Ernst fragte der Meister: »*Wer*, Ludwig?«

»Das Justizkamel!« Der Pfarrer lächelte. »Er bohrt und bohrt und

bringt es halt nit heraus. Und den Christl -- den einzigen, der ihm

sagen hätt können, wie das Wunder geschehen ist -- den hat er gestern

hinauswerfen lassen aus der Kanzlei. Da ist der Christl geraden Wegs

zum Exulantentischl gelaufen.«

Der Meister knirschte erbittert vor sich hin: »Es wühlt in jedem.« Was

war an diesem kleinen Wort? Die Sus bekam erweiterte Augen, und Luisa

erschrak, daß ihre Züge sich veränderten. »Vater?« Die angstvolle

Frage blieb ohne Antwort. Zwei Grenzmusketiere, die auf der Straße

marschierten, hatten das Wägelchen kommen sehen und verstellten ihm den

Weg. Der eine, ein altgedienter Soldat, faßte den Gaul am Zaum. »Wohin,

ihr Leut?«

»Zum Hallturm hinaus.«

»Da lasset uns aufsitzen, wir haben einen pressanten Dienstweg. Sonst

müßt ich das Wägl in Beschlag nehmen.«

»Es geht schon!« sagte die Mälzmeisterin flink. »Komm, Sus, gib das

Bockbrettl her! Du hast noch Platz zwischen dem Meister und mir.«

Während die Musketiere aufkletterten, flüsterte der jüngere dem älteren

zu: »Tu sie ausfragen!« Dieser Musketier schien die Aufmerksamkeit des

Pfarrers zu erwecken. Er gab seinem Freunde einen Stupps und zwinkerte

gegen den Soldaten hin. Der war auch dem Meister schon aufgefallen,

wegen des schwarzen Bartgestrüpps, das ein bißchen an den Fasching

erinnerte. Seine Bewegungen waren nicht sehr militärisch. Der ältere

Musketier fragte so unermüdlich, daß schließlich nur Mutter Agnes noch

Antwort gab. Der Junge mit dem sonderbaren Bart sprach keine Silbe

mehr. Als das Wägelchen in der Nähe des Hallturmes vor der Herberg

hielt, glitt er flink vom Wagen herunter, salutierte faschingsmäßig und

ging rasch davon. »Ein wüster Kerl, ein grauslicher!« murrte die Sus,

während sie dem Rößl das Zaumzeug über die Ohren zog.

Der Pfarrer nahm den Meister beiseite. »Ich laß mir einen Finger

abschneiden, wenn das nit ein Polizeispion gewesen ist. Was er beim

Hallturm sucht, das kann ich mir denken.« Seine Stimme wurde noch

leiser. »Heut in der Nacht ist Neumond.« Er sah zum weißen Schneegrat

des Toten Mannes hinauf. »Verstehst du, Nick?«

Der Meister atmete in schwüler Unruh. Und drüben beim Wägelchen nahm

Mutter Agnes Luisas Gesicht, das in Glut und Blässe wechselte, zwischen

zärtliche Hände. »Nit aufregen, Kind! Es wird schon alles gut gehen.

Fest beispringen mußt du mir halt!« Luisa nickte, und ihre suchenden

Augen füllten sich mit Tränen. »Nit, Kindl! Du gehst einem Lachen

entgegen, keinem Leid. Wär ich ein Bub, so tät ich sieben glückselige

Sprüng machen um dich.« Frau Agnes schmiegte die Wange an Luisas Haar.

»Alles in dir ist Sehnsucht worden. Sonst hab ich allweil gehofft auf

meinen Herrgott, heut hoff ich auf dich. Mein Bub hat doch Augen. Nit?«

Das große Jagen · 第 68 / 98 题