»Eine Verkündigung soll das nit werden.«
»Eine christliche Blutzeugin?«
»Auch nit.«
»Eine Heilige?«
»Kann sein.« Ein Lächeln huschte um seinen Mund. »Es gibt doch eine
heilige Kümmernis? Da kann's auch eine heilige Sehnsucht geben.
Vielleicht auch eine heilige Menschheit. Was ich da machen hab müssen,
das ist mir ein Bild des irdischen Lebens, das allweil leidet, allweil
glaubt und in Sehnsucht allweil auf Erlösung hofft. Lang muß man
harren. Einmal kommt sie.«
Luisa sah den Vater an, als hätte sie den Sinn seiner Worte nicht ganz
verstanden. Wieder betrachtete sie das rote Wachs, diese von Qual und
Erwartung durchglühte Frauengestalt. Wie eine Träumende flüsterte sie:
»Ja, Vater, das ist wahr! Die Erlösung ist vom Kreuz zu den Menschen
heruntergestiegen. Und allweil wieder kommt sie. Sonst tät man nimmer
glauben können.« Ein leises Aufatmen. »Ich glaub, daß der gnädigste
Fürst gerecht ist und einen Schuldlosen begnaden muß.« Sie schlang die
Hände ineinander und stand unbeweglich.
Bei der Stille, die in der sonnigen Werkstatt war, hörte man von ferne
her ein rasselndes Geräusch -- den Hall der Polizeitrommel.