Gebirgspost.]

Aber es ist noch ein anderes. Häufiger als sonst kann es der in Horden

ziehende Wanderbursche erfahren, daß das übliche gute Verhältnis auf

Gegenseitigkeit: »Wie du mir, so ich dir,« im tiefsten Grunde eine

niedrige Stufe des Lebens der Menschen untereinander darstellt.

Bereits die häufige örtliche Trennung der Wanderer einer und

derselben Schar ist schon Anlaß dazu, daß die Wärme einer empfangenen

Freundlichkeit (und wie viele kleine Dienste gibt es da) nicht

an den eigentlichen Geber zurückerstattet wird, sondern an einen

anderen zufällig anwesenden Kameraden, der ihrer gerade bedürftig

ist. So wird beim Wandern das »Revanchieren« (das Wort ist sehr

bezeichnend!) einem schwerer gemacht als im Stadtleben. Ein freiwillig

und gern hingegebenes Stückchen Herz geht weiter im Kreise herum und

wirkt tiefer beim Wandern, als wenn in der Stadt der Herr: »Sehr

liebenswürdig!« dem Herrn: »Darf ich Ihnen vielleicht behilflich sein?«

die Freundlichkeit postwendend zurückgibt, um ja sofort quitt, d. h.

ihm nicht mehr verpflichtet zu sein.

Denn: Man kann nicht wissen!

[Illustration: Tafel IV

Ferd. Clauß phot.

Der Wanderer · 第 70 / 110 题