Periode von 1500 bis 1506, und es ist nicht zu läugnen: daß derselbe in
Behandlung der Kräuter im Vorgrunde an ältere Stiche unsers Meisters,
namentlich an die Jungfrau mit der Heuschrecke, B. 44, erinnert; auch
spricht dafür die davon durch Marc Anton gestochene, noch mit dem
Monogramm Dürer’s bezeichnete Copie.
Auffallend ist indeß dabei: daß das hohe Haus in der Landschaft
unzweifelhaft einer colorirten Studie nach der Natur entnommen ist,
welche jetzt im British Museum in dem Privat-Zimmer des Directors des
Printroom hängt, und von Dürer’s Hand bezeichnet »weyß Hauß« ganz mit
den colorirten Naturstudien übereinstimmt, welche noch von unsers
Meisters Reise nach Italien erhalten sind.
Das Blatt ist in den nicht häufigen, zuweilen aber besonders schönen
Abdrücken, welche am frühesten auf Papier mit dem Ochsenkopf, sonst auch
mit der hohen Krone, vorkommen, ein besonderer Liebling der Sammler.
Bei der ungewöhnlichen Höhe der Platte, von 7 Zoll, findet man mehrfach
Abdrücke, welche unten um fast zwei Linien, bis nahe an den Fuß des
Monogramms verschnitten sind, wodurch der Büschel des Affenschwanzes
verloren gegangen ist, wahrscheinlich um dieses Blatt in den alten
Klebe-Büchern mit andern von gleicher Grösse, wie B. 2 und 26
auszugleichen. -- Die mehrfach geäußerte Ansicht: daß die Kupferplatte
späterhin um so viel verschnitten sei, beruht indeß auf einem Irrthume,
denn es kommen matte Abdrücke von der sehr abgenutzten Platte vor,
welche die normale Größe haben.
Dieser Stich gehört übrigens zu denen, deren Abdrücke unserm Meister
nicht immer gelungen sind, es giebt davon alte sehr kräftige Drucke,
welche, ohne sichtlich bei dem Durchlaufen durch die Presse verschoben
zu sein, doch Klarheit und Reinheit vermissen lassen.
B. 43. Die heilige Familie.
Auch dieses geritzte Blatt setzt Heller in die Periode vor der
Italienischen Reise, mir scheint indeß diese vielleicht nur auf das
Fehlen des Monogramms und der Jahrszahl begründete Angabe höchst
unwahrscheinlich, da alle übrigen Arbeiten Dürer’s mit der kalten Nadel
in die Jahre 1510 und 1512 fallen.
Vollkommen schöne Abdrücke dieses, dann sehr malerischen Blattes,
gehören zu den allergrößten Seltenheiten. Die ersten erkennt man an der
vollkommenen Reinheit der Platte von allen Kritzeln, und der großen
Deutlichkeit der nur leicht angeritzten Landschaft mit Gebäuden auf
einem Berge im Hintergrunde, es giebt indeß von diesem ersten Etat
einzelne Abdrücke, welche, vielleicht in Folge zu starken Abputzens der
Platte vor dem Druck, nicht die malerische Wirkung einzelner schöner
Abdrücke des zweiten Etats haben. -- Diese zweiten Drücke erkennt man an
einem Nadelkritzel in der Platte, welcher in schräger Richtung auf dem
Gesichte der Jungfrau den untern Theil der Nase und den linken
Mundwinkel berührt. -- Die früheren Abdrücke dieser Art, bei denen die,
später immer undeutlicher werdende, Landschaft im Hintergrunde noch
vollkommen klar ist, sind an Grabstichel-Versuchen kenntlich, welche
sich oben links in der Platte befinden.
Die späteren Abdrücke haben mehrere Kritzeln, welche in verschiedenen
Richtungen rechts unten das Holzwerk der Rasenbank, so wie das Gesicht
und den Bart Josephs, auch die Stirn des Christus-Kindes durchschneiden.
Solche Abdrücke kommen schon auf Papier mit dem Wasserzeichen der
verbundenen Thürme, Nr. 14, und 11 Linien Abstand der Drathlinien vor.
-- Die spätesten Abdrücke sind grau und rußig, auch nicht selten.
Die schönsten mir bekannten Exemplare dieses vortrefflichen Blattes
sind im Städel’schen Institute in Frankfurt a.M., dem Königl.
Kupferstich-Cabinet in Berlin, der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in
Wien und in dem Print-room des British Museum.
B. 44. Die heilige Familie mit dem Schmetterlinge, richtiger mit der
Heuschrecke (Libelle).
Dieses bereits in der Einleitung erwähnte Blatt bleibt in Beziehung auf
den Erfinder der Composition immer ein zweifelhaftes, doch muß der Stich
schon von Marc Anton für eine Arbeit Dürer’s erkannt sein, da er
denselben mit dem Dürer’schen Monogramm copirt hat. Jedenfalls ist es
eine der frühesten Grabstichel-Arbeiten unsere Meisters.
Auffallend bei dieser Platte ist der sehr sichtbare Ausrutsch des
Grabstichels über dem Kopf der Maria, welcher sich auf den alten, wie
auf den neueren Abdrücken findet. Bei der bekannten großen Sorgfalt
Dürer’s möchte man aus der nicht geschehenen Entfernung dieses
Mißstandes schließen: daß die Platte nicht in seinen Händen geblieben
wäre, auch erwähnt er derselben in seinem Tagebuche nirgends, hat also
Abdrücke davon auf seine Niederländische Reise wohl nicht mitgenommen.
Es kommen übrigens einzelne frühe schöne Abdrücke auf Papieren mit den
Wasserzeichen des Ochsenkopfes und des gothischen ~P~, Nr. 3, vor;
überhaupt ist das Blatt nicht selten. Die späteren Abdrücke erkennt man
an dem schwächeren Schatten auf der rechten Backe der Jungfrau, welches
der Verfasser des Cataloges der Sammlung von H. Weber -- Leipzig 1855 --
irrthümlich als Merkmal eines premier étât bezeichnet hat. Solche
Abdrücke haben fast immer Papier mit dem Wasserzeichen des stehenden
Hundes, Nr. 13, und einer Entfernung der Drathstriche von 13¼ Linien,
welches bei Dürer’schen Holzschnittblättern vom Jahre 1527 vorkommt, bei
Abdrücken von Kupferstichen, welche bei Dürer’s Lebzeiten genommen sind,
von mir aber nie angetroffen ist.
Bei einzelnen Abdrücken findet man auch Papier mit dem Wasserzeichen des
Reichsapfels, die neuesten haben zahlreiche Kritzeln in der
Kupferplatte.
B. 45. Die Jungfrau am Thor,
ist eine anerkannt Italienische Grabstichel-Arbeit nach Dürer, welches
man auch schon an dem volleren, etwas weicheren, von den Deutschen
Sorten abweichenden Papiere derselben erkennen kann.
Passavant hält Marc Anton für den Meister derselben.
B. 46 bis 50. Die fünf Apostel.
Diese schönen Blätter sind besonders häufig abgezogen und finden sich
fast in allen Sammlungen Dürer’scher Drucke, oft in mehreren Exemplaren.
Höchst sparsam sind aber recht volle, kräftige Abdrücke, noch seltner
alle fünf Blätter von ganz gleicher Güte, welches durch die
Verschiedenheit der Jahre, in welchen Dürer sie arbeitete, erklärlich
wird.
Die Folge in der Sammlung des Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M.
ist in dieser Beziehung wohl eine der schönsten.
St. Thomas und St. Paulus, welche im Jahre 1514 gestochen wurden, findet
man bei sehr kräftigen Drucken auf einem sehr festen, der Masse und der
Entfernung der Drathstriche nach, auf das Wasserzeichen der hohen Krone
deutendem Papiere. Bei den im Jahre 1523 gestochenen St. Bartholomaeus
und St. Simon, so wie bei dem St. Philipp vom Jahre 1526 ist das Papier
feiner, mit Entfernung der Drathstriche von 12¾ bis 13¼ Linien, dem
vorherrschenden Papiere dieser Periode mit dem Wasserzeichen des Kruges
entsprechend. Das gleiche Papier kömmt auch häufig bei allen fünf
Blättern vor.
Ein Wasserzeichen in einem der Abdrücke zu entdecken hat mir, ungeachtet
der außerordentlich großen Zahl deshalb geprüfter Blätter, bisher nicht
gelingen wollen.
B. 51 und 52. Der heilige Christoph mit umgewandten Kopf, und derselbe
Heilige mit dem Christus-Kinde, beide vom Jahre 1521.
Mit Recht beliebt und viel verbreitet sind diese ersten Stiche unsere
Meisters nach seiner Rückkehr von der Niederländischen Reise. Man
erkennt darin, daß diese, und namentlich die nähere Bekanntschaft mit
den Arbeiten des Lucas und Leyden, nicht ohne Einfluß auf Dürer’s
Handhabung des Grabstichels geblieben ist.
Vasari nennt diese Blättchen sehr schön (bellissimi), und lobt
vorzüglich die Grabstichelführung in allen Theilen, besonders den
gelockten Haaren.
Wie bei allen Stichen, welche der letzten Periode unsers Meisters
angehören, zeichnen sich die alten schönen Abdrücke mehr durch Weichheit
und Harmonie, als durch tiefe Kraft der Farbe aus. Beide Blätter sind
nicht selten und bei den guten Abdrücken findet man das feine Papier mit
12¾ bis 13¼ Linien Abstand der Drathstriche, welches auf das
Wasserzeichen des Kruges schließen läßt.
B. 53. St. Georg zu Fuss.
Von diesem, anscheinend im Jahre 1508, gleichzeitig mit dem folgenden,
gearbeiteten Blatte, kommen einzelne ganz besonders kräftige und schöne
Abdrücke vor, deren Papier das Wasserzeichen des Ochsenkopfes hat; doch
auch auf Papier mit der hohen Krone findet man noch recht frische
Drucke, und selbst bei den bläßeren trifft man noch sehr gutes Papier
mit 13¾ Linien Abstand der Drathstriche.
B. 54. St. Georg zu Pferde. 1508.
Bei den nicht häufigen schönen Abdrücken dieses Stiches ist mir nur
Papier mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes vorgekommen.
B. 55. St. Sebastian an einen Baum gebunden.
Recht fette malerische Abdrücke findet man von diesem sehr hell
gehaltenen Blatte aus Dürer’s erster Periode nicht. Selbst der zu den
Geschenken unsers Meisters an König Christian II von Dänemark[11]
gehörende Abdruck im Königl. Kupferstich-Cabinet zu Copenhagen ist nicht
so warm als die übrigen.
Die besseren Abdrücke, deren Papiere ich zu prüfen im Stande gewesen
bin, hatten ein weißes, festes Papier mit Entfernung der Drathstriche zu
13¼ auch 14 Linien.
B. 56. St. Sebastian an eine Säule gebunden.
Der erste Etat dieses Stiches, mit dem kleinen verzeichneten Munde,
gehört zu den sehr seltenen aber keinesweges schönen Curiositäten. Bei
den besten Abdrücken, auch dem zu den Dürer’schen Geschenken gehörigen
in der Copenhagener Sammlung, ist der Mund bereits geändert. Diese
Platte hat übrigens weit schönere Abdrücke geliefert, als B. 55. Bei den
besseren habe ich Papier mit einem Abstande der Drathstriche von 13 und
14 Linien gefunden, einmal auch das spätere Wasserzeichen des
Lilienschildes mit der Krone, Nr. 11.
B. 57. Der heilige Eustachius.
Dieser größte, vollkommen durchgebildete Kupferstich Dürer’s trägt keine
Jahrszahl. So geschätzt und gesucht derselbe ist, so gehört er doch nur
in den _alten_, _frischen_ und _warmen_ Abdrücken zu den Seltenheiten.
Diese sind fast ausschließlich auf Papier mit der hohen Krone, doch
giebt es einzelne wenige Exemplare von schöner Schwärze, auf Papier mit
dem Ochsenkopfe, auch habe ich einen noch schönen Abdruck mit dem
Wasserzeichen des Kruges angetroffen.
Der unvergleichliche Abdruck in Copenhagen, Geschenk unsers Meisters an
König Christian II von Dänemark, hat das Wasserzeichen der hohen Krone.
Die späteren Abdrücke, welche bis in die Zeit des Kaisers Rudolph II zu
reichen scheinen, der die Platte vergolden ließ[12], findet man auf den
verschiedenartigsten Papieren, mit dem Wasserzeichen des Hundes, Nr. 13,
der Thürme, Nr. 14, des Wappens von Nürnberg, Nr. 12, des Reichsadlers,
Nr. 17, letzteres Papier kömmt am häufigsten vor und sind diese neueren
Abdrücke oft noch rein und klar, entbehren aber ganz des warmen Tons und
der malerischen Wirkung, welche die älteren Abdrücke so vortheilhaft
auszeichnen.
Die ungewöhnliche Größe dieser Platte scheint bei dem Abdrucke besondere
Schwierigkeiten bereitet zu haben, denn man findet bei den schönsten
Abzügen nicht selten kleine Stollen mit gequetschten Linien, auch alte
Drucke, die eine geringe Verschiebung des Papiers unter der Walze
zeigen. -- Einige alte Abdrücke von schöner Kraft kommen vor, bei denen
die Druckerschwärze ungewöhnlich dick zum Nachtheil der Klarheit
aufgetragen ist, diese haben ein ganz besonders festes Papier, mit kaum
sichtbaren Drathstrichen der nicht sehr feinen Schöpfform, welche 15½
Linien von einander entfernt sind.
Bei der schönen Gruppirung der Baulichkeiten des Schlosses auf dem Berge
hat Dürer eine flüchtige leicht colorirte Natur-Studie mit benutzt,
welche, von ihm bezeichnet: »ein Welsch Schloß« und ohne Zweifel von
seiner Italienischen Reise herrührend, bei Heller, pag. 127 unter Nr.
37, angeführt wird, und sich gegenwärtig in der Sammlung des Verfassers
befindet.
B. 58. St. Antonius der Einsiedler. 1519.
Ein vortreffliches Blatt, besonders wegen der sehr schönen Landschaft.
Die herrlich um den Berg aufgebaute Stadt hat auffallende Aehnlichkeit
mit Marburg. Es ist nicht häufig, namentlich in schönen alten Abdrücken,
deren sehr festes Papier einen Zwischenraum von 13¾ Linien zwischen den
Drathstrichen hat.
B. 59. Der heilige Hieronymus. 1512.
In Beziehung auf malerische Wirkung ist dies geritzte Blatt unstreitig
die gelungenste von Dürer’s Arbeiten auf Kupfer. Die wenigen bis auf
uns gekommenen Abdrücke von voller Kraft und Klarheit haben ein
Helldunkel, welches von Rembrandt in seinen schönsten Radirungen nicht
übertroffen ist, ihm aber entschieden zum Vorbilde gedient hat.
Von diesem köstlichen Blatte sind zwei Probedrücke erhalten, ehe Dürer
das Monogramm nachgefügt hatte. Der eine davon ist in Wien in der
Sammlung des Erzherzogs Albrecht, der andere im Print-room des British
Museum, früher bei Verstolck im Haag. Dieser letztere ist auf Papier mit
dem Wasserzeichen der hohen Krone und bestätigt meine in der Einleitung
ausgesprochene Ansicht, daß Dürer um 1512 zu den größeren Blättern nicht
mehr das Ochsenkopfpapier zu verwenden pflegte. -- Auch bei den besten
der übrigen Abdrücke findet man Papier mit der hohen Krone. Die
vollkommen schönen Abdrücke lassen sich zählen und sind doch nicht frei
von fleckenartigen unklaren Stellen. -- Der schönste von allen ist wohl
der zweite Abdruck mit dem Monogramm in der Sammlung des Erzherzogs
Albrecht in Wien, von den in Deutschland in Privathänden befindlichen,
ist derjenige am berühmtesten, welcher die reiche und ausgewählte
Dürer-Sammlung des Herrn Cornill d’Orville in Frankfurt a.M. ziert. --
Spätere Abdrücke kommen vor auf Papier mit den Wasserzeichen zweier
Thürme mit Mauer, Nr. 14, und des Wappens der Stadt Schrobenhausen, Nr.
15. Bei diesen sieht man unten in der Mitte des Vorgrundes die Spuren
eines runden Loches, welches in die Platte geschlagen ist. Die Bemerkung
des Herrn Dr. Nagler[13]: daß in den späteren Abdrücken das Crucifix und
die Jahrszahl ganz ausgedruckt seien, trifft nicht allgemein zu, denn es
giebt ganz späte Abdrücke, bei denen beides sichtbar, die Jahrszahl aber
vollkommen deutlich ist.
B. 60. Der heilige Hieronymus in der Zelle. 1514.
Dieser Stich, von Dürer in seinem Tagebuche »Hieronymus im Gehaiß«, »der
sitzende Hieronymus«, auch »St. Hieronymus in Kupffer« benannt, ist
eines der verbreitetsten der größeren Blätter unsere Meisters und die
sehr sorgfältig gearbeitete Platte hat eine große Menge Abdrücke
gegeben. Die älteren davon sind sehr malerisch, zuweilen etwas voll in
Farbe, wodurch indeß das schöne Helldunkel dieses Stiches gehoben wird.
Die weit häufigeren späteren Abdrücke findet man oft noch recht klar und
rein, jedoch die Wirkung der früheren keinesweges erreichend.
Der Masse der Papiers und der Entfernung seiner Drathstriche nach, sind
die alten Drucke auf solchem mit dem Wasserzeichen der hohen Krone
abgezogen; das Zeichen selbst habe ich indeß bis jetzt in keinem Abdruck
auffinden können. Das Blatt ist aber geringer in Höhe, wie manche der
anderen, und mag daher wohl das Wasserzeichen mit dem Papierrande
weggefallen sein. Nur ein einziger, aber augenscheinlich späterer
Abdruck ist mir mit dem Wasserzeichen des Kruges vorgekommen.
B. 61. Der büssende heilige Hieronymus.
Heller nimmt an, daß Dürer dieses schöne Blatt schon vor 1500 gestochen
habe, doch möchte ich -- obgleich dasselbe nicht ganz frei von der
früheren conventionellen Behandlung des Erdbodens im Vorgrunde ist --
wegen der Durchbildung der Landschaft der Meinung sein, daß es den
ersten Jahren nach der Italienischen Reise angehören wird.
Die Platte ist übrigens in früheren Zeiten wenig abgedruckt. Exemplare
auf Ochsenkopf- oder Kronenpapier habe ich nie angetroffen, nur ein Paar
mit dem alten Papierzeichen des gothischen ~P~. Dürer hat keine Abdrücke
davon, zu Geschenken oder zum Verkauf, auf die Niederländische Reise
mitgenommen, wenigstens geschieht dieses großen Blattes nirgends im
Tagebuche Erwähnung, dagegen findet man die prachtvollsten Abdrücke auf
den späteren Papieren mit den durch eine Mauer verbundenen Thürmen, Nr.
8, oder dem Reichsapfel mit Stern, Nr. 5. Selbst Abdrücke mit dem
Wasserzeichen des Augsburger Wappens, Nr. 18, sind noch recht schön.
Den älteren Sammlern scheint übrigens dieses Blatt für ihre Klebebücher
zu hoch gewesen zu sein, wenigstens findet man mehrfach, auch in
öffentlichen Sammlungen, Abdrücke, wo das weiße Papier oben bis an die
Spitze der Tannenbäume 4 Linien breit abgeschnitten ist.
B. 62. Der kleine runde heilige Hieronymus.
Eines der seltensten Blättchen Dürers, mit vollem Recht zu den
Introuvables gezählt. Bekannt sind mir davon nur 5 Abdrücke, in der
Pariser Sammlung, in dem Museo zu Amsterdam, in den Sammlungen des
Erzherzogs Albrecht in Wien, der Königin Marie in Dresden und der
Kunsthalle zu Bremen, letzteres aus dem Dr. Klugkistschen Vermächtniß,
früher in der Sammlung des Herzogs von Buckingham.
Die Abdrücke sind besonders schwarz, der in Bremen ist indeß etwas
klarer. Die Behandlung des Grabstichels ist übrigens bei weitem nicht so
einfach, rein und schön, als bei dem Degenknopf, dieselbe hat im
Gegentheil etwas Rauhes und gleicht fast einem Holzschnitte. Auffallend
ist auch die wunderbare Lage des Löwenschweifes.
Das Blättchen hat kein Monogramm und man kann sich, bei genauer
Betrachtung des Zweifels nicht erwehren: ob dasselbe wirklich von Dürer
gestochen sei? Der kleine heilige Hieronymus in Holzschnitt, B. 115, ist
ohne Frage weit schöner.
Da diese wenigen erwähnten Abdrücke unterklebt oder fest aufgelegt sind,
so habe ich über die Papiere derselben mir keine Aufklärung verschaffen
können.
B. 63. Die heilige Genovefa.
Die Abdrücke von dieser Platte findet man sehr kräftig und schön, jedoch
nur selten vollkommen klar und rein. Selbst die frühesten auf Papier mit
dem Ochsenkopfe sind zuweilen zu trocken oder zu fett in Farbe.
Andere Abdrücke haben Papier mit dem Wasserzeichen der großen Thürme
unten mit einer Spitze, Nr. 14.
B. 64. Die heilige Veronica. 1510.
Dieses sehr schöne aber introuvable Blättchen habe ich nur zweimal in
Händen gehabt, in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien und
derjenigen der Königin Marie in Dresden, früher bei Verstolck, beide
Exemplare fest aufgelegt.
Der Stich, mit der trockenen Nadel (geritzt) ist sehr leicht behandelt,
die Hände sind wenig ausgebildet, aber außerordentlich schön ist das
Antlitz des Christus. Quer über demselben bemerkt man auf den beiden
bezeichneten Abdrücken zwei feine sich kreuzende Linien, Kritzeln in der
Platte oder Ausgleitungen der Nadel.
Abweichend von den übrigen Kupferstichen Dürer’s ist auf diesem
Blättchen die Zeichnung des Monogrammes und namentlich die Form des D,
welcher fast viereckt erscheint, auch bei der Jahreszahl sind die ersten
und die letzten zwei Zahlen ungewöhnlich weit von einander entfernt und
befindet sich ein Punkt dazwischen, die 0 steht dagegen auffallend nahe
an der 1, wie solches sonst bei unserm Meister nicht gebräuchlich ist.
Auch die unter dem Schweißtuch hervortretenden Gewandfalten der Heiligen
weichen von Dürer’s gewöhnlicher Weise ab, demungeachtet erscheint das
Blättchen, welches in mancher Beziehung an eine ähnliche Darstellung des
Martin Schön erinnert, entschieden als eine Arbeit von ihm und mag das
Abweichende gegen andere Stiche dadurch sich erklären, daß dieses der
erste Versuch mit der kalten Nadel war.
Durch die recht gute, wenn auch nicht in allen Theilen genaue Copie von
Petrack ist dieser Stich, so wie die übrigen drei introuvablen Blätter
Dürer’s, allgemeiner bekannt geworden.
B. 65. Das Urtheil des Paris.
Von diesem kleinen runden Blättchen habe ich nur einen Abdruck, und zwar
in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien gesehen. -- Er ist fest
aufgelegt und in Beziehung auf das Papier daher nichts wahrzunehmen. Der
Stich ist sehr leicht behandelt, macht aber doch den Eindruck, daß er
von Dürer selbst herrührt, der Abdruck selbst ist nicht eigentlich
frisch zu nennen.
Nach einer mir gewordenen Mittheilung des Herrn William Smith in London,
ist neuerlichst ein Exemplar dieses Blättchens in das British Museum
gekommen, es hatte sich in einer alten Englischen Sammlung befunden, und
war vor etwa 40 Jahren dem früheren Besitzer von dem Vater des W. Smith
für einen Shilling (10 Sgr.) verkauft.
B. 66. Die drei Genien.
Dieser Stich ist nicht häufig, in schönen Abdrücken aber wahrhaft
reizend. Der prachtvollste Abdruck davon, aus der Sammlung des Herrn R.
Fisher in London, war in der »Art treasures Exhibition« in Manchester
ausgestellt.
Die alten Abdrücke sind auf Papier mit dem Wasserzeichen des
Ochsenkopfes, schwächere auf einem sehr festen, stark gerippten Papier
mit 13½ Linien Abstand der Drathstriche.
B. 67. Die Hexe.
Bei den vollkommen schönen Abdrücken, welche jedoch nicht oft vorkommen,
hat das Papier den Ochsenkopf als Wasserzeichen, bei guten, aber weniger
kräftigen findet man das feste anscheinend Kronen-Papier mit 13¾ Linien
Entfernung zwischen den Drathstrichen.
B. 68. Apollo und Diana.
Es giebt außerordentlich schöne Abdrücke dieses Blattes auf
Ochsenkopfpapier; merkwürdig ist die auch in den kräftigsten derselben
sich findende kleine weiße Fehlstelle in den Schattenlagen der Backe des
Apollo, dicht über der Schulter.
Nach den genauen Beziehungen dieses Stiches zu dem folgenden, wird er
wohl nicht vor dem Jahre 1505 gearbeitet sein.
B. 69. Die Familie des Satyrs. 1505.
Dieses, in geringen Drucken ziemlich häufige Blatt ist in vollkommen
schönen, außerordentlich selten, aber höchst reizend. Diese haben Papier
mit dem Wasserzeichen des Ochsenkopfes. Ein schwarzer Punkt auf der
linken Lende der Frau findet sich schon auf den frühesten Abdrücken, und
muß daher von einer kleinen Fehlstelle in der Platte herrühren.
B. 70. Das Studium von fünf Figuren.
In klaren, ganz rostfreien Abdrücken ist diese Radirung, welche weder
Monogramm noch Jahreszahl hat, nicht häufig. Sie kommen auf Papier mit
13 Linien Entfernung der Drathstriche und einem ungewöhnlichen
Wasserzeichen vor, welches sich nicht wohl erkennen läßt. Sonst trifft
man auch Papier mit dem Wasserzeichen der Thürme oder des gothischen
~P~.
B. 71. Die Entführung der Amymone.
Dürer nennt dieses Blatt in seinem Tagebuche »ein Mehrwunder«, Vasari
»una ninfa portata via da un mostro marino«, und Heller setzt den Stich
in die Zeit vor 1500.
Ich glaube dagegen, daß solcher einer späteren Zeit angehört, mir
scheint die ganze Behandlung dafür zu sprechen, auch habe ich nur einen
Abzug auf Ochsenkopf-Papier, sehr wenige mit dem gothischen ~P~
gefunden. Die schönsten der alten Abzüge haben Papier mit der hohen
Krone. Die Platte hat sich länger erhalten, denn es kommen spätere
Abdrücke mit dem Wasserzeichen des Kruges, auch des Reichsadlers vor.
B. 72. Die Entführung. 1516.
In den ersten reinen Abdrücken ist diese Radirung nicht häufig, man
findet einige davon mit dem Wasserzeichen des Kruges, die späteren,
schwärzeren, aber rußigen Drucke haben im Papier das Wappen der Stadt
Schrobenhausen, Nr. 15.
B. 73. Die Wirkung der Eifersucht.
Einer der bedeutendsten Kupferstiche unsers Meisters, von ihm in seinem
Tagebuche »der Herculum« genannt, und in _sehr schönen_ Abdrücken selten
und kostbar, welcher indeß nicht, wie Heller glaubt, schon vor der
Italienischen Reise gearbeitet sein dürfte. Die mir durch die Hände
gegangenen alten Drucke, auch der außerordentlich schöne, von Dürer dem
Könige Christian II verehrte, jetzt in Copenhagen, haben sämmtlich das
Wasserzeichen der hohen Krone, bei schwächeren findet man den Krug im
Papier.
In der Composition dieses Blattes hat Dürer übrigens manches der schönen
alten, von mir bereits in der Einleitung erwähnten Zeichnung entlehnt,
durch welche er das Meisterwerden erlangte.