»So? Meinst du?« Der Pfarrer schmunzelte. »Dann hat sie ein Näsl, das
so fein ist wie nett.«
Ein bißchen unwillig sagte der Meister: »Warum tust du sie auch allweil
reizen?«
»Weil's hilfreich ist. Wie soll ein stilles Wässerlein sich bewegen,
wenn man keinen Stein hineinwirft? Aber komm, da steht ein schöner
Gedanke auf dem Schachbrett. Wir wollen uns freuen dran! Was Leben und
Welt heißt, soll uns weit sein bis um Mitternacht.« Der Pfarrer faßte
den Becher. »Her da! Wärmet den Herzfleck! Laßt uns anstoßen als treue
Bundesbrüder des duldsamen Glaubens! Auf alles Gesunde in den Menschen!
Aller dürstenden Hoffnung zum Trost! Auf den Glauben an die gute Zeit!
Auf das totgeschlagene und noch allweil nit wiedergeborene Deutschland!
Auf das kommende Reich, das neu und schön sein wird!«
Die drei Becher klirrten über den Schachfiguren gegen einander und
Niklaus sagte: »Wann wird das kommen, daß unser Volk und Reich den
ersten Schrei seines neuen Lebens tut?«
Simeon verlor das steinerne Lächeln. »Am Erlösungsmorgen nach einer
harten, tiefen und gewaltigen Not.«
Der Meister nickte. »Dann haben wir Hoffnung, daß wir es noch erleben.
Härter und tiefer ist nie eine Not gewesen als die von heut!«
»Hart und tief!« Die Warze im Gesicht des Pfarrers bewegte sich
munter. »Bloß das Gewaltige fehlt. Wohin man schaut, alles läppisch
und erbärmlich. Das neue Reich erleben wir nimmer. Komm, laß uns Freud
haben am schönen Spiel der Stunde! Du, Nicki, mit den Weißen hast den
ersten Zug!«