Im gotischen Saal der Entschlüsse, auf dessen Kronleuchtern bei
noch halbem Tag alle Kerzen brannten, war feierlicher Empfang des
preußischen Gesandten. Herr Anton Cajetan im Prunkornat saß auf
dem berchtesgadnischen Thron, flankiert von den Würdenträgern. Für
Danckelmann und seinen Begleitoffizier hatte man Samtstühle und
einen goldgeschnörkelten Tisch mit Schreibgerät vor den Thronstufen
aufgestellt, die Kapitelherren und Domizellaren standen in doppelter
Reihe, und der Kanzler von Grusdorf, pompös peruckiert, verlas mit
Würde das Kreditiv:
»Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden König in Preußen, Marggraf
zu Brandenburg usw. usw. geben Ew. Lbd. hierdurch zu vernehmen,
wasmaßen wir gut befunden, Unsern Geheimen Hof-Rath von Danckelmann
dorthin abzuschicken, um unsere daselbst emigrirenden neuen
Unterthanen in staatsrechtlichen Schutz zu übernehmen und deren
bewegliche oder allda verbleibende Vermögen in Sicherheit zu erheben.
Wir ersuchen Ew. Lbd., Sie wollen Uns die Freundschaft erweisen,
besagtem Geheimen Hof-Rath von Danckelmann zu baldiger Ausrichtung
solcher Ihm aufgetragenen Commission alles dasjenige angedeyen
zu lassen, was desfalls dem Westphälischen Friedens-Schluß und
anderen Reichs-Constitutionen gemäß ist, gestalt wir uns solches
zuversichtlich promittiren, und wollen auch Wir gegen Ew. Lbd. zur
Bezeugung angenehmer Gefälligkeiten stets willig verbleiben.
Berlin, den 22. März 1733.
Friedrich Wilhelm.