Nach verbüßter Strafzeit kehrte er nach Parghelia zurück, blieb hier
einen Monat und wurde dann Soldat. Auch als solcher setzte er sein
schlimmes Leben fort. Er duldete keine Vorwürfe, keine Tadel, verachtete
die Vorgesetzten, verlor ihre Achtung und zettelte Intriguen gegen sie
an. Seine gewaltthätige, blutdürstige, bösartige Natur wurde durch ein
übertriebenes Selbstgefühl angestachelt: überall witterte er
Nachstellung, Mangel an Respekt, Verrat; überall sah er Kränkungen und
Aufreizungen.
Zeitweilig war er ruhig und friedlich; während solcher immer kurzen
Periode war er freundlich gegen die Kameraden, die Vorgesetzten und
seine fern weilende Familie. Aber plötzlich war das vorbei, die Luft
nahm in seinen Augen eine andere Farbe an, und Zorn- und Wutausbrüche,
Flüche, Blut- und Rachedurst waren die Folgen, ohne einen anderen Grund,
als daß ein Wort oder eine Handlung mißgedeutet wurde, die für jeden
anderen ohne Belang gewesen wären.
Eines Tages gebot ein Vorgesetzter ihm Ruhe -- er ohrfeigte ihn und
versuchte ihn zu töten. Er wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt;
nachdem diese verbüßt waren, kam er wieder zum Regiment. Er änderte sich
nicht. Die Perversität seiner Empfindungen machte ihn zum Päderasten,
er knüpfte mit einem Kameraden ein Verhältnis an. Er schrieb einen
anonymen Brief gegen seinen Sergeanten und verwundete seinen Kameraden
im Gesicht, und wurde zu einem weiteren Jahre verurteilt. Im Kerker
versuchte er mit einer halben Scheere, aus der er sich einen Dolch
gemacht hatte, einen Kameraden umzubringen, um sich wegen einer alten
Kränkung zu rächen, obschon der Gegenstand seines Hasses schon an sich
in einem Zustand war, der Mitleid hätte einflößen können. Von da kam er
zur zweiten und dann zur ersten Strafkompagnie in Venedig, wo er sich
durch sein tückisches und unverbesserliches Benehmen auszeichnete.
Strenger Arrest, langes Fasten nützten nichts; für ihn waren die Strafen
immer ungerecht; jeder mißhandelte, mißachtete ihn.
Schon um diese Zeit (1879) brach sein heftiger und wilder Haß gegen
seinen Bruder Michele los, der, wie er meinte, ihn vernachlässigte und
seinen Tod wünschte, um sich die väterliche Erbschaft anzueignen, die
schon zum größten Teil sich angeeignet zu haben er ihn beschuldigte. Die
ersten Zeichen dieses Hasses traten hervor, als er im Lazarett zu Cava
dei Tirreni war, wo er einen Brief seines Bruders, der Nachricht von ihm
verlangte, mit häßlichen Worten und Hohngelächter empfing. Der einzige
Grund für diese Zwietracht konnte in dem Temperament des M... gefunden
werden.
Bei der Strafkompagnie versuchte er eines Tages einen Lieutenant zu
ermorden, weil dieser ihn bestraft hatte. Er wartete, bis der
unglückliche Lieutenant Nachts die Ronde machte, und mit dem Dolch in
der Hand, den er sowohl als Gefangener wie als Soldat immer bei sich zu
tragen oder im Strohsack oder im Futter der Kleidung zu verbergen
pflegte, lauerte er Stunden lang; und nur dem Umstand, daß der
Lieutenant von einem Kameraden gewarnt wurde, ist es zu danken, daß der
Anschlag mißglückte.
Der Mangel an moralischem Gefühl zeigt sich auch darin, daß er eines
Tages einen Kameraden, einen Schreiber im Militärbureau, dazu verführte,
ihm eine Änderung in dem Register zu gestatten, indem er das Datum
seiner Aushebung um ein Jahr zurückschrieb, um auf diese Weise ein Jahr
früher vom Militär loszukommen.
Durch diese Fälschung gelang es ihm, ein Jahr früher verabschiedet zu
werden; auf der Heimreise bekam er Händel mit den Eisenbahnbeamten und
um ein Haar wäre es zur Schlägerei gekommen.
Die Fälschung wurde entdeckt, und er wurde von der Militärverwaltung
reklamiert, darüber entrüstete er sich heftig, bewaffnete sich wie ein
richtiger Brigant und begab sich in die Wälder. Aber er sah ein, daß er
auf diese Weise doch nicht durchkommen würde und stellte sich der
Militärbehörde in Catanzaro, die ihn wieder nach Venedig zur
Strafkompagnie schickte. Durch eine günstige Beurteilung des
Thatbestandes wurde er von der Anklage der Desertion freigesprochen.
Kaum wieder bei der Kompagnie, wurde er zu zwei Monaten Wasser und Brot
und zur Kettenstrafe verurteilt. Er hatte den Skorbut; nachdem er
geheilt war, kam er wieder in strengen Arrest bei Wasser und Brot und so
verbrachte er das ganze Jahr fast immer in Arrest und in Ketten.