In alter Zeit lebte ein Gärtner, der sein Leben mit der Pflege seines
Gartens zubrachte. So hatte er einen Garten geschaffen, der dem
Paradiese glich. Da er mit jedem Baum so eng verbunden war, war aus
seinem Herzen jedes Gefühl für Vater, Frau und Sohn entschwunden, und
er brachte in dem Garten lange Zeit Tag und Nacht einsam und verlassen
zu. Schließlich wurde er von der Verlassenheit so bekümmert, daß er in
die Ebene wanderte. Als er am Fuße eines Berges, der sich unendlich wie
die Hoffnung dahinstreckte, spazieren ging, kam ihm durch Gottes Fügung
ein häßlicher, scheußlicher Bär entgegen, der gleichfalls aus Furcht
vor der Einsamkeit von der Höhe des Berges in die Ebene herabgestiegen
war. Sogleich entstand zwischen beiden eine Liebe, und das Herz des
Landmannes war geneigt, mit dem Bären Freundschaft zu pflegen.
Als der Bär diese Anhänglichkeit des Bauern sah, wurde er auch ihm in
Freundschaft zugetan und folgte ihm auf den leisesten Wink in den
paradiesesgleichen Garten, und da der Gärtner gemäß dem Worte „Ehret
eure Gäste“ ihn freundlich behandelte, so wurde dadurch das Band ihrer
Liebe fest, und auf dem Boden ihrer Herzen sproßte das Reis der
Zuneigung.
Jedesmal, wenn der Gärtner müde war und sich im Schatten eines Baumes
ausruhte, stand der Bär liebevoll neben seinem Kopfe und jagte ihm die
Fliegen weg. Eines Tages schlief der Gärtner wieder in gewohnter Weise
und der Bär verscheuchte die Fliegen. So oft er sie auch verjagte,
immer kehrten sie wieder. Schließlich wurde er zornig, nahm einen
schweren Stein und warf ihn, um die Fliegen zu töten, dem armen Bauern
auf den Kopf. Die Fliegen erlitten keinen Schaden davon, aber der
Gärtner starb daran.