brücke über die Garonne, durch ihre Länge und Bauart in den
ersten Rang ähnlicher Werke gehörend, ist ein wahres Meisterstück der
Wasserbaukunst. In hohem Grade reizend ist die Ansicht, welche man von
dem Quai aus nach dem jenseitigen Ufer hat, besonders bei dem noch
immer, jedoch auch hier für diese Jahrszeit ausnahmsweise, schönen,
heiteren und milden Wetter.
Meine Freunde hier, die mich mit der zuvorkommendsten Güte empfangen
haben, bedauerten, daß ich nicht in Zeiten für das zuletzt von hier
nach Mexico gesegelte Packetboot gekommen, weil es das schönste und
bequemste sei, was in dieser Fahrt ist; ich bin jedoch mit dem, worauf
ich mich einschiffen werde und welches ich so eben gesehen habe,
vollkommen zufrieden. Es heißt l’Esteva, und wird von Capitain Beck,
einem, wie es heißt, sehr geschickten Seemann, befehligt.
Da ich mich in den letzten Tagen nicht ganz wohl befand, so habe ich
mir einen gewandten, schon öfter zur See gereisten Bedienten engagirt,
und fahre nun morgen den Fluß hinunter, von wo aus wir mit dem ersten
guten Winde unter Segel gehen werden.
Mit dem Lootsen, der an der Mündung des Flusses das Schiff verläßt,
sage ich Dir dann noch ein letztes Lebewohl von Europa aus! -- Bis
dahin Adieu!
Am Bord des Esteva, den 10. Novbr. 1831,
in der Gironde.
Als ich Dir zuletzt von Bordeaux aus schrieb, glaubte ich nicht Dir
+heute+ noch von diesseits des Meeres schreiben zu können! Indessen
-- der Mensch denkt’s, und Gott lenkt’s! Kaum waren wir nämlich in
Paulliac, einem kleinen Fischerort 6 Lieues abwärts von Bordeaux,
angelangt, als der gänzlich contrair gewordene Wind uns nöthigte, vor
Anker zu gehen, und ich mußte mich nun leider, -- nachdem ich meinen
Aufenthalt in Paris mehr als mir lieb war verkürzt hatte, um ja nicht
zu spät für’s Packet nach Bordeaux zu kommen, und diesen letztern Ort
verließ, ehe ich noch wieder ganz hergestellt war, -- acht Tage in
einem unbedeutenden Fischernest langweilen! Indessen, so wie alles sein
Ende erreicht, so gestatteten uns denn auch endlich Wind und Wetter
gestern Abend an Bord zu gehen, und machen jetzt so gute Miene, daß
wir Hoffnung hegen dürfen, eine schnelle Fahrt aus dem biscayischen
Meerbusen zu haben, was in dieser Jahreszeit häufig der beschwerlichste
und gefahrvollste Theil der Reise ist. Das, einige Wochen vor uns
gesegelte, schöne Packetboot, von dem ich Dir in meinem letzten sagte,
hat dies erfahren; es mußte, wie wir noch vor unserer Abreise von
Paulliac vernahmen, durch heftige Stürme und bedeutende Beschädigung
gezwungen, in den Hafen von +Brest+ einlaufen, um zu repariren, und
da dies viel Zeit erfordern wird, so sind die meisten der 72!!!
Passagiere, die sich am Bord befanden, nach Bordeaux zurückgekehrt,
um andere Reise-Gelegenheit zu suchen! -- Welch ein Glück also, daß
ich nicht der 73ste Passagier geworden bin; -- und doch beklagte ich
dies noch vor kurzem und meine Bordeauxer Freunde mit mir! So weiß der
kurzsichtige Mensch nie was ihn frommt! -- Ich fühle mich nun am Bord
unseres Schiffchens in recht behaglicher Stimmung und bin bereits ganz
einheimisch geworden. Meine Cajüte ist klein, aber bequem, und geräumig
genug, um darin lesen und schreiben zu können.
Die Cajüten auf diesem Schiffe sind nicht, wie in der Regel üblich, im
untern Raum, sondern auf dem Verdeck angebracht, was, da hierdurch ein
freier Luftzug bewirkt wird, für Reisen nach heißen Zonen sehr passend
ist; für jene nach nördlichen Ländern dürften jedoch die Cajüten
unter Deck vorzuziehen seyn. Wir sind in Allem neunzehn Passagiere,
worunter mehrere Damen; eine Wittwe mit zwei liebenswürdigen schon
erwachsenen Töchtern, welche versuchen will, die ihr in Europa untreu
gewordene Göttinn Fortuna in Mexico wieder zu erhaschen; sodann eine
verheirathete Dame, eine Genferin, die mit ihren beiden, allerliebsten
kleinen Mädchen von 11 und 13 Jahren zu ihrem bereits in Mexico
etablirten Gatten reist. -- Unser Capitain ist ein noch junger,
einnehmender und gebildeter Mann; es bedarf mithin zu einer angenehmen
Reise nur eines günstigen Windes, und dieser scheint sich, wie schon
gesagt, einstellen zu wollen. -- Haben wir nun eine schnelle Fahrt nach
Westindien, so darfst Du schon in ein paar Monaten Nachrichten von mir
erwarten, indem es mir wohl gelingen wird, dort auf einer der Inseln
Briefe nach Europa zur Post zu geben; bis dahin mußt Du Dich aber
gedulden, und mit mir hoffen, daß wir gegenseitig nicht allzulange ohne
Kunde von einander bleiben.
Diese Zeilen sind denn wirklich die letzten, die ich Dir aus diesem
Welttheil schreibe; ich gebe sie dem Lootsen mit, der uns in einer
halben Stunde verläßt!
Lebe wohl, recht wohl; ich umarme Dich und die Kinder.
Am Bord des Esteva, den 17. Novbr. 1831.
Wir sind auf der Höhe der Azoren und mithin über die Gränzen Europas
hinaus. -- Der Unterschied der Temperatur ist auch schon merklich
fühlbar, aber höchst angenehm; denn ohne daß wir von Hitze litten,
haben wir z. B. grade heute am 17. Novbr. die Luftwärme eines schönen,
nicht zu heißen Sommertages am Rhein, und gerne tränken wir daher den
Caffee im Garten, wenn nur einer zur Hand wäre! Das könnte nun zwar
morgen oder übermorgen der Fall werden, wo wir Madeira zu erreichen
hoffen, und ich habe daher auch wohl schon gewünscht, daß wir an etwas
Mangel leiden möchten, was uns nöthigte, auf jener paradiesischen Insel
zu landen; aber wir sind leider (?) zu gut mit Allem versehen, um
deshalb irgendwo einlaufen zu müssen. Wir werden mithin Madeira blos
vorbeisegeln, und höchstens die Umrisse der blauen Berge am Horizont
bewundern können, mit dem Lande aber warten müssen, bis wir nach
Westindien kommen.
Es ist übrigens doch eine ziemlich ennüyante Parthie um eine längere
Seereise, besonders für einen, an unausgesetzte Thätigkeit gewöhnten,
Geschäftsmann! -- Sind auch die Reisen zu Lande häufig ermüdender und
beschwerlicher, als die zur See, so kömmt man dagegen auf erstern doch
auch hin und wieder an Punkte, wo man sich geistig und körperlich
erfrischen und erholen kann; aber auf dem Meer gleicht ein Tag dem
andern, man ißt und trinkt und schläft und staunt Himmel und Wasser an.
Nur Sturm und schlechtes Wetter bringen eine Abwechselung hervor; doch
eine solche wünscht man sich eben nicht.
Am 24. November.
Es gibt doch in der That nichts Unsichereres und Trügerischeres als
Wasser, Wind und Wetter! -- So glaubten wir z. B. mit Zuversicht,
ehegestern, im 31sten Grad der Breite, die für die Fahrt nach
Westindien so günstigen Passatwinde zu erhaschen, als uns auf einmal
ein Sturm aus Südwesten zu fassen kriegte, das Schiff aus seinem
Cours heraus nach der afrikanischen Küste trieb, und uns namentlich
gestern Nacht mit vielem Unheil bedrohte; “denn die Elemente hassen
das Gebild von Menschenhand.” -- Es war ein erhabenes, aber auch
zugleich furchtbares Schauspiel, dieser 24stündige Riesenkampf mit den
empörten Elementen, gegen welche die Kraft des Menschen nichts, seine
Gewandtheit dagegen oft alles vermag! Diese sollte denn auch diesmal
siegen, und wir blieben Gottlob unversehrt.
Unbeschreiblich groß und schön war der Anblick der sich auf allen
Seiten um uns her aufthürmenden, tobenden Wassermassen; aber so, und
von diesem Standpunkt aus, wünsche ich Aehnliches doch nicht wieder zu
sehen! Heute hat sich nun alles wieder zum Guten gewendet, das Wetter
ist schön und der Wind passabel günstig; nur sind wir leider weit
südlicher gekommen, als wir sollten, und müssen jetzt viel verlornen
Weg nachholen.
Wenn ich Dir übrigens eben von der +afrikanischen+ Küste sprach, so
mußt Du nicht glauben, daß wir dort von übergroßer Hitze gelitten
hätten; im Gegentheil, Luft und Winde waren kalt, und man konnte und
kann noch Ueberrock und Mantel vertragen.
Am 2. December.
Gestern passirten wir die tropische Linie des Krebses, und es ist doch
nun endlich so heiß geworden, daß ich zu der Sommerkleidung meine
Zuflucht nehmen mußte. Unter dem Aequator mag freilich die Hitze noch
größer seyn, als hier unter dem Wendekreis. Bei dem Durchgang des einen
sowohl wie des andern ist es übrigens, wie Du wissen wirst, allgemeine
Sitte der Matrosen, jeden Reisenden, der die Fahrt zum erstenmale
macht, einer sogenannten Taufe zu unterwerfen. Diese Ceremonie, welche
zur großen Belustigung des jüngeren Theils der Passagiere heute
stattfand, will ich Dir nunmehr, wenn auch nur um +der Kleinen+ willen,
wenigstens in großen Zügen beschreiben; es wird sie jedenfalls amüsiren.
Als wir nämlich gestern bei Tische saßen, und eben die tropische Linie
durch waren, hörten wir aus den obersten Segeln den Himmelsfürsten
+Tropique+ mit lauter und rauher Stimme uns begrüßen, und gleich
darauf kam ein mit der Peitsche knallender Courier, auf einem recht
scheußlichen Seepferd (ein Matrose auf dem Rücken eines andern) in die
Cajüte geritten, und brachte von dem besagten Prinzen Tropique ein
Schreiben an den Capitain, worin er ihn in seiner Zone willkommen hieß,
und guten Wind versprach, wenn er ihm die noch nicht hier gewesenen
Passagiere morgen zur Taufe ausliefern wolle. Auf das Versprechen, dies
zu thun, kam nun heute der uralte Himmelsfürst mit seiner jungen Frau,
in Begleitung von Neptun und mehreren Dämonen der Unter- und Oberwelt,
unter lautem Getöse angezogen, um bei der Taufe zu präsidiren.
Das Personal dieser grotesken Maskerade und der Gens-d’armerie, welche
bekanntlich bei keinem französischen Spektakelstück fehlen darf, nebst
dem Seepferd und Priester und Meßner, wurden natürlich durch theils
verkleidete, theils entkleidete Matrosen dargestellt, welche letztere
sich mit Theer bestrichen und mit Federn und Werg beklebt hatten, um
ihren über- und unterirdischen Rollen gebührend zu entsprechen.
Die Feier der Taufe selbst ward nun in einer aus Flaggen und Segeltuch
zierlich errichteten Capelle, durch Priester und Meßner, auf eine
bizarre, mitunter ganz belustigende Weise, an allen Passagieren
vorgenommen, von denen sich keine besser dabei benahmen, als die schon
erwähnten, niedlichen Genfer Mädchen von 11 und 13 Jahren.
Die meiste Belustigung erregte einer der Dämonen, (ein nackter mit
Theer beschmierter und in bunte Federn gerollter Matrose) der beständig
um die Capelle herum sprang und hineinzudringen suchte, um die Taufe zu
stören, dabei aber von dem Wache stehenden Neptun mit dem Dreizack oft
sehr derbe und fühlbar zurückgejagt ward.
Nach beendigter Tauf-Ceremonie trat der, bei 28° Hitze über die große
+Kälte+ hienieden klagende Fürst Tropique, mit Taufgeschenken gehörig
versehen, die Rückreise nach den höheren Regionen an. Die Capelle ward
von den Matrosen demolirt, und der Spaß, welcher das Monotone einer
Seefahrt, während eines halben Tages ganz angenehm unterbrach, hatte
ein Ende.
Am 10. December.
Wir begegnen jetzt täglich schwimmenden Massen von Seegras, die schon
dem +Columbus+ eine willkommene Andeutung der Nähe des Landes waren,
und hoffen, in wenigen Tagen +Hayti+ zu erspähen. -- Herzlich will ich
mich des erquickenden Anblicks erfreuen, denn man wird es nachgerade
müde, nichts als Himmel und Wasser zu sehen. Wenn mich indessen auch
die Langeweile dann und wann etwas plagt, so befinde ich mich doch in
jeder andern Hinsicht ganz wohl, und damit Du siehst, daß mir am Bord
des Esteva an materiellen Bedürfnissen nichts abgeht, will ich Dir eine
Beschreibung unserer Tages-Eintheilung geben, um so mehr als es ohnehin
unverzeihlich seyn würde, einer braven Hausfrau gar nichts von Küche
und Keller zu erzählen, die doch im Leben (zu Land wie zu Wasser) eine
so wesentliche Rolle spielen. So höre denn. Bei der hier stattfindenden
Tag-und Nacht-Gleiche, (Abends um 6 wird’s dunkel, Morgens um 6 geht
die Sonne auf) bekommt man gegen 7 Uhr Morgens, nach Verlangen:
Thee, Caffee oder Chocolade, -- versteht sich alles ohne Milch. Um 9
Uhr wird ein Gabelfrühstück aufgetragen, bestehend aus einer Tasse
Bouillon, Eierkuchen, Coteletten, Schinken u. dergl., nebst Erdäpfeln
und sonst einem Gemüse, wobei denn jeder so viel Wein, oder Wein und
Wasser trinkt, als ihm beliebt. Um 1 Uhr wird dem etwa Hungrigen ein
Imbiß, nebst einem Glas Bouteillenbier, gereicht; um 4 Uhr speist man
zu Mittag und es werden dabei folgende Gerichte aufgetragen: gute
Bouillon mit Reis oder Nudeln, Rind- oder Kalbfleisch, auch wohl
Hammelbraten; sodann, und zwar täglich, gekochte oder gebratene Hühner,
zur Abwechslung auch Enten oder Kalkuten; Gemüse jeder Art, und zweimal
in der Woche Torten und kleine Pasteten; schließlich Butter und Käse,
etwas Dessert, Caffee und Liqueur; und dabei rother Wein nach Lust und
Belieben. -- Zum Beschluß des Tages endlich wird jedem, der es wünscht,
am Abend ein Glas Wein, Wasser und Zucker, Himbeersaft oder dergl.
gereicht, und Du wirst somit gestehen, daß man sich am Bord des Esteva
wenigstens über die Kost nicht zu beklagen hat, und daß sie jener auf
den englischen Packetbooten, die Du ja aus früherer Erfahrung kennst,
vorzuziehen ist; was +Dir+ insbesondere aber noch mehr als Vorzug
erscheinen würde, ist der Umstand, daß man aus den französischen
Packeten nur Holz und keine Steinkohlen brennt, deren Geruch und
Dampf die Neigung zur Seekrankheit so leicht erregt, und Dir oft so
unangenehm war.
Am 14. December.
Endlich! und zwar in genauer Uebereinstimmung mit der Berechnung
unseres sachkundigen Capitains, sahen wir gestern Mittag Punkt 1 Uhr
das Cap Samana auf +Hayti+. Wir genossen bis spät in die schöne,
warme, mondhelle Nacht das herrlichste Schauspiel, indem wir uns den
malerisch schönen Ufern dieser prachtvollen Insel immer mehr näherten,
deren gebirgiger Umriß sich am reinen Firmament in erhabener und
mannichfaltiger Gestaltung erhob.
Heute war ich mit Sonnenaufgang wieder auf dem Verdeck, um mich
auf’s Neue an dem schönen, so lang entbehrten Anblick des Landes zu
laben; wir sind nunmehr dem Ufer so nahe, daß wir Alles deutlich
unterscheiden, und unsere Augen weiden können an den üppig bewachsenen
Bergen, den schönen grünen Hügeln und den am Fuß derselben gelegenen,
freundlichen Dörfern und Pflanzungen. -- Einzelne Berggruppen
erinnerten mich lebhaft an unser schönes Siebengebirge bei Bonn, nur
mit dem Unterschied, daß die hiesigen Gruppen nun schon 30 deutsche
Meilen lang anhalten und noch nicht zu Ende sind.
Diese Augenweide, der balsamische Landgeruch, den uns ein leichter
Zephyr von der so nahen Küste herüber weht, und die über alle
Beschreibung schönen, nur unter einem tropischen Himmel zu erlebenden,
warmen, mondhellen Nächte, haben einen Eindruck auf mich gemacht,
der sich wohl nur mit dem Leben verwischen wird. Wahrlich, hier wird
es einem nicht schwer, das Entzücken zu begreifen, welches Columbus
empfinden mußte, als er sein gefahrvolles und rastloses Streben durch
die Entdeckung dieser schönen Insel belohnt sah. Es war aber gerade
in derselben Bucht, in welcher ich morgen den Fuß ans Land zu setzen
hoffe, wo Columbus zuerst auf Hayti landete. Diese Bucht, die er den
Hafen von +St. Nicolas+ nannte, gehört zu den wenigen Orten, welche
bis auf diesen Tag den Namen tragen, den er ihnen bei der Entdeckung
beilegte. -- Wir aber sollen daselbst Frankreichs Correspondenz mit
Westindien abliefern, und da mir der Capitain erlaubt hat, mit den
Depeschen ans Land zu gehen, so benutze ich diese Gelegenheit, um Dir
das bisher für Dich Niedergeschriebene via Nordamerika zuzusenden, und
Dir Nachrichten von mir zu geben, welche Du auf diese Weise um einige
Monate früher erhältst, als wenn ich damit bis zu unserer Ankunft in
Vera-Cruz warten wollte! Wir haben noch einen weiten Weg dahin, und
wer weiß, was uns auf demselben noch bevorsteht! Ich falte daher alles
Fertige zusammen, und gebe es morgen in St. Nicolas zur Post.
Leb wohl, tausendmal wohl!
Zwei Stunden auf Hayti.
Am 15. December 1831, Morgens 9 Uhr, erreichten wir den Hafen der Insel
Hayti, ~St. Nicholas au mole~ genannt. Der Lieutenant und ich gingen
ans Land, um Briefe und Depeschen für Portauprince dort abzugeben;
und so war ich denn endlich auf der Insel, mit welcher ich früher in
so enger Verbindung gestanden, und konnte Manches von dem in der Nähe
sehen, was mir freilich schon oft von Augenzeugen geschildert worden
war. Die Scene war originell in hohem Grade; ich will versuchen ein
Bild davon zu entwerfen.
Als wir mit dem Boot in die Bucht ruderten, gewahrten wir auf beiden
Seiten Batterien, welche den Eingang vertheidigen, und bei Ansicht
der französischen Flagge, die wir führten, die haytische, blau und
roth in parallelen Streifen, aufzogen. Wir wollten in der Nähe des
Regierungs-Gebäudes landen, wurden aber von zwei Soldaten und einem
Offizier, die man uns entgegen sandte, bedeutet, daß wir tiefer in
den Hafen fahren und an der Douane landen müßten. Der Anblick von
schwarzen Männern, in europäischer Uniform von Tuch, blau und roth mit
weißen ledernen Bandeliers, schlechten Flinten und Säbeln, Tschako’s,
Pantalons ~ad libitum~ und nackten Füßen, erschien mir, ich gestehe es,
eigen und komisch genug. Zur Ehre des haytischen Militairs sei jedoch
hier gesagt, daß der Offizier nicht barfuß ging, sondern Schuhe an den
Füßen und einen großen dreieckigen Sturmhut mit Cokarde auf dem Kopfe
trug.
Der erhaltenen Weisung gemäß, stiegen wir bei der Douane ans Land; auch
hier waren die Menschen, welche wir zu Gesicht bekamen, schwarz und mit
stark afrikanischen Zügen bezeichnet; sie haben nämlich platte, breite
Nasen, hohe Backenknochen und dick aufgeworfene Lippen. Die Zähne der
jüngeren Personen sind weiß, ohne blendend weiß zu seyn, und mehr stark
als schön.
Der Director an der Douane war ein junger, sowohl von Wuchs wie von
Gesichtszügen schöner Mann, und würde gewiß bei unsern Damen, trotz
seiner schwarzen Farbe, Glück gemacht haben. Er sprach ein angenehmes
und richtiges Französisch und schien unterrichtet; meine Fragen in
Betreff der Bevölkerung des Städtchens, das er mit Wohlgefälligkeit
eine +Stadt+ nannte, beantwortete er mir ausweichend; wahrscheinlich um
nicht in Widerspruch mit seiner Benennung des Orts zu gerathen.
Der Postsecretair, dem wir unsere Briefe und Depeschen gegen eine
Bescheinigung zu übergeben hatten, war ein Mulatte und sprach und
schrieb gut französisch; der Obrist, der auf geschehene Meldung uns
auf der Hauptwache besuchte, war ein Neger, zwar wie es schien, noch
jung, aber ohne körperliche Energie; er klagte über zu große Hitze
(es war der 15. Decbr.) und ich konnte ihm nur Recht geben, denn ich
litt selbst davon. Dies gab Gelegenheit von der natürlich noch weit
größeren Hitze des Sommers und ihren Wirkungen zu sprechen; der Obrist
schilderte sie als extrem und versicherte, daß nicht allein an der
Küste, sondern auch im Innern des Landes, die Sommerhitze hinraffende
Climafieber erzeuge, und daß alsdann die Eingebornen, eben so wenig wie
Ausländer, sich ungestraft der Sonne zu sehr aussetzen dürften; jetzt,
wo die Sonnenstrahlen die Insel nur in schiefer Richtung berührten,
ginge es noch an, aber im Sommer, wo sie senkrecht fielen, sei die
Hitze oft unerträglich.
Das Französische des Herrn Obristen war nicht das reinste, und er
schien sich besser auf sein Creolisch, (ein corruptes Französisch,
welches sich auf den Inseln nach und nach zu einem förmlichen Patois
gebildet hat, und von den Einwohnern allgemein gesprochen wird,)
zu verstehen. Von den europäischen Angelegenheiten war er nicht
ununterrichtet, bedauerte die Polen, ~qui avaient si bien assisté la
France autrefois~, und fällte ein richtiges Urtheil über die belgischen
Angelegenheiten: ~ce pays n’ayant maintenant plus la même importance
qu’auparavant~ u. s. w. -- Im Ganzen genommen machte jedoch die
Unterhaltung mit dem Obristen nicht den angenehmen Eindruck auf mich,
wie jene mit dem Director der Douane.
Der General, der Anfangs auch auf die Hauptsache zu uns kommen wollte,
ließ der großen Hitze wegen absagen, was ich bedauerte, da ich ihn
gern gesprochen hätte; wären wir, des für die Hauptreise günstigen
Windes wegen, nicht so sehr eilig gewesen, so würde ich dem General
meine Aufwartung gemacht haben. Bei Gelegenheit der Meldung vom General
ermangelte der Herr Obrist nicht seine Autorität dadurch kund zu thun,
daß er der Ordonnanz in meiner Gegenwart einen derben Verweis, wegen
des Tragens eines Kopftuchs unter dem Tschako, ertheilte.
Da wir etwas Erfrischung für das Schiff mitzunehmen beabsichtigten, so
frugen wir den Obrist, ob und wo diese wohl in der Stadt zu haben wäre,
worauf er uns erwiderte, daß wenn man uns früher heransegeln gesehen
hätte, ohne Zweifel und wie üblich, alle Arten von Erfrischungen aus
der Nachbarschaft vom Lande herbeigebracht worden wären; so aber sei
es zweifelhaft, ob wir fänden, was wir suchten; er wolle jedoch den
Capitain mit uns schicken, um uns die Wohnung des Schlächters u. s. w.
zu zeigen! Dieß gibt den Maßstab des Verhältnisses zwischen Militair
und Bürgern auf Hayti! Der Capitain übernahm den Auftrag sehr gern; wir
fanden bei dem Schlächter, dem einzigen des Orts, frisches Rindfleisch,
und kauften dessen ein gutes Viertheil.
Die recht hübsche, junge und muntere Frau des Schlächters hatte ein
drei Wochen altes Kind im Schooße liegen, welches, mit Ausnahme des
Kopfes, mir viel kleiner schien, als Kinder gleichen Alters bei uns;
ich hatte nachher Gelegenheit diese Bemerkungen an mehreren neugebornen
Kindern, die man den Kommenden und Gehenden in den überall offenen
Wohnungen nirgends verbirgt, zu machen; wenn sodann diese Kinder
heranwachsen, so haben sie bis zum 14ten oder 15ten Jahre einen sehr
dicken, hervorstehenden Leib und sehr dünne Beine, auf welchen sie
indessen ganz lustig einherhüpfen, und weder ihren nackten Körper
durch Bekleidung oder Kopfbedeckung gegen die Sonne, noch ihre bloßen
Füße gegen den brennenden Boden zu schützen versuchen.
Es schien dem oberwähnten Herrn Obristen zu gefallen, daß ich einen
solchen kleinen, nackten Homunculus zu mir rief, auf den Schooß nahm,
ihn um seinen Namen befragte und liebkos’te; es ging mir aber ganz
von Herzen, denn das schwarze Kind lächelte mich so freundlich an mit
seinen milchweißen Augen und elfenbeinernen Zähnen, daß ich mich sehr
zu ihm hingezogen fühlte.
Ich sah nachher noch viele, recht hübsche Kinder, beiderlei
Geschlechts, worunter mir besonders ein Knabe von etwa 13 Jahren, für
dieses Alter recht groß und stark, durch sein intelligentes, offenes
Gesicht, gefiel. Er war der Sohn eines wohlhabenden Mannes, bereits
in einer Erziehungsanstalt in Portauprince gewesen, und sollte zur
Vollendung seiner Studien wieder dahin zurück. Wäre ich auf der
Rückreise nach Europa gewesen, ich hätte darauf angetragen, ihn mir
dahin mitzugeben, und der Vater würde wahrscheinlich darauf eingegangen
seyn, denn er legte großen Werth auf die Erziehung seiner Kinder. Daß
dieser Jüngling und seine sechs Geschwister, bis auf die jüngsten von
wenigen Jahren, die bloß ein schneeweißes Hemd übergeworfen hatten,
sehr ordentlich gekleidet gingen, versteht sich von selbst.
Der Vater, der wie alle Einwohner, die es vermögen, eine Boutique
hielt, ein noch junger Mann, erzählte mit Wohlgefallen, daß er sieben
Kinder habe, die denn auch alle um uns herumstanden, aber seine Frau,
die vor uns saß, zeigte auf ihren hochschwangern Leib und fügte hinzu:
~et voici le huitième~. Da Mann und Frau nicht von einer Gesichtsfarbe
waren, er schwarz und sie dunkelbraun, so fand ein großer Unterschied
unter den Kindern statt; sie waren theils mulatten-, theils negerartig.
Man kann überhaupt keine mannichfaltigere Abstufung der Gesichtsfarben
sehen, als auf Hayti. Mulatten, die fast weiß sind, braun und
olivenfarb in allen Nüancen, und ganz schwarz. Diese letztere Hautfarbe
gefällt mir nach der weißen am besten, und erscheint dem Auge am
reinlichsten. Nicht minder als die Hautfarbe, weichen die Gesichtszüge
von einander ab, und man erkennt deutlich die große Verschiedenheit
der afrikanischen Völkerschaften, welche die frühere Sclaveneinfuhr
auf diese Insel verpflanzt hat. Der Schnurrbart, den die Militärs, wie
es scheint, gern tragen, steht einigen schwarzen Gesichtern gar nicht
übel, andern desto schlechter. Den älteren Leuten ergrauen wie bei
uns Haupt- und Barthaare, was gegen die schwarze Hautfarbe unangenehm
absticht.
Unter den Weibern sah ich mehrere hübsche Figuren. Alle +jüngeren+
haben einen vollen Busen; bei den +älteren+ ist das Gegentheil der
Fall, und diese scheinen überhaupt sehr häßlich zu werden. Die
Haltung des Körpers bei den jüngeren Weibern ist sehr gerade, und
hat in dieser Hinsicht einige Grazie; desto mehr fehlt ihnen diese
im Anzug, den sie trotz ihrer Putzsucht äußerst nachlässig um den
Körper hängen haben, so daß die Schultern entblößt sind, ungefähr
wie heutigen Tages bei unsern jungen Schönen auf den Bällen, beides
wohl Folge der allzu großen Hitze, zu welcher sich, freilich nur auf
Hayti, die einfachere Bekleidung unserer Mutter Eva (versteht sich nach
der Apfel-Katastrophe) weit besser passen würde, als die ~robes~ von
englischen, gedruckten Callicos oder weißen Musselinen! Die Kopftücher,
die hier ~à la française~ getragen werden, kleiden gut und geben den
Weibern ein reinliches Ansehen. Ueberhaupt scheint Reinlichkeit, des
Körpers sowohl wie der Häuser u. s. w. in hohem Grade bei diesen
Leutchen zu herrschen, und ich könnte im lieben Vaterland gar manchen
Ort nennen, der sich in dieser Hinsicht mit St. Nicholas auf Hayti
nicht vergleichen kann.
Die ärmeren Weiber, die uns Früchte, Fische u. dgl. zum Verkauf
brachten, trugen schneeweiße Hemden, und obgleich diese zum Theil sehr
zerrissen waren, so stach die schwarze Hautfarbe darunter doch minder
unangenehm hervor, als es unter ähnlichen Umständen die, leider nur
allzu oft schmutzige, Hautfarbe einer zerlumpten, deutschen Bauerfrau
gethan haben würde.
Die Männer sind einfacher, und deshalb fürs Auge angenehmer gekleidet;
auf dem Kopf das bekannte ~mouchoir~, leichte baumwollene Jacke
und Pantalons, bilden den gewöhnlichen Anzug; einige Wohlhabendere
tragen tuchene Jacken und graue Hüte, und kleiden sich überhaupt mehr
europäisch, welche Eitelkeit sie denn durch vermehrten Schweiß gehörig
abbüßen müssen.
Der Charakter dieses Völkchens scheint sehr gutmüthig, und der
Empfang, der uns überall und ohne Ausnahme zu Theil ward, konnte nicht
freundlicher seyn; auch waren die Preise, welche man uns für die
verschiedenen Früchte, wie Orangen, Ananas, Bananen, Kokosnüsse u.
dgl., ferner Fische, Fleisch u. s. w. abforderte, obgleich man sah und
wußte, daß wir die Dinge haben mußten, keineswegs übertrieben, und auch
hierin dürfte ein Vergleich mit manchem europäischen kleinen Hafen zu
Gunsten des haytischen ausfallen. Etwas träge scheint das Volk zu seyn;
wie wäre dies aber auch unter einem solchen Himmelsstrich anders zu
erwarten? und wer will es Menschen unter der tropischen Zone verargen,
wenn sie ungezwungen nur so viel arbeiten, als zu einer bequemen,
alle +ihre+ Bedürfnisse befriedigenden Existenz erforderlich ist. Die
Bevölkerung der Insel im Allgemeinen kann indessen unmöglich ohne
einen ziemlich hohen Grad von landwirthschaftlicher Industrie seyn, da
sie jährlich circa 40 Millionen Pfund Kaffee liefert, und diesen gegen
Waaren, europäischen und nordamerikanischen Ursprungs, austauscht und
ausführt.
Diesen direkten Handel betreiben jedoch nur die größeren Häfen der
Insel, wie Portauprince, Cap Français, Jacqmel u. s. w. St. Nicholas
hat daran keinen Theil; es verkehrt nur mit Portauprince, bezieht
von daher die europäischen Manufacturwaaren, die es an die in seiner
Nähe gelegenen Pflanzer gegen Kaffee absetzt, und diesen sodann nach
Portauprince als Zahlung sendet.
Bei Gelegenheit dieser Erläuterungen erfuhr ich mit großem Interesse,
daß in der Nähe von St. Nicholas noch die Rudera einer +deutschen+
Kolonie, etwa 80 Menschen, existirten, welche sich als fleißige
Pflanzer auszeichnen und für die Kaufleute zu St. Nicholas gute Kunden
sind. Es waren hier früher viele, welche das französische Gouvernement
vor der ersten Revolution dahin gesandt hatte, und die sich, wie mir
versichert worden, ganz wohl befanden. Der berüchtigte +Christoph+
hatte sie aber als Nichtneger zu vertilgen gesucht; das jetzt noch
vorhandene, kleine Häufchen ist seiner Wuth entgangen, und von der
nunmehrigen Republik entschädigt und in ihr Eigenthum wieder eingesetzt
worden. Sehr habe ich bedauert, diese kleine Kolonie, trotz ihrer
Nähe, aus Mangel an Zeit -- nicht besuchen zu können; sie wird von den
Einwohnern von St. Nicholas noch immer als eine deutsche Niederlassung
bezeichnet, mischt sich jedoch natürlich jedes Jahr mehr mit den
Eingebornen des Landes, und wird sich mithin diesen, sowohl in Farbe
als in Charakter und Sitten, welche letzteren von den deutschen wo
möglich noch mehr abweichen als die erstere, immer mehr nähern.
Vieles, was theils Convenienz, theils eine höhere Erkenntniß des
wahrhaft Schönen und Edlen aus unserer Unterhaltung und unserm Betragen
verbannt, ist bei jenen zwanglosen Kindern der Natur nicht im Mindesten
anstößig, und eine Unterhaltung, bei welcher unsere Schönen sich die
Ohren verstopfen, oder wohl gar in Ohnmacht fallen würden, verletzt
dort kein jungfräuliches Ohr; und dennoch soll häusliches Glück und
eheliche Treue auf Hayti sehr heimisch seyn.