»Bei mir kannst du schreien wie ein Jochgeier. Jeder Backofen ist
feinhöriger als meine Schwester.«
»Weißt du, wer uns den Muckenfüßl ins Haus geladen hat?«
»Das merkst du erst heut?« Der Pfarrer lachte. »Die übermäßig Frommen
sind im Leben wie ein Pulverfäßl. Nie weiß man, wann die Bescherung in
die Luft geht.«
Kummervoll nickte der Meister. »Mein töriges Mädel hat heut den Namen
des Leupolt ausgeschwatzt.«
Der Pfarrer fuhr vom Sessel auf. »Das ist hart.« Dann fragte er, als
wäre das eine Hoffnung: »Meinst du, sie war im Beichtstuhl?«
»Das weiß ich nit.«
Pfarrer Ludwig riß eine Tür auf und brüllte: »Franziskaaa!« Er kam
zurück. »Meine Schwester wird's wissen. Jeden Morgen geht sie beichten.
Um mich unverdächtiger vor Gott und den Chorkaplänen zu machen. Bei
Gott gelingt es ihr, bei den Kaplänen nit.«
Eine sechzigjährige Frau, halb Bäuerin, halb bürgerlich, kam in
die Stube. Ein bißchen mißtrauisch grüßte sie den Meister und sah
erwartungsvoll ihren hochwürdigen Bruder an. Durch die Muschel der
Hände fragte der Pfarrer, ob das Luisichen heut wieder gebeichtet
hätte? Franziska schüttelte den Kopf. »Heut nit. Heut nach der Frühmeß
ist sie zum Chorkaplan Jesunder in die Wohnung gegangen. Des Jesunders
alte Mutter hat am Fenster genäht. Gählings ist sie vom Fenster weg.
Und wie das Kind aus dem Haus war, hat des Jesunders Mutter flink einen
Weg gemacht. Zum Pfleger.« Eine tiefe Glocke schallte durch das Haus,
so laut, daß es auch die Schwester Franziska hörte. Erst guckte sie
flink in der Stube herum, ob da nicht irgend was Verdächtiges läge,
dann ging sie, um die Flurtür zu öffnen.
»Wenn's beim lieben Herrgott einmal auslaßt mit der Allwissenheit,«
sagte der Pfarrer, »da braucht er nur meine Schwester fragen.«
In Unruh stammelte der Meister: »Man muß dem Buben ein Wörtl schicken,
daß er sich fürsieht.«
»Das wird nit helfen. Der Leupolt ist von den Graden einer, die vor
Wasser und Feuer nit ausweichen. Sonst könnt man ihm beibringen:
er soll sich ausreden auf sein Wohlgefallen an deinem Mädel, soll
sagen, er hätt die Warnung ausgesonnen, um einen Weg zum Luisichen zu
finden. Aber der Bub wird das Eisenköpfl schütteln und die Wahrheit
sagen. Verschweigt er was, so tut er es nur, um dich nit auch noch
einzutunken. So oder so, man muß versuchen, ihm beizuspringen.«