Aber sie verlohnt sich, und eines schönen Tages wird man ganz
unvermutet des Glückes innewerden, das die alten deutschen Mystiker
»seiner selber ledig sein« nannten. Da werden Nebelhüllen fallen, und
man wird das Schauen lernen. Das Schauen der Natur oder, wie Spinoza
sagt, »~naturae sive dei~« (der Natur oder Gottes).
Dann lebt man im All als eines seiner Teile, und keines der geringsten;
als ein lebendiges, bewußtes Glied der Schöpfung, aber _in_ ihr,
_mit_ ihr und sie _in_ uns, in uns und _mit_ uns. Weiter aber, als
in der Natur das wiederzufinden, was man in sich selbst zum eigenen
beglückenden Staunen entdeckte, weiter bringt es kein Sterblicher. Das
heißt man reif sein! Dann steht man sich nicht mehr im Wege, und der
»andere in uns« hat das Schweigen gelernt, das _wir_ allerdings _unter
den_ anderen zuvor geübt haben müssen. Wenn er aber nicht mehr _in
Gedanken_ mit uns reden kann, ist er tot. Aber oft tut er nur so. Denn
er ist zählebig wie alles Niedere.
[Illustration: Phot. Rud. Lichtenberg.
»Dort drunten in der Mühle.«]
Vom Horchen in der Stille.
Der Kampf gegen die Klaviere ist in den Städten auf der ganzen Linie
entbrannt, wenn auch noch nicht mit dem ganzen wünschenswerten Erfolg.
Mit der Zeit wird es an einem ernsten Krieg gegen die Grammophone
auf den Dörfern nicht fehlen dürfen. Aber es scheint, daß sich eine
neue musikalische Influenza vorbereitet, und zwar besonders unter
den Wanderern. Sie ist lange nicht so schlimm. Aber die Gefahr ist
da. Die Laute, womöglich mit verschiedenfarbigen Bändern geziert,
soll das Instrument der Zukunft werden. Wie aus allem, was aus der
Hand künstlerisch interessierter und für das Volkswohl begeisterter
Geschäftsleute kommt, so wird auch hier aus einer Wohltat eine Plage.
Die Welt der »Fahrenden« wird überschwemmt mit Preislisten von
fabelhaft billigen und klingenden Lauten.
[Illustration: Phot. O. Mayer.