Verlag von Georg Wigand in Leipzig. (Zu Seite 66.)]

[Illustration: Abb. 102. +Esel streck’ dich.+ Aus „Beschauliches und

Erbauliches“. 1851. Verlag von Georg Wigand in Leipzig. (Zu Seite 66.)]

Ein reizendes Blatt ist die „Heimkehr vom Felde“, 1858 gezeichnet (Abb.

146).

1858-1859 folgen vierundzwanzig Zeichnungen für Berthold Auerbachs

„Deutschen Familienkalender“, 1860 das Buch für kleine Kinder:

„Der gute Hirt“ mit neun Zeichnungen und 1862 „Es war einmal“ mit

einundvierzig Bildern.

Die Anspruchslosigkeit dieser Bücher im Vergleich mit den oft

auffrisierten modernen Kinderbüchern hat etwas Wohltuendes und gibt

zu denken. Es sei uns gestattet, hier -- gleichsam in Parenthese --

etwas abzuschweifen und vor dem Einfluß des „Fremden“ in unseren

Kinderbilderbüchern ein warnendes Wort auszusprechen. Um das Jahr

1880 brachen wie eine Sündflut englische Kinderbilderbücher von Kate

Greenaway u. a. über Deutschland herein. Richter sah die ersten dieser

Bücher sehr befremdet an. Die gemachte und gewaltsame englische

Naivetät und die Unnatur dieser Bücher wurden gar bald in Deutschland

Mode. Der Exportbuchhandel trug dazu mit bei. Nun verschwinden Moden

glücklicherweise bald wieder, aber wir kranken eigentlich immer noch

an deren Nachwirkungen. Das „Gemachte“, dem die englische Nation in

solchen Werken stark zuneigt, liegt uns doch zu fern und widerstrebt

dem deutschen Wesen. Möchte auch auf diesem Gebiete der von Grund aus

gesunde Sinn unseres deutschen Volkes solches Fremde, Unwahre und

Unechte fernerhin ablehnen und an seiner deutschen Eigenart festhalten!

Wenn wir uns doch das Schielen nach „Fremdem“ abgewöhnen wollten! Unser

Meister Richter hat uns hier die rechten Wege gewiesen und mit sicherem

Blick die Ziele gezeigt, welche zu erstreben sind. Man vergleiche

seine anspruchslosen, schlicht empfundenen Kinderbücher mit solchen

fremdländischen. Wir bringen aus dem Buche: „Es war einmal“ nur das

Schlußbild (Abb. 191): „Alles Ding hat seine Zeit, Gottes Lieb’ in

Ewigkeit.“

[Illustration: Abb. 103. +Was ihr getan habt dem geringsten meiner

Brüder+ -- Aus „Beschauliches und Erbauliches“. 1853. (Zu Seite 66.)]

Von „Folgen“ erschien 1861: „Der Sonntag“, über den wir schon anfangs

sprachen; wir bringen daraus den Holzschnitt „In der Kirche“ (Abb.

147). Der Meister führt uns in das sogenannte „Betstübchen“ einer

protestantischen Kirche; Bürgersleute mit ihren Kindern lauschen

mit Andacht der Predigt; durch das Fenster sieht man im Gotteshaus

den Prediger auf der Kanzel und darunter die Gemeinde. Welch eine

liebreizende Gestalt ist das junge Mädchen, das so sinnend vor sich

hinschaut und das Gehörte in seinem Herzen bewegt! Weiter folgt das

romantische Blatt: „Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht“

(Abb. 148). Das genesende Kind sitzt vor dem Haus im Sonnenschein unter

blühendem Holunder, die Mutter erhebt dankerfüllt die Hände zu Gott;

ihr, der Witwe, „Liebling und Einziges“ ist von schwerer Krankheit

gesundet und zum erstenmal wieder unter Gottes freiem Himmel. Ein

kleines Mädchen bringt ihm einen Strauß Blumen von der Waldwiese,

Kätzchen und Hündchen spielen zu seinen Füßen, Tauben sonnen sich auf

dem niederen Dach; auf dem Waldwege schreitet zum Besuch des Kindes

eine weibliche Gestalt, begleitet von einer Dienerin, über beiden

Figuren schwebt ein Engel. Gewiß ist die schöne Komposition A. Rethels

„Die Genesende“ nicht ohne Einfluß auf die Gestaltung dieses Bildes

gewesen. Es folgt der Holzschnitt (Abb. 149) und eine Zeichnung (Abb.

150) „Heimkehr“. Eltern und Kinder kehren vom Besuch auf dem Lande

durch wogende Kornfelder bei aufgehendem Vollmond nach der Stadt

zurück; von großer Anmut und Lieblichkeit sind die beiden singenden

Mädchen, die, Kränze im Haar, Blumengewinde und Lilien im Arm, den

Eltern voranschreiten. Nichts von unwahrer Künstelei oder Gemachtem

oder gar flacher „+Steckbriefprosa+“, wie sich unser Meister bei

Gelegenheit einmal ausdrückt!

[Illustration: Abb. 104. +Kinderlust.+ 1848. Aus „Beschauliches und

Erbauliches“. 1851.

Ludwig Richter · 第 42 / 72 题