Eine blutige Erinnerung aus dem Französisch-Deutschen Krieg ist
mit Bapaume verknüpft. Am 3. Januar 1871 griff General Faidherbe
an der Spitze des ~XXII.~ und ~XXIII.~ Armeekorps General Goeben
an, der die 15. Division kommandierte, die 3. Kavalleriedivision
und ein kombiniertes Detachement unter Prinz Albrecht. Die deutsche
Truppenstärke, wenig mehr als 15000 Mann und 84 Kanonen, war kaum halb
so groß wie die französische, zwang jedoch Faidherbe nach neunstündigem
Kampf, sich auf Arras und Douai zurückzuziehen.
Nun waren seitdem 44 Jahre vergangen, und Bapaume war wieder in den
Händen der Deutschen. Mitten auf dem Markt hatten die Franzosen eine
Statue Faidherbes errichtet, ein würdiges Denkmal einer glänzenden
Laufbahn. Mehrere Male hatte ihm sein Vaterland die Lösung dringender
Aufgaben anvertraut, daheim auf Guadeloupe, in Algier, Senegal,
Kabylien, und schließlich war er im November 1870 von Gambetta zum Chef
der Nordarmee ernannt worden. Mut, Zuversicht, Initiative und glühender
Eifer fehlten ihm nicht, aber gegen die systematisch ausgebildete
deutsche Armee vermochte er mit seinen Miliztruppen nichts auszurichten.
Faidherbe überlebte seine Mißerfolge lange, er starb in Paris erst
1889, nach achtzehn Jahren des Grams darüber, daß sein Feldherrntalent
nutzlos vergeudet worden war, und zwar durch Verblendung und Unkenntnis
der Volksvertreter, die ihr Land an den tiefsten Abgrund nationalen
Unglücks führten, dessen unsere Zeit Zeuge gewesen ist.
Da steht er nun in Bronze auf seinem weißen Sockel, eins der Opfer
der Verblendung seines Volks. Und um ihn herum stehen die Söhne des
Volks, das ihn besiegte, und das nun wieder in den Spuren seiner
Väter gesiegt hat. Trotzig und entschlossen steht er da, die Arme
gekreuzt; mit der rechten Hand packt er den Griff des Degens. Seine
ganze Haltung scheint den unerschütterlichen Entschluß zu verraten,
keinen Schritt zurück, nur vorwärts zu gehen; sein Uniformmantel
flattert im Winde, seine Mütze sitzt keck und schief. Den Kopf trägt
er hoch und stolz. Sein Blick ist auf -- deutsche Truppen gerichtet,
jetzt wie damals! Viele von denen, die eben in der Kirche waren, haben
sich auf dem Markt versammelt. Das Musikkorps bildet einen Halbkreis
vor Faidherbes Denkmal. Der Kapellmeister hebt den Taktstock, und nun
schallt die »Wacht am Rhein« über den Markt. Zündend umbrausen die Töne
der Messinginstrumente den Helden oben auf seinem Sockel. Er scheint
trotziger denn je. Er steht da mit gezogenem Degen, auf seinem Gesicht
ruht der Ausdruck tiefer Tragik.
Ruhig und sicher stehen die deutschen Musikanten und ihre Kameraden,
die sich in Gruppen um sie versammelt haben. Eine Stimmung von
Siegessicherheit erfüllt all diese Krieger. Clewing beginnt zu singen,
andere folgen seinem Beispiel, und machtvoll wogt der Gesang über den
Markt:
Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Wie Schwertgeklirr und Wogenprall:
Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein,
Wer will des Stromes Hüter sein?
Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu die Wacht,
Die Wacht am Rhein!