Im Wehen des Föhns, bei blitzendem Tropfenfall und in Sonne,
schmetterten vier Hifthörner die Sautodweise durch den Untersteiner
Wald. Auf rotfleckigem Schnee, zwischen der grünmaskierten
Fürstenkanzel und dem mannshohen Stellnetz, lagen die drei zur Strecke
gebrachten hauenden Schweine, festlich aufgeheitert, mit Fichtengrün
bekränzt, mit kirschroten Seidenmaschen an den Lusern und an den
zottigen Schwänzen. Die graulivrierte Stiftsjägerei war in Reihe
gestellt, und rings um die erlegten Keiler gaben die weiß und braun
getigerten Saurüden in ihren dick unterfütterten Barchentpanzern
Standlaut. Nach einer vierstimmigen Fermate schwiegen die Hörner, um
gleich darauf die sanfte Dianenweise zu beginnen, die zu Ehren der
edlen Aurore de Neuenstein geblasen wurde. Mit Grazie kam der Hofzug
durch den Schnee geschritten, voraus der Fürstpropst Anton Cajetan
mit der Allergnädigsten _en titre_. Nach französischer Vorschrift für
ein Eingestelltes Treiben auf Wildschweine trug er ein hechtgraues,
reich mit Silber besticktes Jägerkleid, an dem zwei kleine Bäffchen
den Priester unvordringlich andeuteten, und darüber einen offenen,
kostbaren Pelz, der durch den degenförmigen Hirschfänger vom Körper
abgespreitet wurde. Unter dem silberbetreßten Dreispitz quoll ein
geschnörkelter Lockenbau hervor. Zwischen den Haarschnecken spitzte
sich ein weißes, tadellos rasiertes, schon greisenhaftes Schmalgesicht
heraus, launig lächelnd, ein bißchen spöttisch und nicht ohne Energie.
Ehe Herr Anton Cajetan im vergangenen Jahr von den sieben Stiftsherren
zum Fürstpropst gewählt wurde, war er durch zwei Jahrzehnte als
Dekan des Stiftes ein geschäftiger Vorkämpfer der Kapitularen um
ihre Selbständigkeit gewesen, um ihre Loslösung von der mönchischen
Regel, um ihre Verwandlung in freie Chorherren mit allen weltlichen
Vorrechten edler Geburt. Da hatte er scharfe Worte, nicht nur gegen
die begründeten Ansprüche des wohlmeinenden Churfürsten von Bayern,
auch gegen den Papst geredet und geschrieben. Im Streite gegen die
>evangelischen Rebellen< hatte er eine aus Vorsicht und Konsequenz
gebildete Faust erwiesen. Während aus dem Salzburgischen die
>gottsfeindlichen Landsverräter< zu vielen Tausendscharen ausgewiesen
wurden, statuierte Herr Anton Cajetan als Dekan und Propst nur ein
paar abschreckende Exempel und hatte, wie er noch immer glaubte, seine
Stiftslande frei erhalten von einem staatsgefährlichen Anwachsen
des Schwarmgeistes. Seit Beginn des evangelischen Aufruhrs im
Salzburgischen hatte der Fürst, um alle aufreizenden Nachrichten von
außen abzusperren, jede Straße durch einen Grenzriegel von Musketieren
verschlossen. Daß dadurch der Wohlstand im Lande sank, aller Handel
unterbunden war und die Steuerkraft der Bauern, Handwerker und
Kaufleute vermindert wurde, das zählte nicht. Wenn nur die Landsruh
und der reine Glaube erhalten blieb! Bis wieder bessere Zeiten kamen,
konnte man borgen. Aber wo? Die Schulddokumente des Stiftes füllten
schon viele Schränke, erschreckend wuchsen von Jahr zu Jahr die Kosten
der höfischen, aus Standesrücksichten unerläßlichen Pariserei, und
immer bedrohlicher begannen die hilfreichen Brunnen zu versiegen, um
so mehr, je übler es der Berchtesgadnische Hof mit dem Churfürsten von
Bayern verschüttet hatte, der früher dem Berchtesgadnischen Land ein
hilfsbereiter Schutzfreund gewesen war. Die Frage, wo neue goldene
Hilfsquellen zu erschließen wären, verursachte Herrn Anton Cajetan
schlummerlose Nächte. Das Bauerngerede, daß der Allergnädigste nicht
schlafen könne, weil ihm der allzuviele Wein den Magen versäuere, war
eine Verleumdung. Im Gegenteil: Herr Anton Cajetan bedurfte reichlich
der spiritualen Beruhigung, weil ihm die gähnende Kassensorge den
Schlummer verwehrte.
Diesen Regierungsgram hatte er nicht zur Wildschweinhetze mitgenommen.
Er blickte heiter in die Sonne, und das leise Spottzucken seiner
Mundwinkel war feingalantes Vergnügen an der Tatsache, daß seine
hübsche Freundin _en titre_ sich gläubig einen weidmännischen Erfolg
hatte aufschwatzen lassen, den sie nur dem korrigierenden Beistand
der Domizellaren verdankte. Die zerschmetterte Wirbelsäule des einen
Keilers war einwandfrei ein Werk ihrer kleinen Dianenhände. Die
Blattschüsse der beiden anderen Keiler waren höfische Nachhilfe, die
von allen Schützen mit den heiligsten Eiden verleugnet wurde. Aurore de
Neuenstein war so geartet, daß sie an Männerschwüren niemals zweifelte.
Bei der grünen Fürstenkanzel hatte sich nach den fünf Flintenschüssen
ein galantes weidmännisches Gerichtsverfahren abgespielt, das den
Glauben der Allergnädigsten an die Unfehlbarkeit ihrer Geschosse
befestigt und Herrn Anton Cajetan sarkastisch erheitert hatte. Da er
seiner standesgemäßen Freundin gegenüber in anderer Weise nicht ganz
auf seine hohen Kosten kommen konnte, hielt er sich zuweilen dadurch
schadlos, daß er sich innerlich um so mehr über sie lustig machte, je
liebenswürdiger er sie äußerlich behandelte.
Unter den Klängen der Dianenweise führte er sie an hoch erhobener Hand
zur Strecke. Der Wind zauste ihre hechtgraue Pelzglocke und blies
den Puder aus ihren Locken. Glücklich und stolz, den geschminkten
Kreuzermund mit dem Schönheitspflästerchen vorgeschoben, stelzte
sie durch den zerwühlten, mit roten Flecken übersprenkelten Schnee,
in der Rechten das buntgebänderte Jagdspießchen führend, das einer
für Kinderhände berechneten Schäferschippe ähnlicher sah als einer
Saufeder. Dem hohen Paare folgte der Kapitular Graf Saur mit dem
Kanzler von Grusdorf, der die Regierungssorgen *nicht* zu Hause
gelassen hatte und zwischen den Lockenschnörkeln gallig in die Sonne
blinzelte. Seinen verwandtschaftlichen Beziehungen zur Allergnädigsten
verdankte er die bevorzugte Stellung am Hofe; doch weil er an Podagra
litt, verurteilte er weniger aus moralischen, als aus sanitären Gründen
diese häufigen Elefantenfahrten, die ihm kalte Füße verursachten. Den
Zug beschlossen die Domizellaren in hechtgrauer Junkertracht: die
drei Barone von Hausen, Stutzing und Kulmer, und der bildhübsche,
zwanzigjährige Graf Tige, der seit dem Weihnachtsspiel, in dem er als
Partner der Allergnädigsten den heilbringenden Engel dargestellt hatte,
ihr bevorzugter Günstling war.
Die Hörner schwiegen, der Wildmeister sagte in einer Sprache, die er
nicht verstand, seinen gereimten Spruch auf -- französische, *sehr*
galante Verse, die Graf Tige verfaßt und dem Wildmeister eingelernt
hatte wie einem Papagei. Dann nahm Herr Anton Cajetan die drei
grünen Brüche, die ihm der Wildmeister auf dem Dreispitz hinbot, und
befestigte sie am Busen der holdselig lächelnden Diana. Das vollzog
sich auf eine Weise, daß es auch bei einer _Chasse royale_ im Parke
zu Fontainebleau nicht graziöser hätte geschehen können. Unter dem
schmachtenden Rondo der Dianenweise schloß sich an dieses stilgemäße
Jagddrama noch ein improvisiertes Satyrspiel. Einer der erlegten Keiler
hatte im Verenden unter Todesqual noch eine letzte irdische Verrichtung
vollzogen. Was dabei aus dem Leib des Tieres umfangreich in die Sonne
getreten war, faßte Graf Tige lachend auf eine Fichtenborke, beugte
elegant das Knie, hob die nach dem Weidmannsgeschmacke der Zeit mehr
bewundernswerte als anrüchige Sache bis vor das zarte Näschen der etwas
erschrockenen Diana und zitierte aus dem »_Livre de la chasse du Grand
Seneschal_« die berühmten Verse:
»_En la saluant humblement
Mes fumées lui presentay.
Elle me respond doulcement:
Et à vous! dont me contentay._«[B]
[B]
Ich bot ihr ehrfurchtsvolle Grüße
Mit meinen Weidmannsdüften hin --
»Dank Euch,« so sprach zu mir die Süße,
»Von dem ich sehr befriedigt bin!«
Der Doppelsinn dieser Reime im Zusammenhang mit den galanten
Beziehungen, die zwischen Graf Tige und der Allergnädigsten _en
titre_ bestanden, weckte heiteres Gelächter. Auch Herr Anton Cajetan
schmunzelte. Ein bißchen boshaft. Und Aurore de Neuenstein, halb
verlegen, halb geärgert, schmollte mit ihrem Zwitscherstimmchen:
»_Ingrat! Vous parlez trop par métaphores!_«
Scherzend senkte sie die Klinge des von Bändern flatternden
Jagdspießchens gegen die Herzstelle des knieenden Junkers und mimte den
Todesstoß einer zürnenden Göttin. Lächelnd erhob Herr Anton Cajetan die
wehrende Hand: »_Ma chérie! Vous changez les rôles contrairement à la
nature des vos enfantillages._«
Neues Gelächter. Unter den Klängen des Herrengrußes kamen die
Schlitten vorgefahren. Die Heimreise begann in munterer Laune und
mit schicklicher Platzverteilung: der Fürstpropst nahm den Grafen
Saur zu sich in den Schlitten, und Aurore de Neuenstein schmiegte
sich wieder an ihren frierenden Elefanten. Weil Herr von Grusdorf das
Französische nur mangelhaft beherrschte, mußte die Allergnädigste bei
dieser Klingelfahrt sich ihrer heimatlichen Sprache bedienen. Geboren
in der Gegend von Dillingen, schwäbelte sie ein bißchen. Das klang sehr
niedlich. Doch plötzlich verstummte ihr Gezwitscher, und verwundert
sah sie die alte Bäuerin an, die aus kleinem Gehöft einen plumpen, mit
rauchendem Kuhmist beladenen Hörnerschlitten herauszog. Kindlich fragte
Aurore: »Warum schaut denn dees Weible so bös?«
Herr von Grusdorf erwachte aus seinen Regierungssorgen. »So schauen
sie hier alle. Die Untersteiner sind von unseren Subjekten die
Obstinatesten. Ich besorge, daß sich da wieder ein evangelischer
Provokativus remarkabel macht. Wir haben Suspizien auf einen _vulgo_
Hasenknopf.« Das edle Fräulein lachte über den sonderbaren Namen und
zirpte: »Laß ihne doch alle die Köpf runterschlage! Da habe mer Rueh,
und der Glaube bleibt rein erhalte.«
Bei den letzten Häusern von Unterstein stockte die Schlittenzeile.
Herr Anton Cajetan sprach mit einem Musketier, der aufgeregt dem
Fürsten entgegengelaufen war. Auch der Landesherr schien in Erregung zu
geraten. »Grusdorf! Da bringt man uns eine höchst mirakulöse Nachricht.
Die Bäuerin im Haynacherlehen soll ein Mißgeschöpf geboren haben, das
zur Hälfte weiß ist und zur Hälfte schwarz.« Aurore de Neuenstein in
ihrer holden Unschuld erfaßte sofort den Humor der sonderbaren Sache
und erklärte eine solche Farbenmischung für _complètement incroyable_,
da doch kein Neger im Lande wäre.
Flink begannen die vier Klingelkisten zu jagen. Man unterhielt sich
lustig und rief graziöse Späße von Schlitten zu Schlitten, ohne zu
ahnen, daß man Scherz trieb mit dem Schicksal eines Menschen, dessen
junges Hausglück sich verwandelt hatte in etwas Grauenhaftes.
Ehe die Hofschlitten das Haynacherlehen erreichten, hatten in Christls
Gehöft schon viele Menschen sich angesammelt. Die Bauern, Weiber und
Kinder der Nachbarlehen standen in Gruppen beisammen, und vom Sudhaus
waren die Pfannenknechte herübergesprungen. Was in dem kleinen Haus
geschehen war -- an sich eine natürliche Sache, nur mißraten unter
einem seltenen Irrtum der Natur -- verwandelte sich für die schwer
erschrockenen Leute zu einem ungeheuerlichen Ding, das die Gehirne
verwirrte und die Gemüter verstörte. Weil die Haustür verriegelt war,
drängten die Leute sich klumpenweis um die drei kleinen Fenster. In
der Stube sahen sie die Wiege mit dem weinenden Bübchen, sahen auf dem
Tisch was liegen, bedeckt mit einem rotfleckigen Leilach, und sahen
die blasse Hasenknopfin hin und her laufen, immer mit einer irdenen
Wasserschüssel zwischen den Händen. Am Kammerfenster war nichts zu
erspähen. Man hatte innen das rote Vorhängelchen zugezogen. Nur vier
Stimmen waren zu hören: das Gestammel der Hasenknopfin, die ängstliche
Stimme Lewitters, die Klagelaute des jungen Bauern und eine ruhige
Frauenstimme, die mit gläubiger Inbrunst zu beten schien. Leute, die
am Fenster lauschten, verstanden einzelne Worte der Haynacherin. Einer
fragte: »Was betet denn die?« Andere erkannten die Worte, die sie
heimlich schon oft gelesen hatten -- im verbotenen Paradiesgärtl --
und diese anderen schwiegen, Ergriffenheit in den harten Gesichtern.
Sie wußten: daß die unsichtbare Haynacherin in ihrer Todesstunde eine
Sichtbare wurde.
Ein klobiges Mannsbild, einer von den fürstpröpstlichen
Pfannenknechten, schrie: »Der Tod bringt's an den Tag. Die Haynacherin
ist irr im Glauben. Der Christl hat's geduldet in seiner verruckten
Lieb. Jetzt hat ihn der Herrgott gestraft.« Und ein aufgeregtes Mädel
kreischte: »Die Hälft am Kindl hat christliche Unschuldsfarb! Der
Haynacherin ihren Halbteil hat die Höll verschwärzt.« Ein alter Bauer
mit grauem Bart -- der Fürsager aus dem Stall der Unsichtbaren von
Unterstein -- sah die beiden Schreier mit zornfunkelnden Augen an:
»Ihr zwei? Ihr tut euch Christen schimpfen? Ja? Und hundertmal sagen
im Tag: von nun an bis in Ewigkeit? Ja?« Der Pfannenknecht brüllte:
»Bist du auch einer, du?« Er sprang auf den Alten zu und packte ihn an
der Schulter. Gleich drängten sich Fünfe, Sechse zwischen die beiden
und deckten den alten Mann. Auch der Knecht fand Kameraden, und es
wäre zu einem üblen Handel gekommen, wenn nicht am Stubenfenster ein
Kinderstimmchen gerufen hätte: »Jetzt kommt der Jud!« Die Leute guckten.
Simeon Lewitter, mit der Ledertasche in der Linken, eingehüllt in
seinen dicken Fuchspelz, trat aus der Haustür, die hinter ihm von
der Hasenknopfin wieder verriegelt wurde. In seinem erschöpften,
kreidebleichen Gesichte mischte sich scheue Ängstlichkeit mit Zorn
und Trauer. »Seid doch verständig, Leut, und geht zu euren Dächern.
In des braven Christls Haus ist das Unglück eingekehrt. Vergönnt ihm
aus Erbarmen den Frieden, den er nötig hat!« Zwanzig, dreißig Stimmen
redeten durcheinander und verstummten plötzlich. Ein Peitschenknall,
ein heitertönendes Schellengeklingel. In der rotwerdenden
Nachmittagssonne kamen die vier Hofschlitten angefahren. Der Vorreiter
sprengte durch das Zauntor: »Platz für den allergnädigsten Herrn!« Das
Gehöft war leer. Die Leute rannten hinter den Schuppen, kletterten über
den Zaun, wateten durch den schlammigen Ackerschnee und verschwanden
hinter den Hecken.
Simeon Lewitter blieb. Nicht gerne. Er nahm das Käppchen von seinem
weißen Haar und täppelte zögernd dem ersten Schlitten entgegen.
Sorge wühlte in ihm. Was er in dem kleinen Haus getan, das hatte er
tun müssen aus Barmherzigkeit für den verstörten, von Grauen und
Verzweiflung zerbrochenen Christl. Aber er fühlte: was er tun hatte
müssen, konnte sich für ihn selbst in eine Gefahr verwandeln. »Wär ich
nur schon daheim in meiner Kinderstub!« Da hielt der Schlitten des
Fürsten. Der zweite Schlitten fuhr dicht an den ersten heran, weil
Aurore de Neuenstein hören *wollte* und der Kanzler von Amtswegen
hören *mußte*. Aus den zwei andern Schlitten sprangen die Domizellaren
heraus und wateten lachend durch den Schnee. Lewitter verbeugte sich
tief.
»Simeon? Du?« Der Fürstbischof schmunzelte ein bißchen. »Ist das wahr?
Daß die Haynacherin ein Kind geboren hat, halb weiß, halb schwarz?«
Der kleine Mann schüttelte kummervoll den Kopf. »Es ist noch ärger,
gnädigster Herr! Nur mit den Farben stimmt es. Das eine Kind ist weiß
wie ein Rösl. Das andere ist schwarz -- vom Brand.«
Das letzte Wort überhörend, fragte der Fürst verwundert. »*Zwei*
Kinder?«
Lewitter nickte. Dann sagte er's in kurzen Worten: daß es mit der
Haynacherin drei Wochen über die Zeit gewesen wäre. Seit vier Nächten
hatte sie unter furchtbaren Wehen gelitten. Und vor einer Stunde gebar
sie zwei Mädelchen, ganz natürlich entwickelt, mit allen Gliedmaßen,
doch von der Schulter bis zur Hüfte aneinander gewachsen -- das eine
tot, schon erloschen unter dem Herzen der Mutter, während das andere
nach der Geburt noch Spuren von Leben gezeigt, noch offene Augen und
ein schlagendes Herz besessen hatte -- Leben, unlösbar mit dem Tod
verwachsen.
»_Quelle chose effroyable!_« lispelte Aurore de Neuenstein erblassend
und vergaß ihrer pariserischen Bildung. »Dees ischt ja doch nit zum
glaube!« Und der Fürstpropst fragte erschrocken: »Gibt es das?«
»Ein seltenes Ding!« sagte Lewitter mit schwankender Stimme. »Ich weiß
nur noch von einem einzigen Fall. Er hat sich zu Regensburg ereignet,
vor vierhundert Jahren. Ganz der gleiche Vorgang war es. Auch damals
mußten Kinder und Mutter sterben.«