Italienischen Malern gebräuchlich, ist aber von Dürer nie zur Anwendung
gekommen.
Interessant in dieser Beziehung sind drei vortreffliche zu einander
gehörende Zeichnungen Dürer’s, vom Jahre 1505 in der Sammlung des
Erzherzogs Albrecht. Sie stellen die Kreuzigung Christi und der beiden
Schacher dar. Die Arme der Schacher sind -- wie eine schimpflichere
Todesart -- mit Stricken an das Kreuz gebunden, dagegen Christus nur mit
Nägeln durchbohrt auf die vorher beschriebene Weise dargestellt ist.
2) Auf dem Stich ist die rechte Hand des Heilandes ausgestreckt, welche
Dürer stets mit krampfhaft zusammen gedrückten Fingern darstellt.
3) Dürer giebt seinem Christus eine breite, doppelt geflochtene
Dornenkrone, und die Augenhöhlen haben im Ausdruck des tiefen Schmerzes,
mit den äußeren Winkeln eine Biegung nach unten. Auf der Anlage ist die
Dornenkrone nur einfach geflochten und die äußeren Winkel der
Augenhöhlen haben eine Richtung nach oben, wie denn der Ausdruck des
Gesichts, ganz der Dürer’schen Darstellungsweise des schmerzlichen
Leidens entgegen, etwas triumphirendes hat.
4) Die reiche Architektur des Hintergrundes weicht, sowohl in der hohen
Thurmspitze links, als in den hohen Burgthürmen rechts, wesentlich von
allen ähnlichen Darstellungen Dürer’s ab. Endlich
5) sind die Umrisse dieser Anlage weder so sicher noch so zart, wie wir
sie auf den vorhandenen, unvollendeten Probedrücken der Dürer’schen
Platten B. Nr. 1 und 73 bewundern. --
Die Annahme des Herrn Dr. Nagler, daß Dürer in dem aufblickenden
Johannes dieses Stiches den Dr. Martin Luther habe darstellen wollen,
dürfte -- wenigstens durch die als Beweis angeführte herrliche Zeichnung
vom Jahre 1523 in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien -- keine
Bestätigung finden.
Die fragliche Figur des Stiches weicht wesentlich von jener Zeichnung
ab, und nur das Gesicht hat eine entfernte Aehnlichkeit damit. Beide
Köpfe aber, sowohl der der Zeichnung wie der der Anlage, sind sehr
verschieden von dem Portrait des Dr. Martin Luther, welches Dürer auf
der ihm zu Ehren im Jahre 1526 geschnittenen Medaille dargestellt
hat.[19]
Mit meinen Zweifeln an Dürer’s Betheiligung bei dem fraglichen Stiche
stehe ich übrigens nicht allein, sie werden unter andern auch von dem
gelehrten Vorstande des Print-room im British Museum getheilt, woselbst
sich zwei Abdrücke mit und ohne Monogramm befinden. Diese, wie mehre
andere mir vorgekommene Abdrücke waren aufgelegt und ich konnte das
Papier nicht genau untersuchen; der Abdruck mit dem Monogramm in der
Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M., früher bei
Verstolck, ist indeß auf Papier, welches mir nicht altdeutsch zu sein
scheint, wenigstens habe ich das kleine ungewöhnliche Wasserzeichen
desselben bei keinem Dürer’schen Blatte angetroffen.
Ein anderer sehr frischer Abdruck vor dem Monogramm, im Besitz des Herrn
Geh. Oberfinanzrath Sotzmann in Berlin, ist aber auf entschieden
Holländischem Papier, welches das Wasserzeichen des großen Wappen von
Amsterdam und knapp 11 Linien Abstand der Drathstriche hat, wie solches
im 17. Jahrhundert bei den Zeichnungen und Radirungen Holländischer
Meister häufig vorkommt. -- Auch hierdurch dürften die gehegten Zweifel
bedeutend verstärkt werden.
FUSSNOTEN:
[1] The Typography of the fifteenth Century by Leigh Sotheby, London
1845. Principia Typographica by Leigh Sotheby, London 1858. 3. Volume.
[2] Giorgio Vasari, Vite de’ piu eccellenti Pittori Scultori e
Architetti etc. Mailänder Ausgabe, Vol. 10, wo in dem Leben Marc Anton’s
u.a.: ausser den wichtigsten Holzschnitten, mehr als 20 Dürer’sche
Kupferstiche mit Bewunderung erwähnt und beschrieben werden.
[3] Siehe die Note des Herrn Ober-Tribunal-Procurators Abel in
Stuttgart in dem Correspondenzblatt des Deutschen Geschichts- und
Alterthums-Vereins vom Jahre 1856, Nr. 10, pag. 95, nach welcher die
Gebrüder Frick und Hans Holbain in Ravensburg im Anfange des 14.
Jahrhunderts die Erfinder des Leinen-Papiers gewesen sind.
[4] An inquiry into the origin and early history of engraving upon
copper and in wood etc. etc. by William Young Ottley. London 1816. 2
vol.
[5] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Band.
p. 927.
[6] Die Bekehrung des Paulus von J.G.A. Frenzel. Leipzig 1854.
[7] Das Leben und die Werke Albrecht Dürer’s von Joseph Heller. 2. Bd.
pag. 300.
[8] Siehe den Aufsatz von E. Harzen in Naumanns Archiv für die
zeichnenden Künste, 5. Jahrgang, pag. 119 ff.
[9] Siehe denselben Aufsatz, pag. 132.
[10] Ich bin auf dieses Sachverhältniss durch den, bei dem K.K. Münz-
und Antiken-Cabinet in Wien angestellten, sehr kunsteifrigen Dr.
Freiherrn von Sacken aufmerksam gemacht, und verdanke es der
aufopfernden Gefälligkeit des Herrn Custos Bergmann: Gelegenheit gehabt
zu haben, in der Ambraser Sammlung dieses Kaiser-Schwert auf das
Genaueste untersuchen zu können.
[11] Siehe Campe’s Reliquien von Albrecht Dürer, Nürnberg 1828, p. 142,
und Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste, 5. Jahrgang, 2. Heft,
p. 165.
[12] Siehe Heller. 2. Band. Pag. 443.
[13] Siehe die Monogrammisten, München 1858, pag. 165.
[14] Am angeführten Orte pag. 191.
[15] Siehe Naumann’s Archiv für die zeichnenden Künste. 1. Jahrgang. 3.
Heft. Pag. 196.
[16] Siehe Campe’s Reliquien von Albrecht Dürer, pag. 53.
[17] In dem Königlichen Kupferstich-Cabinet zu Berlin und in der
Sammlung des Verfassers.
[18] Ich verdanke die Mittheilung derselben der Güte des Herrn Professor
Rößler in Erlangen.
[19] Siehe Wills Nürnbergische Münz-Belustigungen.
Abschnitt II.
Die Holzschnitte Albrecht Dürer’s.
Einleitung.
Ich bekenne mich, ungeachtet der vielfach dagegen erhobenen Zweifel, zu
der Ansicht, daß Albrecht Dürer selbst den Holzschnitt ausgeübt hat,
wenngleich viele Holzschnitte mit seinem Zeichen vorhanden sind, bei
denen er das Messer nicht geführt, manche, bei denen er nicht einmal die
Zeichnung auf den Holzstock selbst gemacht haben wird.
Bei der großen Gewandheit, welche Dürer in allen Kunstfertigkeiten
besaß, namentlich auch dem Schnitzen in Holz, müßte es unbegreiflich
sein, wenn er sich nicht auch als Formschneider versucht haben sollte,
zumal er vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts (1498) auch als
Buchdrucker auftritt und in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts, wie
Passavant im I. Theil seines Peintre graveur, pag. 57 bis 64, näher
nachweiset, zahlreiche Deutsche Maler als Zeichner, Formschneider und
Drucker zugleich vorkommen. --
Auch ist es ja aus seinen eigenen Notizen bekannt[20], daß »Meister
Sebald Rädleinmacher bei dem Sonnenbade« und »Hanns Franck in der
Fröschau« ihm die Stöcke zurichteten. --
Namentlich in der früheren Zeit möchte unser Meister auch vergeblich
Formschneider von Profession gesucht haben, welche in seinem Geiste mit
der Freiheit und Großartigkeit hätten arbeiten können, wie wir sie in
der im Jahre 1498 vollendeten vortrefflichen Holzschnittfolge der
Offenbarung Johannis bewundern. -- Wie gering die Zahl der Formschneider
in Nürnberg bis zum Schluß des 15. Jahrhunderts gewesen, geht aus den
verdienstlichen »Beiträgen zur Kunstgeschichte Nürnbergs, von J. Baader,
Nördlingen 1860,« hervor, nach welchen, p. 5, bis dahin nur vier
Formschneider als Meister und Bürger aufgenommen, sowie bei dem
Magistrat beeidigt waren.
Späterhin hatte sich dieses allerdings sehr geändert, geschickte
Formschneider, die nur als solche ihre Kunst übten, waren, auch in
Nürnberg, nicht selten und wie erweislich die späteren großen
Holzschnittwerke, welche Dürer für den Kaiser Maximilian zu arbeiten
hatte, der Triumphbogen und der Triumphwagen, nicht von ihm geschnitten
sind, so ist auch in frühern, technisch sehr vollendeten Holzschnitten,
namentlich aus den Jahren 1511 und 1512, die eigne Hand des Meisters
nicht mehr zu erkennen. Dasjenige, was Passavant in seinem Peintre
graveur, Vol. 1, pag. 68 und folgende, als Beweis dafür anführt: daß
unser Meister überall nicht den Formschnitt geübt habe, beweist nur, daß
die Stöcke seiner vorhin erwähnten _späteren_ Werke, namentlich nach
1515, nicht von ihm selbst geschnitten sind, wogegen Niemand einen
Zweifel erheben wird, der sich ernstlich mit den Holzschnitten unsres
Meisters beschäftigt hat. --
Bei den Holzschnitten findet übrigens, in Beziehung auf die Güte der
Abdrücke, eine weit geringere Abstufung statt als bei den Kupferstichen,
und es tritt häufig gegen diese der umgekehrte Fall ein: daß diejenigen
Abdrücke mit recht voller Farbe neuer sind als die helleren, weniger
kräftig scheinenden.
Viele Holzstöcke Dürer’s haben sich lange in verhältnißmäßig gutem
Zustande, theilweise bis auf die neuesten Zeiten erhalten, und die
Gefahr, durch neuere Abdrücke getäuscht zu werden, ist daher bei
Holzschnittblättern weit größer als bei Kupferstichen.
Hier bietet das Studium der Papiere und ihrer Wasserzeichen eine sehr
wesentliche Hülfe dar, welche um so wirksamer ist, als bei dem in der
Regel größeren Format der Blätter die Wasserzeichen weit häufiger
sichtbar sind, das Papier auch selten so geflickt, oder durch Waschen,
Bleichen und Pressen so mißhandelt ist, wie man es nur zu häufig bei den
Stichen findet.
* * * * *
Die Papiere, welche Dürer zu den Abdrücken seiner Holzschnitte
gebrauchte, sind durchschnittlich von einer dickeren, weniger feinen
Masse als diejenigen zu seinen Kupferstichen verwendeten, wenngleich sie
-- den Wasserzeichen nach -- theilweise wenigstens aus denselben
Papiermühlen herrühren.
Besonders starke und feste Papiere finden sich bei den Holzschnitten,
welche Text auf der Rückseite haben, die stärksten bei den drei großen
Holzschnittfolgen der Apocalypse, des Leben der Jungfrau und der großen
Passion. --
Die von unserm Meister erweislich während seines Lebens zu Holzschnitten
gebrauchten Papiere haben die folgenden, möglichst chronologisch
geordneten Wasserzeichen:
1) Den Ochsenkopf mit einfachem Strich und Blume,
2) Denselben mit doppeltem Strich und Blume darüber,
3) Die hohe Krone mit 5 Perlen im Stirnbande und einem Kreuz auf dem
Bügel,
4) Eine Wage im Kreise,
5) Zwei verbundene Thürme mit Zinnen,
6) Einen Reichsapfel mit 5strahligem Stern,
7) Eine Urne,
8) Eine Hand mit Blume,
9) Einen Thurm mit einer Krone darüber,
10) Eine sechsblättrige Blume, mit Strich und einem Dreieck darunter,
11) Einen Anker,
12) Denselben im Kreise,
13) Den Ochsenkopf mit einem Schlangenstabe darüber,
14) Einen Dreizack,
15) Einen Krug mit Henkel,
16) Ein Oval mit Stern,
17) Einen stehenden Hund,
18) Eine kleine hohe Krone,
19) Einen kleinen Reichsapfel mit Kreuz darüber,
20) Ein verziertes gothisches ~P~,
21) Ein doppeltes römisches A mit Kreuzstrich darüber.
ad 1. Das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit einfachem Strich und einer
fünfblättrigen Blume darüber; Strich und dreieckiger Spitze darunter,
Nr. 19, wie solches in den Papieren der schönsten Abdrücke Dürer’scher
Kupferstiche so häufig vorkommt, ist bei den Holzschnitten selten. Ich
habe es nur bei _einzelnen_ Probedrücken vom Leben der Maria, der
Apocalypse und der großen Passion angetroffen. Das Papier ist fast von
derselben Feinheit wie bei den Kupferstichen und die Drathstriche sind
13½ bis 13¾ Linien von einander entfernt.
ad 2. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem auf einem doppelten
Strich ein Kreuz und darüber eine Blume, auch wohl letztere ohne das
Kreuz, sichtbar sind, Nr. 20 und 20^a, ist ebenfalls selten. Es findet
sich bei Probedrücken von der kleinen Passion, bei ersten Drücken von
Holzschnitten vom Jahre 1510, auch bei Probedrücken vom Leben der
Jungfrau, namentlich B. Nr. 76, 93 und 94. --
Das Papier ist ebenfalls von einer feinen Masse und die Drathstriche
haben eine Entfernung von 13¾ bis 14 Linien.
ad 3. Die hohe Krone, wie solche unter Nr. 21 abgebildet ist, kommt wie
bei den großen Kupferstichen Dürer’s, so auch bei den schönen alten
Abdrücken seiner Holzschnitte am häufigsten vor und ist stets ein
_sicheres Unterscheidungszeichen_ derselben von neueren Drücken.
Unser Meister verwandte dasselbe nicht nur zu vielen der ersten Abdrücke
des »Lebens der Jungfrau« und der »kleinen Passion«, sondern auch zu der
Ausgabe der letzteren mit Text, wie zu anderen nicht zu großen
Holzschnitten.
Die Entfernung der Drathstriche ist bei den zu Holzschnitten verwendeten
Papieren mit diesem Wasserzeichen, wie bei den feineren zu den
Kupferstichen gebrauchten Sorten, nicht gleich, sie wechselt zwischen
12½ bis 15½ Linien.
Papier mit diesem Wasserzeichen, jedoch in etwas veränderter Form, auch
wohl mit dem Buchstaben S im Bügel, findet man noch, auf einzelnen Bogen
der ersten Ausgabe von Dürer’s »Underweysung der meßung, mit dem Zirckel
vn̄ richtscheyt etc.«, vom Jahre 1525; es hat hier eine Entfernung der
Drathstriche von 14¼ Linien.
ad 4. Die Waage im Kreise, Nr. 22 oder 22^a trifft man bei einem Papiere
von schöner weißer Masse, dessen Drathstriche einen Abstand von 13¾ bis
14¼ Linien haben. Das Papier kommt nicht häufig vor, man findet es
jedoch namentlich bei ersten Drucken aus dem Leben der Jungfrau.
ad 5. Zwei durch eine Mauer verbundene Thürme mit Zinnen, unten mit
einer Spitze, Nr. 23, findet man nur selten um das Jahr 1511 -- mit
einer Entfernung der Drathstriche im Papier von 12¾ Linien.
ad 6. Ein Reichsapfel mit Strich und fünfstrahligem Stern, Nr. 24 oder
24^a, befindet sich in einem Papiere von fester Masse. Dürer hat ein
großes Format desselben, in welchem das Wasserzeichen Nr 24 ist, und
dessen Drathlinien 15, sogar 16½ Linien Abstand haben, zu den ersten
Drucken der großen Passion und zu den Probedrücken der Apocalypse, vor
dem Text von 1511 verwandt; also um das Jahr 1510, ebenso zu den etwa
gleichzeitigen großen Holzschnitten B. Nr. 102, 117, 120, 128 und 131.
--
ad 7. Die Urne, Nr. 25 oder 25^a, trifft man bei den zweiten Drucken
Dürer’scher Holzschnitte vom Jahre 1510. Die Masse des Papiers ist
auffallend grob, von gelblicher Farbe, zwischen den Drathstrichen ist
eine Entfernung von durchschnittlich 12½ Linien.
ad 8. Das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, kommt mit einer
Entfernung der Drathstriche von 14¾ Linien bei einzelnen alten Drucken
vom Jahre 1511 vor, doch trifft man dasselbe auch bei späteren Drucken
des Lebens der Jungfrau, dann aber auf etwas dünnerem Papier mit nur 11
Linien Abstand der Drathstriche. --
ad 9 und 10. Ein Thurm mit einer Krone, Nr. 27, und eine sechsblättrige
Blume mit Strich und dreieckter Spitze, Nr. 28, sind die Wasserzeichen
derjenigen Papiere, welche Dürer zu den drei großen Holzschnittfolgen
bei ihrer Herausgabe mit Text im Jahre 1511 gebrauchte, von ihm in
seinem Tagebuche der Niederländischen Reise, die drei großen Bücher
genannt. Die beiden Papiersorten sind von sehr abweichender Bearbeitung
und ohne Zweifel aus zwei verschiedenen Fabriken.
Diejenige mit dem Thurm hat kenntliche Drathstriche, in einer Entfernung
von 20 Linien, bei der anderen mit der Blume sind solche nicht
wahrzunehmen.
Die Bogen, von auffallend fester Masse, haben bei unbeschnittenem Rande
eine Höhe von 17 Zoll 3 Linien und zusammengelegt eine Breite von 12½
Zoll. Sie geben zwei bedruckte Blätter, von denen das eine
Wasserzeichen, das andere keines hat.
Unser Meister verwandte zu allen drei Folgen dasselbe Format, so daß bei
den wenigen Exemplaren, wo man alle drei Werke in ursprünglicher Größe
beisammen findet[21], der Papierrand der Holzschnitte zum Leben der
Jungfrau um so viel breiter ist, als bei den übrigen.
In der Regel wurden von den beiden Papiersorten immer ein Bogen um den
andern genommen. Das Wasserzeichen mit der Blume, Nr. 28, kömmt auch
zuweilen bei einzelnen andern größeren Dürer’schen Holzschnitten vor. --
ad 11. Den Anker, Nr. 29, habe ich nur bei Probedrucken der kleinen
Passion angetroffen.
ad 12. Der Anker im Kreise, Nr. 30 und 30^a, ist häufiger und findet
sich bei ersten Drucken von Holzschnitten vom Jahre 1515, doch auch bei
solchen von den Jahren 1523 und 1525. Das Papier ist fest, wenn auch
nicht von sehr feiner Masse. Die Entfernung der Drathstriche beträgt 13¾
bis 14 Linien.
ad 13. Das Papier mit dem Ochsenkopf, über welchem ein Schlangenstab
sichtbar ist, Nr. 31, trifft man bei ersten Drucken vom Jahre 1518 und
später. Das Papier ist sehr fest und die Drathstriche haben einen
Abstand von 12½ Linien.
ad 14. Ein Dreizack, in der Form von Nr. 32, ist das Wasserzeichen
desjenigen Papiers, welches 1522 und 1523 zu den ersten Editionen des
Triumphwagens Kaiser Maximilians, B. 139, verwandt wurde, die
Drathstriche desselben sind 13¾ bis 14 Linien von einander entfernt. Das
Wasserzeichen, Nr. 32^a, findet man häufig in dem Papiere der
Handschriften Dürer’s.
ad 15. Ein Krug mit dem Henkel, Nr. 33, -- bei den Kupferstichen unsers
Meisters, nach seiner Rückkunft aus den Niederlanden vorherrschend --
findet sich bei Holzschnitten erst 1525 in der ersten Edition von dessen
»Vnderweysung der messung, mit dem zirkel vn̄ richtscheyt etc.« Das
Papier ist fest und die Entfernung der Drathstriche beträgt 13 bis 13¼
Linien.
ad 16. Ein kleines Oval mit Stern, Nr. 34, ist das Wasserzeichen des
Papiers, auf welchem die seltne kleine Jungfrau vom Jahre 1526, B. Nr.
98, gedruckt ist, es hat 15 Linien Abstand der Drathstriche. --
ad 17. Der stehende Hund mit Halsband und gestutzten Ohren, Nr.
35, welchen Heller für einen Bären gehalten hat[22], kommt bei
Holzschnitten erst später, namentlich 1527, in Dürer’s »Underricht zu
befestigung der Stett, Schlosz und flecken« vor. Das Papier hat zwischen
den Drathstrichen eine Entfernung von 13 Linien.
ad 18. Das Wasserzeichen einer kleinen Krone, Nr. 36, welche oft
unregelmäßig geformt ist und ein Kreuz, einen Stern, auch Kreuz und
Stern oben auf dem Bügel hat, findet man nicht früher als bei ersten
Drucken von Holzschnitten des Jahres 1527. Die Güte des Papiers ist
verschieden, auch haben die Drathstriche einen Abstand von 12½ und 11½
Linien.
ad 19. Ein kleiner Reichsapfel mit Kreuz darüber, Nr. 37, kommt, jedoch
selten, um das Jahr 1525 in Papieren mit 13 Linien Entfernung der
Drathstriche vor. --
ad 20. Ein verziertes ~P~, Nr. 38, findet sich bei den ersten Abdrücken
von dem Portrait Albrecht Dürer’s in einem Papiere, dessen Drathstriche
13½ Linien Abstand haben.
ad 21. Ein doppeltes Römisches A mit einem Kreuzstriche darüber, Nr. 39,
ist das Zeichen eines Papiers von 15½ Linien Entfernung der
Drathstriche, welches bei einzelnen Abdrücken der großen Passion ohne
Text angetroffen wird. --
Die vorbeschriebenen Wasserzeichen sind diejenigen, welche man am
häufigsten bei den alten, zu Dürer’s Lebzeiten genommenen Abdrücken
seiner Holzschnitte findet; es kommen indeß einzelne Abdrücke, welche
ihrer Reinheit und Schönheit nach zu diesen gezählt werden müssen, auch
auf Papieren mit abweichenden Zeichen vor. Diese sind indeß theils nicht
genau kenntlich, theils behalte ich mir vor, sie bei den einzelnen
Blättern zu erwähnen.
Viel mannichfaltiger als bei Dürer’s Kupferstichen sind bei dessen
Holzschnitten die Wasserzeichen derjenigen Papiere, welche man bei den
späteren Abdrücken derselben antrifft, eine natürliche Folge davon: daß
die Holzstöcke weit länger als die Kupferplatten brauchbare Abdrücke
gaben, auch der Werthlosigkeit des Materials wegen, weniger abhanden
gekommen oder zu anderen Zwecken verbraucht sind. --
Es würde zu weit führen, von allen diesen nach Dürer’s Tode vorkommenden
Wasserzeichen, welche theilweise einen Zeitraum von mehreren
Jahrhunderten begreifen, Nachbildungen zu geben, doch habe ich von
einigen der wichtigsten oder am häufigsten vorkommenden Durchzeichnungen
nehmen lassen. Es sind:
Nr. 40. Ein verziertes Römisches K, Entfernung der Drathstriche 12½
Linien.
Nr. 41. Das Wappen der Stadt Nürnberg, Entfernung 10½ bis 11 Linien.
Nr. 42 und 42^a. Eine Art Fischblase mit Stern oder Blume, Entfernung 10
bis 11 Linien.
Nr. 43. Zwei geschweifte, wie ein Hufeisen verbundene Thürme, Entfernung
12¾ Linien.
Nr. 44. Ein geschweiftes langes Wappen, Entfernung 12½ Linien.
Nr. 45. Ein großes geschweiftes Wappenschild mit Krone, Entfernung 11½
bis 12 Linien.
Nr. 46. Ein Wappenschild mit Querbalken, Entfernung 10 Linien.
Nr. 47. Eine Schlange, Entfernung 12 und 12½ Linien.
Nr. 48. Ein verziertes P mit dem Buchstaben A darin, Entfernung 13 bis
13½ Linien.
Nr. 49. Das Wappen von Augsburg, Entfernung 14¼ Linien.
Nr. 50. Dasselbe Wahrzeichen in einem geschweiften Schilde mit einem A
darunter, Entfernung 11½ bis 13½ Linien.
Nr. 51 und 51^a. Ein doppelter Reichsadler mit Krone, Entfernung 11
Linien.
Nr. 52. Eine Lilie mit Krone, Entfernung 11, 12½ bis 13¾ Linien.
Nr. 53. Dieselbe im Kreise, Entfernung 14½ Linien.
Nr. 54. Dieselbe in einem geschweiften Wappenschilde mit Krone darüber,
Entfernung 13¾ Linien.
Nr. 55. Ein Römisches E im Kreise, Entfernung 13 Linien.
Nr. 56. Eine herzförmige Figur, Entfernung 12 Linien.
Nr. 57. Ein geschweiftes längliches Wappenschild, Entfernung 13¾ Linien.
Die Beachtung der Papiere und ihrer Wasserzeichen allein, reicht indeß
bei Holzschnitten eben so wenig als bei den Kupferstichen aus, um mit
Sicherheit die älteren Abdrücke von den neueren zu unterscheiden. Bei
den Holzschnitten bleibt das wesentlichste Kennzeichen immer die größere
Schärfe und Reinheit des Drucks, sowie das Nichtvorhandensein von
Aussprüngen in den Rändern, von Rissen, Wurmlöchern oder sonstigen
kleinen Beschädigungen, denen die Holzstöcke bei fortgesetztem Gebrauch
oder durch die Länge der Zeit ausgesetzt sind.
In Beziehung auf die Reinheit des Drucks darf indeß nicht unbeachtet
bleiben, daß ältere Abdrücke mit Text auf der Rückseite oft weniger klar
und rein sind, als spätere ohne Text. --
Mit Ausnahme der Abdrücke der ersten Editionen der Apocalypse vom Jahre
1498, bei denen die Holzstöcke mit großer Sorgfalt geschwärzt und
gedruckt, welche daher scharf und rein sind, findet man durchschnittlich
die Abdrücke aller Dürer’schen Holzschnittfolgen -- sobald Text auf der
Rückseite ist -- nicht so klar, als gute Abdrücke desselben Holzstocks
ohne Schrift.
Es läßt sich dieses nur dadurch erklären, daß die zu der Schrift
verwandte Druckerschwärze auch für die Holzschnitte gebraucht und
weniger sorgfältig mit den damals gebräuchlichen Lederballen aufgetragen
wurde.
Auch mögen die mangelhafte Construction der damaligen Druckerpressen,
die den Druckern gewöhnliche schnelle Handhabung derselben, so wie die,
durch den Eindruck der Buchstaben, auf der Rückseite entstandene
Ungleichheit der Fläche des Papiers mit daran Schuld sein.
Die Druckerschwärze, welche bei den Dürer’schen Editionen vom Jahre 1511
gebraucht wurde, war häufig unrein und zu stark aufgetragen, daher in
den Schattenparthien der Holzschnitte nicht selten Unklarheiten
entstanden sind.
Diese Mängel, welche oft weniger oft mehr hervortreten, beweisen, daß
Albrecht Dürer auf die Abdrücke der im Jahre 1511 herausgegebenen
Holzschnittfolgen nicht die _persönliche_ Sorgfalt verwandt hat, wie auf
die Holzschnitte ohne Text und auf die Ausgaben der Apocalypse vom Jahre
1498. --
Daß unser Meister übrigens selbst im Besitz einer Buchdruckerpresse und
der erforderlichen Typen gewesen ist, wird nach den Schlußschriften der
verschiedenen Editionen »Gedrücket zu Nurnbergk _durch_ Albrecht dürer
Maler« und »Impressum Nurnberge _per_ Albertum Durer Pictorem« nicht
bezweifelt werden können, auch erkennt man in den semigothischen Typen
des lateinischen Textes der Apocalypse, bei der Ausgabe vom Jahre 1511
dieselben, welche bei der Edition vom Jahre 1498 verwandt wurden, von
welchen sie sich nur durch eine geringere, während des Gebrauchs
verloren gegangene Schärfe unterscheiden. Ebenso sind die zum Leben der
Jungfrau, der großen und kleinen Passion gebrauchten lateinischen Typen
einander ganz gleich. --