[Illustration: Abb. 105. +Der Schäfer putzte sich zum Tanz.+ Aus
„Beschauliches und Erbauliches“. 1851.
(Zu Seite 66.)]
Im Jahre 1862 unterhandelte der preußische Kultusminister von
Bethmann-Hollweg mit Richter wegen einer Berufung an die Kunstakademie
in Berlin; er schätzte und verehrte unseren Meister sehr, die
Unterhandlungen zerschlugen sich aber, da der Minister bald darauf sein
Amt niederlegte. Erst im Jahre 1874 wurde Richter zum Mitgliede der
Berliner Akademie ernannt, als er bereits Stift und Palette aus der
Hand gelegt hatte.
1863 starb des Meisters Mutter, die große stattliche Frau, die bis
an ihr Lebensende sich ziemlich frisch und rege erhalten hatte; am
12. Oktober desselben Jahres starb auch seine zweite Tochter, Aimée,
verehelichte Gaber, im Alter von neunundzwanzig Jahren. ~Dr.~ Heydrich
schrieb der Heimgegangenen folgenden Nachruf:
O Herz voll Liebe, schlicht und treu,
Dein Tagewerk ist früh vorbei!
In Demut und in Frömmigkeit
War’s frisch und rüstig allezeit.
Leb wohl, Du Herz so tief und mild,
Leb wohl, Du lieblich Frauenbild!
Aufs neue mußte er durchkämpfen: „Wie ist das Kreuz so bitter!“
Aber auch diese Heimsuchungen ertrug er gottergeben, wenn auch tief
erschüttert. -- Ins Jahr 1863 fällt eine Arbeit Richters, welche die
Freunde des „Daheim“ besonders interessieren wird: die gemütvolle
Kopfzeichnung des beliebten Familienblattes, welche den ganzen
traulichen Zauber des deutschen Hauses wiedergibt und von keinem
ähnlichen übertroffen wird (Abb. 151).
[Illustration: Abb. 106. +Ich habe mein Feinsliebchen so lange nicht
gesehn.+