Nehmen Sie meinen schwesterlichen Gruß und vergessen Sie nicht

Ihre arme Schwester

Teresina M...«

Cava dei Tirreni 22. Juni 1878.

Auf diesen Brief antwortete ich:

»Innig geliebte Schwester!

Als ich Ihren guten alten Vater sah, habe ich vor Rührung geweint,

wir haben uns umarmt, haben lange von Ihnen gesprochen, und er hat

mir Ihren Kummer bei meinem Fortgehen von da geschildert.

Beten Sie zu Gott um meinetwillen, beten Sie zu ihm mit aller

Kraft, denn es thut mir not.

Tausend Dank, liebste Schwester, ewigen Dank für Ihre

Freundlichkeit.

Ihr Vater hat mir acht Lire gegeben und gesagt, daß Sie sie mir

schicken, ich habe sie angenommen aus Liebe zu Ihnen mit dem

Wunsche, sie eines Tages zurückgeben zu können. Das Gericht hat

mich verurteilt, aber ich schwöre Ihnen, liebe Schwester, ich bin

unschuldig an dem Verbrechen, dessen ich angeklagt worden bin, und

Sie glauben es, nicht wahr? Ja, Sie sind die einzige, die mich für

unschuldig hält.

Binnen kurzem werde ich von hier abreisen, um die höchst ungerechte

Strafe zu verbüßen, die mir jene Richter auferlegt haben; wohin ich

komme weiß ich nicht, und von da aus werde ich wohl nicht schreiben

können, da ich nur an Verwandte, die meinen Namen tragen, schreiben

darf, aber ich werde es doch versuchen. Ihnen gehört mein

gekränktes und verbittertes Herz, Ihnen meine ewige Ergebenheit,

grüßen Sie die Ihrigen und denken Sie oft an den unglücklichen

Gefangenen im Militärlazarett zu Cava dei Tirreni.

Ihr ergebenster Bruder

Antonino M...«

Der Roman eines geborenen Verbrechers Selbstbiographie des Strafgefangenen Antonino M... · 第 17 / 24 题