52. DER GÄRTNER UND DER BÄR

In alter Zeit lebte ein Gärtner, der sein Leben mit der Pflege seines

Gartens zubrachte. So hatte er einen Garten geschaffen, der dem

Paradiese glich. Da er mit jedem Baum so eng verbunden war, war aus

seinem Herzen jedes Gefühl für Vater, Frau und Sohn entschwunden, und

er brachte in dem Garten lange Zeit Tag und Nacht einsam und verlassen

zu. Schließlich wurde er von der Verlassenheit so bekümmert, daß er in

die Ebene wanderte. Als er am Fuße eines Berges, der sich unendlich wie

die Hoffnung dahinstreckte, spazieren ging, kam ihm durch Gottes Fügung

ein häßlicher, scheußlicher Bär entgegen, der gleichfalls aus Furcht

vor der Einsamkeit von der Höhe des Berges in die Ebene herabgestiegen

war. Sogleich entstand zwischen beiden eine Liebe, und das Herz des

Landmannes war geneigt, mit dem Bären Freundschaft zu pflegen.

Als der Bär diese Anhänglichkeit des Bauern sah, wurde er auch ihm in

Freundschaft zugetan und folgte ihm auf den leisesten Wink in den

paradiesesgleichen Garten, und da der Gärtner gemäß dem Worte „Ehret

eure Gäste“ ihn freundlich behandelte, so wurde dadurch das Band ihrer

Liebe fest, und auf dem Boden ihrer Herzen sproßte das Reis der

Zuneigung.

Jedesmal, wenn der Gärtner müde war und sich im Schatten eines Baumes

ausruhte, stand der Bär liebevoll neben seinem Kopfe und jagte ihm die

Fliegen weg. Eines Tages schlief der Gärtner wieder in gewohnter Weise

und der Bär verscheuchte die Fliegen. So oft er sie auch verjagte,

immer kehrten sie wieder. Schließlich wurde er zornig, nahm einen

schweren Stein und warf ihn, um die Fliegen zu töten, dem armen Bauern

auf den Kopf. Die Fliegen erlitten keinen Schaden davon, aber der

Gärtner starb daran.

Türkische Märchen · 第 74 / 91 题