Und wieder geht ein Tor auf, und ich sehe, wie ein anderer Dichter,
der erst vor kurzem heimgegangen ist und von dessen Existenz die Welt
jetzt erst durch seine posthumen Werke erfahren hat, zusammen mit mir
in einer warmen Sommernacht ausruht auf einer weiten Bergwiese. Wir
sahen in das Zucken und Lodern der Welten am Himmelszelt und schwiegen
miteinander. Da kam ihn auf einmal die übermütige Laune derer an, die
mit lebendiger Seele sterben, und er sagte: »Eigentlich sind wir doch
hier nirgends als in einer Weltallsherberge -- Allerweltsherberge«,
korrigierte er sich lachend. »Diejenigen, welche zu tief in der Kreide
stehen oder sich der Hausordnung nicht fügen wollen, werden nach
mehrmaliger Verwarnung hinausgeworfen vom Hausknecht -- dem Herrn Mors.
Ich meine immer, sie lassen mich nicht mehr lange sitzen.« So sprach
er mit tragischem Humor! Er wußte, wie es um ihn stand. Dann spürte
ich seine Hand an der meinigen und hörte seine immer noch metallen
klingende Stimme einen Reim sagen wie eine Strophe, die aus einem neuen
Wanderlied in die warme Sternennacht hinausklang:
»Komm, wir wollen wandern,
Von einem Stern zum andern ...«
Bald darauf ging er, ein kosmischer Wanderer. Wir aber, die anderen,
die noch nicht so weit sind, wollen zuerst einmal das Wandern auf
_unserem_ Stern und auf gutgesohlten, irdischen Stiefeln erlernen.
Aus alten Scharteken.
[Illustration: Phot. Fidelis Mayer, Altötting.