Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu Seite 71.)]

[Illustration: Abb. 124. +Dein Reich komme.+ Aus dem Vaterunser. 1856.

(Zu Seite 71.)]

Ernst Förster nennt in seiner deutschen Kunstgeschichte Richter

„einen Künstler, der seinesgleichen nicht nur nicht hat und gehabt

hat in keinem Lande und zu keiner Zeit, sondern der auch mit seinen

Schöpfungen alle Welt entzückt, sich eine Wohnung gemacht hat in

allen natürlich empfindenden Herzen, bei jung und alt, bei männlich

und weiblich, durch dessen Hände die Natur selbst spricht und die

Seele und dessen Zeichnungen der wahrste Ausdruck des Besten sind,

was das Vaterland an Land und Leuten Herzerfreuendes und Erquickendes

hervorgebracht.“

In den Jahren 1869 bis 1879 schrieb Richter seine Biographie, 1880 und

1881 die Nachträge dazu.

[Illustration: Abb. 125. +Erlöse uns von dem Übel.+ Aus dem Vaterunser.

1856. (Zu Seite 71.)]

[Illustration: Abb. 126. +Märchen vom Marienkind.+ (Zu Seite 72.)]

[Illustration: Abb. 127. +O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, der ersten

Liebe gold’ne Zeit.+

Aus Schillers Glocke. 1857. Verlag von Alphons Dürr in Leipzig. (Zu

Seite 73.)]

In dem oberhalb Dresden reizend gelegenen Loschwitz brachte Richter

mit den Seinen seit 1852 jeden Sommer bis zum Jahre 1883 zu. Hier

starb, wie schon vorher erwähnt, 1854 seine geliebte Frau. Mitten in

heiterster Stimmung, umgeben von den Ihrigen und von Freundinnen,

sank sie plötzlich im Garten nieder und hauchte nach wenig Stunden in

der Nacht vom 3. zum 4. August ihre Seele aus. Seinem Freunde Thäter

schreibt der Meister (Nachträge zur Biographie von H. Richter): „Am

3. August waren wir nachmittags mit Oehmes und einigen jungen Leuten

fröhlich beisammen, Gaber und Heinrich waren zufällig auch da. Meine

Frau war besonders heiter und recht innerlich fröhlich; da sank sie

plötzlich mit gebrochenen Augen vor mir zusammen in das Gras, und das

Bewußtsein verlor sich. Sie sprach nichts, winkte, drückte mir die

Hand, und wir trugen sie bestürzt in das Stübchen der Wirtin. Der Arzt

kam schnell herbei. Er fand einen Schlaganfall. Sie kam nicht wieder

zum Bewußtsein, kurz nach Mitternacht hörte das treue Herz auf zu

schlagen. -- Binnen drei Stunden gesund und tot! Ich war wie betäubt,

doch ruhig. Er, der Herr, weiß, warum er es geschehen ließ; sein Wille

ist ja immer gut und heilig. -- Aber mir ist es noch, als wäre mir das

halbe Herz herausgerissen. -- Ach, wie lieb hatte ich sie, und sie

verdiente es -- doch still! --“ Sie ruht auf dem Loschwitzer Friedhof

unten an den blumigen Ufern der Elbe. Im Oktober 1854 schrieb er in

sein Tagebuch: „Wir sitzen immer noch auf unserem Berge (Loschwitz),

werden aber wohl in nächster Woche das Stadtquartier beziehen. So schön

es hier noch ist, so sehne ich mich doch nun, in Ordnung zu kommen.

Ich kehre nun ohne die liebe Mutter heim, das liegt mir immer in

Gedanken. Wo weilt sie jetzt? Diese Frage drängt sich mir oft herbei.

Aber da schweigt alles Wissen und wird schweigen, solange irdisches

Leben dauert, und doch ist’s auch da nicht ganz Nacht geblieben; die

Aussprüche unseres Herrn stehen da wie helle, liebliche Sterne; sie

sind fest und herrlich glänzend auf diesem nächtlichen Grunde, aber

sie sprechen mehr zum Herzen, als daß ich sie begreifen und fassen

könnte. Des Heilandes eigene Auferstehung steht wie ein Morgenrot am

Himmel, und ‚wo ich bin, da soll mein Diener auch sein‘, und ‚in meines

Vaters Hause sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, euch eine Stätte

zu bereiten‘, das sind Morgensterne. Aber mehr als dieses Ahnen gibt

mir die Lehre meiner Kirche auf Grund der Schrift, die Lehre von der

Kirche selbst, welche ist die Gemeinde der Erlösten im Himmel und auf

Erden, miteinander verbunden durch die Liebe, Gebet und gegenseitige

Fürbitte.“ -- „Und daß wir einen solchen Himmel voll Sterne der

Verheißung haben, Lichter einer höheren Welt, die so fröhlich

herunterleuchten, dafür sollten wir recht dankbar sein und in unserem

Falle unseren Glauben daran üben und stärken.“ -- Seine Tochter Helene

führte ihm nun das Haus mit freundlichem Wesen und großer Umsicht, bis

sie 1856 mit dem Kaufmann und Fabrikbesitzer Theodor Kretzschmar in

Dresden den Bund fürs Leben schloß und das väterliche Heim verließ.

Jetzt übernahm des Meisters jüngste Tochter, Elisabeth, die Führung

des Hausstandes; sie hat bis an des Vaters Lebensende, achtundzwanzig

Jahre, seiner gewartet und ihn gepflegt mit aller und seltener

Hingebung und Aufopferung, wie es ein weibliches Wesen nur vermag. Sie

hat ihm die Augen geschlossen, als der Herr den Wandermüden zu sich

rief, lebte dann lange in Bad Boll, das sie mit ihrem Vater bei dessen

Lebzeiten so gern aufsuchte, und lebt jetzt ganz zurückgezogen in der

Nähe von Dresden. -- Es wuchs eine Schar blühender Enkel (vier Mädchen

und zwei Knaben) in des Schwiegersohnes Kretzschmar Hause heran; hier

weilte der Meister so gern, und diesem glücklichen Familienleben hat

er so manches Motiv entnommen; wir erinnern nur an das eine Blatt aus

„Fürs Haus“: „Großvaters Leiden und Freuden in der Kinderstube.“ Ein

Enkelchen kämmt den geduldigen Großvater, ein anderes bringt ihm Puppen

und Bilderbücher, und das Bübele zeigt ihm seine neue Trompete. Die

Zeichnung, die vor dem erwähnten Holzschnitt entstand, auf der die

Enkel porträtähnlich sind, auch der Großvater des Meisters Züge trägt,

stiftete er für die Kinderstube des Kretzschmarschen Hauses. Die Enkel

sind längst verheiratet und die vierte Generation bereits erblüht, der

liebe Vater Kretzschmar hat das Zeitliche 1900, kurz nach vollendetem

83. Lebensjahre, gesegnet.

[Illustration: Abb. 128. +Zum Begräbnis.+ Ach, die Gattin ist’s, die

teure. Aus Schillers Glocke. 1857.

(Zu Seite 73.)]

[Illustration: Abb. 129. +Anna Susanne, geh du na Schol.+ Aus Klaus

Groth, Voer de Goern. 1858.

Ludwig Richter · 第 54 / 72 题