Der Rhein in seiner gewaltigen Pracht. Wir kreuzen ihn auf einer
langen Pontonbrücke, auf der die Wachtposten zahlreicher als sonst
stehen, und sind in Koblenz. Da, wo die Mosel in den Rhein mündet,
steht ein Reiterdenkmal des alten Kaisers Wilhelm; der Sockel trägt die
denkwürdigen Worte: »_Nimmer wird das Reich zerstöret, wenn ihr einig
seid und treu._« Heute bewahrheitet sich dieses Wort vor Deutschland
und der ganzen Welt.
Die Straße führt uns auf das rechte Ufer der Mosel, wo eine Steinbrücke
in schönem Bogen von Ufer zu Ufer führt und ein paar Moseldampfer unter
der Roten Kreuz-Flagge verankert liegen. Ein Gewirr von engen Gassen,
wimmelnd von Straßenbahnen, Droschken, Karren und Volk und vor allen
Dingen von deutschen Soldaten. Die Landschaft liegt unbeschreiblich
schön an diesen ewigen Flußwindungen; eine Stadt nach der andern
lugt hinter den Vorgebirgen hervor, und graue Häuser mit ihren
schwarzen Schieferdächern und schöne Kirchen lösen sich von dem grünen
Hintergrund.
Schließlich erreichen wir Treis, wo eine lustige Fähre, wie ich sie von
den sibirischen Flüssen kenne, uns auf das linke Ufer hinüberführt.
Dort setzten wir unsere schnelle Fahrt fort. Wir kamen an mehreren
Militärzügen vorüber und begegneten auch einem Lazarettzug, dessen
beide erste Wagen verwundete Franzosen beherbergten, die übrigen
deutsche. Den Franzosen ging es weder besser noch schlechter als
den Deutschen. Alle lagen auf Stroh. Die Schiebetüren in diesen zum
Lazarett eingerichteten Güterwagen standen offen, um den Kranken
frische Luft zu verschaffen.
In der Stadt Eller rasten wir einige Zeit in einem Wirtshaus, dessen
Wirt, Herr Meinze, uns mit allem unterhält, was er vom Krieg weiß.
Sein Töchterchen springt davon und bringt einen Brief, der eben vom
Sohn der Familie angelangt ist, einem zweiundzwanzigjährigen Potsdamer
Garde-Ulanen. Der Briefschreiber beklagt sich, daß er einen Monat
lang kein Wort von zu Hause gehört habe. Er sei in einem Gefecht
gewesen, in dem ein französischer Flieger eine Bombe auf eine Batterie
herabwarf, drei Mann tötete und zwanzig verwundete. Über seine
englischen Gegner spricht er mit großer Verachtung. Er vergißt, daß,
man mag über die englische Leitung sagen was man will, die Soldaten
doch tüchtig sind, große persönliche Tapferkeit zeigen und sich mit
Löwenmut und Todesverachtung schlagen. Seinen Brief beginnt er mit
den Worten: »Liebe Eltern und Schwester«, und am Schluß gibt er der
Hoffnung Ausdruck, daß Deutschland bald mit seinen Feinden fertig
werden möge. Der bezeichnende Zug all dieser Feldpostbriefe ist die
unbefangene Beurteilung der Lage und der blinde Glaube der Soldaten
an die unüberwindliche Macht des Heeres und den schließlichen Sieg.
Wenn ich falle, das bedeutet nichts -- ob ich bei dem Triumphzug der
heimkehrenden Krieger durch das Brandenburger Tor dabei bin oder
nicht, was tut's? -- aber Deutschland soll siegen, wenn nicht früher,
doch sobald die Frühlingsblumen aus meinem Grab hervorwachsen!