Hieronymus Resch geschnittenen Kunstwerks, aus 8 Blättern bestehend, ist
ausserordentlich selten und fehlt vielen der berühmtesten Sammlungen.
Sie ist mit ganz deutschem Text auf den 6 letzten Blättern und nicht wie
Bartsch bei der ersten Ausgabe angiebt, auch mit Lateinischem Text auf
dem 3. und 8. Blatte. Auch die Schreibart ist altertümlicher, als sie
Bartsch und Heller angeben. Sie fängt auf dem 3. Blatte an:
»Diser nachverzeychenter Eren oder Triumph wagen, ist dem
allerdurchleuchtigisten Großmechtigisten Herrn wey‑ | lund Keyser
Maximilian, hochlöblicher gedechtnuß vnserem allergnedigisten Hern
zü sonderen eren erfunden vnnd | verordent, vnnd zü vnterthenigem
gefallen dem großmechtigisten yetz Regierenten Keyser Karolo etc.
durch Albrecht | Dürer daselbst in das werck gepracht.«
und endigt auf dem 8. Blatt:
»Diser wagen ist zu Nürmberg erfundē | gerißsen vnnd gedruckt
durch Albrechten | Thürer | im jar
~M. D. xxjj.~
Cum Gratia et Privilegio Cesaree Maiestatis.
Schorn[54] nimmt zwar an, daß es noch eine frühere Ausgabe ohne dieses
Privilegium gäbe, weil Bartsch und Heller desselben nicht erwähnen, ich
halte dieses aber für eine Auslassung des Bartsch, welche Heller, wie
gewöhnlich ohne eigne Untersuchung, nachgeschrieben hat. Ich habe nie
einen Abdruck, weder mit deutschem noch lateinischem Texte, ohne dieses
Privilegium gesehen, auch hatte Albrecht Dürer ja bereits im Jahre 1511
ein Kaiserliches Privilegium für die von ihm herausgegebenen Werke
erhalten.
Die erste Ausgabe, von eben so scharfem als kräftigem Druck, welche auf
den ersten sieben Blättern unten die großen lateinischen Buchstaben A
bis G auf dem achten aber ein großes Gothisches H als Signatur hat, ist
auf einem sehr festen Papiere mit dem Wasserzeichen Nr. 32, welches
einen Abstand der Drathstriche von 13¾ bis 14 Linien hat, es ist
dasselbe Papier, welches Dürer auch zu den Abdrücken anderer größerer
Blätter verwendet hat. Die zweite Ausgabe mit ganz lateinischem Texte
und der Jahrszahl 1523 ist im Abdruck fast eben so schön als die
vorhergehende, und hat auch dasselbe Papier. Die Signaturen auf den
ersten sieben Blättern sind gleich der Ausgabe mit deutschem Text, auf
dem letzten Blatt ist aber die Signatur ein kleines Lateinisches h. Man
trifft übrigens auch Exemplare, bei denen Abzüge der ersten und zweiten
Ausgabe zusammen gefügt sind, wie namentlich dasjenige in dem
Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Stuttgart.
Weniger scharf im Druck und überhaupt geringer ist eine dritte Ausgabe,
ebenfalls mit deutschem Text und der Jahrszahl 1522, welche aber
augenscheinlich später und, dem Papiere nach, erst nach Dürer’s Tode
gedruckt wurde. Sie ist daran zu erkennen, daß auf dem achten Blatte die
Jahrszahl in Arabischen Ziffern gedruckt ist 1522 statt auf der ersten
Ausgabe ~M. D. xxjj~ -- auch ist bei dem Privilegio ein Druckfehler,
indem statt Maiestatis steht Waiestatis.
Das Papier ist weniger fest als bei den früheren Ausgaben und hat das
herzförmige Wasserzeichen, Nr. 56, mit nur 12 Linien Entfernung der
Drathstriche.
Eine dieser ganz ähnliche, der Schärfe des Drucks und dem Papiere nach
ebenfalls spätere Edition, kommt auch mit lateinischem Text und der
Jahrszahl MDXXIII vor. Die ersten beiden Blätter derselben sind ohne die
Signaturen A und B, die beweglichen Lettern der Ueberschrift, sichtbar
stumpfer als bei der früheren Edition, auch ist das Papier geringer von
Güte; es hat das Wasserzeichen eines geschweiften durch einen Balken
schräg durchschnittenen Schildes mit 2 sechsstrahligen Sternen und 16
Linien Entfernung der Drathstriche.
Die in Venedig von Chinig veranstaltete Ausgabe mit der Jahrszahl 1588
ist zwar bedeutend stumpfer als die früheren, doch sind die Holzstöcke
noch fast unversehrt. Das feste Papier derselben hat Drathstriche in der
Entfernung von 12¾ Linien. Die Signatur auf dem letzten Blatte, bei der
ersten lateinischen Ausgabe ein kleines Lateinisches h, ist bei dieser
Ausgabe ein großes H. Es kommen auch spätere Abdrücke von einzelnen der
Holzstöcke vor, bei denen indeß bedeutende Sprünge in denselben sichtbar
sind.
Die bisher als vierte bekannte Ausgabe vom Jahre 1609 ist mit vollem
Recht von Schorn[55] als Copie bezeichnet, doch können die Stöcke wohl
nicht, wie derselbe vermuthet, von dem bekannten Maler und Formschneider
Johann (nicht Cornelius) Liefrinck geschnitten sein, da dieser noch im
Jahre 1580 lebte, der erste Druck dieser Copien aber von der Wittwe des
Cornelius Liefrinck in Antwerpen schon 1545 veranstaltet wurde. -- Ich
vermuthe: daß die Holzstöcke dieser Copie diejenigen sind, welche von
Hans Güldenmund in Nürnberg geschnitten und wie von Herrn J.A. Börner
zuerst bemerkt ist, von jenem im Jahre 1529 herausgegeben wurden.
Wenn nun gleich auf die Klage der Wittwe Dürer[56] dem Güldenmund die
fernere Verbreitung der Abdrücke untersagt war, so wird nach dem Tode
derselben, die Benutzung der Platten, namentlich zu einem Abdruck in
Antwerpen, keine Schwierigkeiten gehabt haben, auch entspricht der
Schnitt der Stöcke den zahlreichen bekannten Arbeiten des Güldenmund
vollkommen.
Bei den Abdrücken vom Jahre 1609 bemerkt man an mancherlei kleinen
Beschädigungen und Aussprüngen, daß die Holzstöcke schon alt waren.
Das Papier hat das Wasserzeichen der Lilie mit einer Krone darüber, Nr.
54, und einen Abstand der Drathstriche von 12 Linien.
Die Platten 3 bis 8 sind mit den Zahlen 1 bis 6 bezeichnet. --
B. 140 bis 145. Die sechs Stickmuster.
Diese kunstreichen Holzschnitte, welche Dürer in seinem Tagebuche[57]
»die Sechs Knoten« benennt, sind in den ersten Drucken, ohne das
Monogramm unsers Meisters, sehr selten, besonders vollzählig, da
gewöhnlich Nr. 144 fehlt. Das Papier dieser Drucke von besonders feiner
Masse, ist weiß, fest und dünn, mit einer Entfernung der Drathstriche
von 14 Linien. Das Wasserzeichen desselben, welches wegen des schwarzen
Grundes nur theilweise wahrgenommen werden kann, ist das bei Dürer
selten vorkommende, des Cardinalhuts.
Die zweiten Drucke, mit Hinzufügung des Monogramms auf den ersten vier
Blättern, haben weniger Schärfe und Klarheit. Sie kommen auf
verschiedenen Papieren vor, mit dem Wasserzeichen eines Kreuzes im
Kreise, eines römischen E im Kreise, Nr. 55, und des Reichsadlers. Die
älteren davon haben indeß ein gutes festes Papier, welches denen der
ersten Drucke nahe kommt, indeß nur einen Abstand zwischen den
Drathstrichen von 12 Linien hat.
Die späteren Abdrücke von Nr. 140 zeigen einen sehr sichtbaren Sprung
des Holzstockes.
B. 146 und 147. Zwei Männer, welche zeichnen,
gehören zu Dürer’s Werk »Underweysung der meßung, mit dem zirkel vn̄
richtscheyt, u.s.w.« und finden sich bei der ersten Ausgabe von 1525 auf
den Blättern qij und qiij.
Das Papier hat das Wasserzeichen des Ankers im Kreise, Nr. 30, mit
Entfernung der Drathstriche von 14¼ Linien.
B. 148 und 149. Ein Mann zeichnet eine Urne, Ein Mann zeichnet eine
Frau,
kommen erst in der zweiten im Jahr 1538 veranstalteten Ausgabe des
obigen Buches vor, wo sie auf der Rückseite des Blattes q3 abgedruckt
sind. Das Papierzeichen ist hier ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz
darüber, Nr. 37. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 12¾ Linien.
Obgleich diese zwei Blätter erst zehn Jahre nach Dürer’s Tode zum
Abdruck gekommen sind, so rühren sie doch, was die Zeichnung anbetrifft,
unzweifelhaft von unserm Meister her. Die Zeichnung zu 148 mit der
Jahrszahl 1514 ist noch jetzt erhalten und befindet sich auf der
Königlichen Bibliothek zu Dresden.[58]
B. 150 bis 152. Die drei Himmelsgloben. 1515.
Sie gehören in alten Abdrücken, besonders vollständig, zu den großen
Seltenheiten. Ihr Papier ist sehr stark und schön, und von demselben,
welches Dürer auch zu den drei großen Büchern verwendete. Es hat das
Wasserzeichen des Triangels mit Strich und fünfblättriger Blume, Nr. 28.
Die späteren Abdrücke sind an dem Mangel von Schärfe und Reinheit, wie
an den geringeren Papieren leicht erkennbar.
B. 153. Brustbild des Kaisers Maximilian mit einer Einfassung von
Säulen. 1519.
Dieser schöne Holzschnitt, nach der von Dürer am Montag nach Johannis
1518 genommenen Portrait-Zeichnung -- jetzt eine der Zierden der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- ist eben so beliebt, als in
den ersten ganz klaren und von jeder Beschädigung freien Abdrücken
ausserordentlich selten. Bei den meisten Abdrücken ist ein Sprung der
Holzplatte sichtbar, welcher, an der linken Seite Hut und Haar bis auf
das Gewand durchschneidend, perpendikulär hinuntergeht, auch sind wohl
kleine Wurmlöcher in den Haaren bemerkbar. Solche Exemplare findet man
auf Papier mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, oder des Wappens von
Augsburg mit einem A darunter, Nr. 50.
B. 154. Dasselbe Brustbild ohne Einfassung.
Von den Abdrücken dieses Holzschnitts, deren Kennzeichen darin besteht:
daß bei der oben auf einer Bandrolle befindlichen Inschrift die
Buchstaben =ae= des Wortes Caesar sich in dem Bauche des großen C
befinden, sind mir nur zwei bekannt, der eine aus der von Nagler’schen
Sammlung, jetzt in dem Königlichen Kupferstich-Cabinet in Berlin, der
andere in der ehemaligen von Quandt’schen Sammlung in Dresden,
gegenwärtig im Besitz des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M.
Die gewöhnlich vorkommenden Abdrücke, bei denen das =ae=
zusammengezogen, wie gebräuchlich dem großen C nachgesetzt ist, hält
Schorn[59] für eine Nachbildung des Holzschnittes 153. -- Ich kann
dieser Ansicht nicht beipflichten, sondern möchte glauben, daß dieses
Blatt wie das von Schorn beschriebene, Arbeiten verschiedener
Xylographen nach derselben Zeichnung Dürer’s sind, von denen allerdings
der des ersteren der geschicktere war. Man findet bei dem ersten das
Wasserzeichen der in Dürer’s letzter Lebenszeit vorkommenden kleinen
Krone mit 11½ Linien Entfernung der Drathstriche, bei dem letzteren noch
recht gute Drucke auf einem nicht sehr griffigen Papier, dessen
Drathstriche 12 Linien Entfernung haben. Das von Schorn beschriebene
Exemplar ist durch August Künzel in Berlin auf Stein treu doch etwas zu
elegant nachgezeichnet. --
B. 155. Brustbild des Ulrich Varnbühler.
Dieses vortreffliche Portrait ist nicht häufig, besonders selten aber in
den alten Abdrücken, wo der scharfe Holzschnitt noch nicht die geringste
Spur von Beschädigung zeigt.
Solche Abdrücke sind auf einem sehr festen Papiere mit einer Entfernung
der Drathstriche von 14 auch wohl 13½ Linien. Spätere Abdrücke haben ein
ziemlich dünnes Papier mit dem herzförmigen Wasserzeichen, Nr. 56, und
11½ Linien Entfernung der Drathstriche, oder Papier mit dem großen
Wasserzeichen Nr. 50.
Bei diesen ist indeß schon an der linken Seite ein feiner Sprung
sichtbar, welcher durch den Besatz des Kleides bis auf die Brust geht.
Der Holzstock ist späterhin nach Holland gekommen und Hendrick Hondius
hat Abdrücke davon veranstaltet, welche man, ausser der (gewöhnlich
abgeschnittenen) Adresse desselben, an dem Papiere mit dem Wasserzeichen
eines großen geschweiften Wappens erkennt, welches eine Querabtheilung
hat.
Die Abdrücke dieses Holzschnittes in Clair Obscur, mit verschiedenen
Platten in grünlichem oder bräunlichem Tone gedruckt, welche von den
Sammlern sehr gesucht und theuer bezahlt werden, rühren nicht von
Albrecht Dürer her, sondern sind, wie solches Schorn bereits im
Kunstblatt vom Jahre 1830, pag. 108 bemerkt hat, viel später
veranstaltet. Auf den wenigen Exemplaren, deren Papierrand erhalten ist,
findet man die Adresse des Druckers Janssen, welcher in Amsterdam um die
Zeit des Hondius lebte. Sie lautet:
»Ghedruckt t’ Amsterdam by Willem Janssen in de vergulde
Sonnewyser.«
Das Papier dieser Abdrücke mit einer Entfernung der Drathstriche von 15
Linien, hat ein ziemlich großes zirkelförmiges Wasserzeichen an einer
Seite mit drei Zirkelschlägen über einander.
Das Papier ist nicht sehr griffig und bei den nicht retouchirten
Abdrücken ist der bereits oben erwähnte Sprung des Holzstocks sichtbar,
auch haben die breiten Einfassungslinien Unterbrechungen, anscheinend
von Aussprüngen, namentlich in dem obern Strich eine größere und eine
kleinere Lücke, in dem untern 6 Unterbrechungen, wovon 4 kleiner, 2 aber
größer sind, auch die Einfassungslinie links hat oben eine Lücke.
Durch diesen Willem Janssen, welcher im Jahre 1620 einen Prospect von
Amsterdam veröffentlicht hat, sind auch von den Holzschnitten des
Goltzius, namentlich von B. 226[60] und 231[61], clair obscurs mit 3
Platten gedruckt, in Farbe und Druckweise den Abdrücken des Varnbühler
vollkommen entsprechend.
B. 156. Brustbild Albrecht Dürer’s.
Es ist aus der letzten Lebenszeit unsers Künstlers und derselbe
erscheint nicht mehr geschmückt mit den langen Locken, welche ihn in
früheren Jahren und noch auf der Reise in den Niederlanden zierten.
Die ersten und zweiten Abdrücke dieses Holzschnitts sind selten.
Die Ersten haben Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem
Caducaeus, Nr. 31, oder eines verzierten gothischen ~P~, Nr. 38.
Das Papier der zweiten Drucke hat das Wasserzeichen der Schlange, Nr.
47, oder zweier großer verbundener Thürme mit 12 Linien Abstand der
Drathstriche, auch eines kleinen geschweiften Wappens mit einer Krone
und 13¼ Linien Entfernung derselben. Von dieser zweiten Ausgabe, mit den
Versen darunter, befindet sich ein alter colorirter Abdruck in der
Königlichen Kupferstich-Sammlung zu Copenhagen, unter welchem,
abweichend von der Angabe Hellers, pag. 746, steht:
»Getruckt durch Hans Glaser Brieffmaler zu Nürnberg auf der
Schmeltzhüten.«
Die alten Abdrücke der dritten Edition, nachdem die Jahrszahl 1527 und
das Monogramm in die Thür des Dürer’schen Wappens eingefügt war, trifft
man mit dem Wasserzeichen des Reichsadlers, eines Thurms mit
fünfzackiger Krone, oder auf einem Papier, dessen Drathstriche einen
Abstand von 15 Linien haben und als Wasserzeichen eine Lilie im Kreise,
Nr. 53.
Die häufigen späteren Abdrücke sind an den sichtbaren Spuren des
Wurmfraßes in dem Holzstock, besonders an der Nasenspitze kenntlich.
B. 157. Brustbild des Johann Freiherrn zu Schwarzenberg.
Dieses von Bartsch zu den Dürer’schen Holzschnitten gerechnete Blatt ist
eine, ohne Zweifel erst nach des Meisters Tode gearbeitete Nachbildung
eines seiner Portraite, denn es kommt zuerst in der am 16. Februar 1531
von Heinrich Steiner in Augsburg vollendeten Ausgabe der Officia M.T.C.
auf der Rückseite des Titels vor.
Diese erste Ausgabe ist sehr selten, der Holzschnitt ist darin auf einem
festen Papier gedruckt, dessen Drathstriche durchschnittlich eine
Entfernung von 14¼ Linien haben, und als Wasserzeichen ein Oval mit
fünfstrahligem Stern darüber, in der Art wie Nr. 34, nur größer. --
Ueber den Formschneider dieses Holzschnitts, der sich unten rechts mit
einem römischen von einem Querbalken durchschnittenen B bezeichnet hat,
herrscht eine große Meinungsverschiedenheit und auch die ausführlichen
Erörterungen darüber in Nagler’s Monogrammisten, pag. 811 bis 814,
führen zu keinem bestimmten Resultate.
* * * * *
Ausser den vorstehend, unter Nr. 153 bis 157 aufgeführten Bildnissen
unsers Meisters, giebt es noch ein kleines höchst seltnes
Holzschnitt-Portrait desselben, welches Bartsch nicht gekannt hat,
Heller aber irrthümlich unter die zweifelhaften Blätter versetzt,
und pag. 825, Nr. 193 beschreibt.
Es ist das Brustbild des durch seine Verdienste um die Wiederbelebung
des Studiums der classischen Literatur bekannten Nürnberger Gelehrten
Eoban Heß[62], Zeitgenosse Dürer’s, nur 4 Zoll 9 Linien hoch und 3 Zoll
6 Linien breit, aber sehr schön.
Wenn auch der Schnitt selbst nicht von Dürer sein wird, da er etwas
technisch elegantes hat, in der Art, wie die Arbeiten des Resch, so ist
doch die Zeichnung erwiesen von unserm Meister, denn auf der Rückseite
der ersten Abdrücke, welche von Peipus in Nürnberg im Jahre 1527, also
noch bei Lebzeiten Dürer’s, als Titelblatt veröffentlicht wurden, steht
gedruckt:
»In Imaginem Eobani Hessi sui ab Alberto Dürero hujus aetatis
Apelle graphice expressam, aliquod Epigrammata Johannis Alexandri
Brassiciani etc.«
B. 158. Die fünf Kaiserlichen Wappenschilde.
Die ersten Drucke dieses einfach aber charakteristisch behandelten
Holzschnitts, finden sich in dem im Jahre 1502 bei Koberger in Nürnberg
gedruckten Buche, der himmlischen Offenbarung der heiligen Brigitta.
Die zweiten Drucke haben die Jahrszahl 1504 und das Dürer’sche
Monogramm, sie sind noch rein und scharf und ihr Papier hat 12¾ Linien
Entfernung der Drathstriche.
B. 159. Das Wappen der Familie Behaim.
Dieses schön verzierte höchst wahrscheinlich von Dürer selbst
geschnittene Wappen ist nicht häufig.
Das Papier der ersten Drucke hat das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21. Die zweiten oft noch recht reinen und scharfen Drucke findet man auf
Papier mit dem Nürnberger Wappen, Nr. 41, und knapp 11 Linien Entfernung
der Drathstriche.
B. 160. Das Wappen Albrecht Dürer’s.
Noch seltner als von dem vorhergehenden trifft man die schönen Abdrücke,
auf Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden Hundes, Nr. 35.
Die späteren haben das Wasserzeichen des Wappens von Nürnberg.
B. 161. Das Wappen von Kress von Kressenstein.
Die alten Drucke findet man auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen zwei Thürme, spätere, jedoch noch gute, mit dem Wappen von
Nürnberg und kaum 11 Linien Entfernung der Drathstriche. Diese haben die
Spur eines ganz feinen Sprunges, welcher die Laubverzierungen an der dem
Beschauer rechten Seite perpendikulär durchschneidet.
B. 162. Das Wappen der Stadt Nürnberg. 1521.
Man erkennt die ältesten Drucke daran, daß auf der Rückseite gedruckt
steht:
Reformation der Stat Nuremberg.
Cum Gratia et Privilegio.
Das starke Papier hat Drathstreifen mit einer Entfernung von 12½ Linien.
Bei guten Drucken ohne diesen Text auf der Rückseite findet man das
Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit dem Caducaeus, ein Zeichen, welches,
wie von mir wiederholt angeführt ist, bei Dürer’schen _Holzschnitten
späterer Zeit_ mehrfach, nicht aber, wie Dr. Nagler[63] bemerkt, bei
Dürer’schen _Kupferstichen_ vorkommt.
B. 163. Das Wappen des Hector Pömer.
Dieses findet man häufig in neuen von Herrn Campe in Nürnberg, der den
Holzstock besaß, veranstalteten Abdrücken. Die älteren haben das
Wasserzeichen eines geschweiften Wappens mit Krone und eine Entfernung
der Drathstriche von 12 Linien. Der unten rechts von der Jahrszahl
befindliche Buchstabe R könnte vermuthen lassen, daß dieser Holzstock
von Resch geschnitten sei.
B. 164. Die Wappen von Scheurl und von Geuder.
Von diesem complicirten Wappen giebt es verschiedene Combinationen und
Abänderungen.
Die ersten Drucke haben im Papier das Wasserzeichen der hohen Krone, Nr.
21, die späteren dasjenige des Reichsadlers.
Die Abdrücke, welche mit feinen Lateinischen Lettern die Inschrift,
»Dominus dedit, Dominus abstulit etc.« haben, sind augenscheinlich
neuere, man findet einzelne davon auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Hundes.
Die neuesten, gegen die älteren sehr abweichenden Abzüge, sind durch den
Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. verbreitet, welcher den
Holzstock davon besitzt.
B. 165 und 166. Die Wappen von Johann Stabius.
Die Holzplatten dieser Wappen befinden sich in Wien, und im Jahre 1781
sind Abdrücke davon veranstaltet, welche man gewöhnlich in den
Sammlungen antrifft. Sie sind ausser der Unterschrift an einem weißen
sehr festen und etwas rauhen Papiere kenntlich, dessen Drathstriche 12
Linien entfernt sind, auch sieht man an den Einfassungsstrichen,
namentlich bei B. 166 ausgesprungene Stellen und kleine Wurmlöcher.
B. 167 und 168. Die Wappen des Lorenz Staiber.
Unter den obigen Nummern beschreibt Bartsch zwei verschiedene Abdrücke
desselben Holzstocks, welcher späterhin durch Hinzufügung einer Krone
und zweier Fähnlein an dem Löwen über dem Helme abgeändert wurde. Heller
führt davon pag. 739 unter Nr. 1946 richtiger drei verschiedene
Abdrucks-Gattungen an, wovon die dritte, ausser dem Wegfall der oberen
Inschrift, an kleinen Fehlstellen im Grunde und einem feinen links am
Kopfe des Löwen sichtbaren Sprunge kenntlich ist. Das Papier derselben
hat das Wasserzeichen des Nürnberger Wappens und einen Abstand der
Drathstriche von 11½ Linien.
Von diesem Wappen giebt es übrigens einen älteren Holzschnitt, von dem
ich den einzigen mir bisher vorgekommenen Abdruck besitze. Derselbe
übertrifft den späteren bedeutend in Charakter und Schwung der
Zeichnung, dabei ist der Schnitt der horizontalen Linien des Grundes wie
bei dem Behaim’schen Wappen, B. 159, nicht ganz regelmäßig, daher ich
auch diesen für einen eigenhändigen Schnitt Dürer’s halten zu dürfen
glaube.
Der wesentliche Unterschied in der Darstellung des Wappens besteht
darin: daß das abgetheilte Schild mit dem Leoparden und dem Hunde, an
der linken Seite ausgeschweift und noch nicht, wie auf dem späteren
Holzstock, mit der Ordenskette umgeben ist, welche dem Staiber von dem
Könige von England als ein Gnadengeschenk verliehen wurde und derjenigen
gleicht, welche noch jetzt die Großkreuze des Bath-Ordens in England
tragen[64]. Dieser Holzstock ist daher früher geschnitten als jene
Verleihung stattgefunden hatte. --
Die fragliche Kette ist zwar links oben neben dem Büffelhorn abgebildet,
aber augenscheinlich durch eine spätere Hinzufügung.
Der Abdruck hat weder Ueberschrift noch Unterschrift, doch scheint das
in der Höhe nur 11¾ Zoll, in der Breite 8½ Zoll messende Papier
beschnitten. Das Wasserzeichen desselben ist die hohe Krone mit der
etwas eckigen Form des Bügels, Nr. 36, wie solche in der letzteren
Lebenszeit Dürer’s vorkommt.
Die Entfernung der Drathrippen beträgt 12½ Linien.
B. 169. Das Wappen mit den drei Löwenköpfen.
Dieses ist in alten Drucken selten, und mir ist kein Exemplar davon
vorgekommen, bei dem ich eines der zu Dürer’s Lebenszeit gebräuchlichen
Papiere hätte wahrnehmen können. Die neueren im Jahre 1781 in Wien
veranstalteten Abdrücke sind an ihren festen doch rauhen Papieren leicht
zu erkennen.
B. 170. Das Wappen mit dem wilden Mann.
Die alten Drucke kommen auf Papier mit zwei kleinen verbundenen Thürmen
in einem geschweiften Schilde, oder mit dem Wasserzeichen Nr. 43 vor.
Die Drathstriche dieser sind 12½ Linien von einander entfernt.
* * * * *
Ausser der bedeutenden Zahl der in diesem 2. Abschnitte aufgeführten von
Dürer selbst gearbeiteten oder von ihm veranstalteten Holzschnitte, hat
unser Meister noch verschiedene andere vorbereitet gehabt, an deren
Ausführung er durch Umstände oder seinen frühzeitigen Tod verhindert
sein wird. Einen Beweis dafür geben mehrere noch erhaltene
Federzeichnungen desselben, welche ihrer ganzen Behandlung nach nur für
die Ausführung in Holzschnitt bestimmt gewesen sein können.
Eine der schönsten dieser Art war bisher im Besitz des kunstliebenden
als Medailleur berühmten Professors J.D. Böhm in Wien, und ich verdanke
es der besonderen Begünstigung desselben, daß solche mit einer Anzahl
anderer Skizzen und Zeichnungen Dürer’s seit Kurzem in meine Sammlung
übergegangen ist.
Da es zu bedauern sein würde, wenn diese unzweifelhaft von unserm
Meister für die Vervielfältigung bestimmte Arbeit ferner der
Oeffentlichkeit entzogen bliebe, so habe ich veranlaßt, daß solche durch
den rühmlichst bekannten Xylographen Herrn Flegel in Leipzig in Holz
geschnitten ist und die Freunde Dürer’scher Kunst finden einen Abdruck
davon als Anlage dieses Werkchens.
Die wohl erhaltene Federzeichnung von gleicher Größe, auf Papier mit dem
Wasserzeichen des Ochsenkopfes, Nr. 2, ist wie Dürer bei allen Entwürfen
seiner Holzschnitte zu thun pflegte,[65] von der Gegenseite genommen, so
daß der schreibende Zuhörer die Feder in der linken, das Dintenfaß in
der rechten Hand hält.
Alle Kreuzschraffirungen sind dabei auf das sorgfältigste vermieden und
dürfte dieses die Vermuthung rechtfertigen, daß die Zeichnung einer
früheren Periode unsers Meisters angehören wird, da derselbe späterhin,
namentlich nach 1510, nicht mehr die Entfernung dieser Schwierigkeit für
den Holzschnitt so sehr zu berücksichtigen pflegte.