Mittagsstille im Wald.]

Von der Heide, der Marsch und der Geest.

Wer den Drang in sich fühlt, einmal ohne Überschreitung der deutschen

Grenze etwas Grundanderes zu sehen als ruhevolles Mittelgebirge,

schöne deutsche Laubwälder, stille, grünende Matten mit dem eintönigen

Leben von Bauern, die gerade ihr Leben noch fristen können; wer einmal

die Antithese zu den Wiesen und Bäumen und süddeutschen Binnenseen

des vorhergehenden Abschnittes erleben will, der wandere von einer

der schönen mitteldeutschen Städte wie Braunschweig oder Lüneburg

durch die Heide hinab an die Geest und hinab an die Marsch. Dieses

Hinab mißt bloß einige Meter Unterschied in der Meereshöhe, und doch

sind diese wenigen Meter entscheidend für den ganzen von Grund aus

anderen Charakter der Landschaft, wie sie an der Waterkant, immer

noch unentdeckt von den Landratten, mit allen ihren großen, herben

Wundern liegt. Besonders die Deichlandschaft der Niederelbe, die sich

wie ein Kranz künstlicher Seen um Hamburg herumschließt, ist ein noch

unentdecktes Reich. Dort ist das große Meertor von Deutschland, durch

das man hindurchsieht auf die Welt außerhalb unseres kleinen Europa,

auf Amerika, Asien, Afrika, Australien, von denen die richtigen Jungens

der berühmten Fischerdörfer an der Niederelbe reden, so wie wir in der

südwestdeutschen Ecke von Frankfurt oder Berlin.

[Illustration: Phot. Hans Müller-Brauel.

Der Wanderer · 第 88 / 110 题