Sie schüttelte den Kopf. »Das weiß er nit.«

»Kann's ein Mannsbild geben, das nit Augen hat für die Seel in seinem

Weib?«

Ein bißchen lächelte sie. »So ist der Schneck. Tät die Himmelsglock

herunterfallen auf die Welt, da müßt ich dem Meinigen sagen: Du,

Schneck, paß auf! Sonst merkt er es nit.« Sie sah, daß Leupolt die

Zähne übereinanderbiß. Erschrocken fragte sie: »Hast du Schmerzen?«

»Nit arg.«

»Ich will dich pflegen. Drunten in der Herdstub hätt ich's leichter.

Meinst du, daß du hinunterkommst?«

Mit ihrer Hilfe hob er sich aus dem Heu. Die Füße trugen ihn nicht.

»Mußt mich halt noch ein Stündl liegen lassen. Dein guter Trunk wird

helfen, daß ich zu Kräften komm.« Er hielt mit seinen glühenden Fingern

die Hand der Schneckin umspannt. »Weiß meine Mutter, wo man mich

hingeführt hat?«

»Bub, da bin ich überfragt.«

»Magst du ihr Botschaft geben?«

Das hatte der Wildmeister über Auftrag der Regierung streng verboten.

»Ja, Bub,« sagte die Schneckin, »das wird sich schon machen lassen. Ich

hab am Ellbogen ein Überbein und red dem Meinigen ein, daß es blutet.

Verstehst, ein Überbein blutet doch nie. Und da lauft der Meinige

gleich zum Jud um ein Pflaster. So ein Jud ist allweil schlau. Und

lügen kann er halt nit, der Schneck, verstehst? Da redet er allweil so

dumm daher, daß man alles merkt. Und der Jud wird's dem Pfarrer sagen,

und der Pfarrer tragt's deiner Mutter zu. Ja, Bub, die Wahrheit geht

allweil den kürzesten Weg.«

»So ist alles gut.«

Schweigend lag er und atmete ruhig, bis der Fieberschlaf ihn wieder

befiel.

Unter dem verschneiten Dache war es warm geworden. Zwischen den

Schindeln begannen die Schneeklumpen zu schmelzen, und die Tropfen

fielen so reichlich von den Balken, wie sie im tauenden Frühling von

den Bäumen fallen.

Das große Jagen · 第 58 / 98 题