Apokalyptisches Gebet

Nimm doch zurück, o Gott, in deine Stadt

Von Jaspismauern, Häusern roten Golds,

In heiliges Gezelt aus schmiegsam Zedernholz,

So uns dein Grimm, o Gott, gesendet hat:

Der Kräfte, Mächte, Engel Siebenzahl,

Die auf uns geußen Schalen wilder Qual.

Sieh, unsre Scheitel flammten auf und aschten grau!

Was je in Schmerz geboren aus dem Weib,

Wir decken ja mit blutbeströmtem Leib

Das Kraterland der Erde; Blut ist Tau,

Der alle Kelche füllt, aus Keltern träuft.

Geschlecht der Sünde ward zum Tod gehäuft.

Wo ragt das Schloß, das du erbauen wirst

Aus Schläfenquadern: Haus der Menschheitsnot?

Auf kahlen Straßen treibt der Kärrner Tod

Den Maultierkarren, der von Schädeln birst.

O düsterer Karren Karawanenzug!

Der Krähen Volk zieht mit, die Nacht im Flug.

In Höllengängen, wo Entsetzen Odemgift

Aus dickverknäulten Brüdermassen zeugt,

Im Rumpf des Schiffes, das dein Wehen beugt,

In Tempeln ist es, wo dein Schwertstreich trifft.

Wir finden auf der Erde, die wir groß geglaubt,

Nicht ein Versteck für dieses Dornenhaupt.

Kein Baum, wo im Geäst nicht wehend trieb

Ein Absalon im letzten Stolz, kein Stein,

Darunter nicht im Dunkeln das Gebein

Der Mensch-Skorpione dorrte. Warum schrieb

Dein Finger eine Sichel nur ans Firmament?

Zulang die Ernte! -- Ende ohne End.

Wie würgten Adler, Löwe ja und Stier

In uns, o Gott, und knieen vor dem Lamm,

Der weißen Wolke, die aus Nacht herfür

Die Sonne deckte am gekreuzten Stamm!

In zwanzig Zungen, Menschheit schreit zum Herrn:

Auf reiner Schale reiche uns den Morgenstern!

Gedichte(#52219) · 第 19 / 30 题