Leupolt, wie es ihm der Zettel des Hasenknopf befohlen hatte, entblößte
die breite weiße Narbe an seinem braunen Hals. Da fühlte er, daß ein
Arm sich um seine Schulter legte. Neben ihm stand das Soldätl, hatte
einen glänzenden Blick und sagte ernst: »So invulnerabel is sein
Glaube? Daß ihn keen Eisen lädieren kann?«
Verwirrt vom Leuchten dieser stahlblauen Augen, antwortete Leupolt
verlegen: »Herr, ich versteh nit.« Sich dem Arm des Offiziers
entwindend, sah er zu Danckelmann auf: »Lang dürfen wir uns nit
verhalten. Es geht über mürben Schnee, und der Weg ist weit. Wir müssen
vor Nacht im Hüttl sein. Da können wir rasten. Wer geht außer Euch noch
mit?«
»Wir alle, sobald die Pferde versorgt sind.«
»Vier Leut?« Der Jäger schüttelte den Kopf. »Mir ist geboten: du führst
einen Herrn und seinen Diener. Es geht um heilige Sachen. Da muß man es
machen, wie's recht ist.«
Danckelmann wollte ärgerlich erwidern. Da wehrte der junge Offizier
französisch: »Das ist ein gewissenhafter Mensch. Was er haben will,
muß geschehen.« Mit Wohlgefallen betrachtete er den Jäger und sagte
deutsch: »Er führt uns beede. Det is der Herr, ick bin der Diener.«
Er ging auf den Soldaten zu. »Hänne! Meine Grammatik!« Der Mann riß
hurtig ein kleines Buch aus der Satteltasche, reichte es seinem Herrn
und salutierte so wunderlich eckig, daß Leupolt schmunzeln mußte. Der
Offizier schob das Buch in die Rocktasche. »Weiter, Hänne! Versorg man
die Gäule gut! Gieß er nich zu viel hinter de Binde und molestier er
die Menscher nich. Man kann es missen. Uff morjen!«
Als der Soldat und der Bediente hinter dem Mädel, das sie zur Herberg
führen sollte, davonritten, rief Leupolt: »He! Wo ist denn das Zeug für
die Herren?«
»Unsere Mäntel haben wir!« sagte Danckelmann. »Was noch? Ist Zehrung
nötig?«
»Das nit. Mit Zehrung hat die Schneckin das Hüttl gut versorgt.«
»Wer?« staunte der junge Offizier.
»Die Schneckin.« Leupolt war auf den Bedienten zugegangen. »Wo sind die
Hemmeder? Jeder von den Herren muß ein Hemmed haben.«