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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1824 erschienenen Buchausgabe
so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische
Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Rechtschreibvarianten
wurden nicht vereinheitlicht; ungewöhliche und altertümliche
Wortformen wurden unverändert übernommen, sofern die
Verständlichkeit des Textes dadurch nicht berührt wird.
Umlaute in Großbuchstaben (Ä und Ö) werden in ihrer Umschreibung
wiedergegeben (Ae und Oe). Die Verwendung des ‚scharfen s‘ (ß)
wurde nicht vereinheitlicht und entspricht auch nicht in allen
Belangen den heutigen Rechtschreibregeln.
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bereits in den Text eingearbeitet.
Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit
den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: _Unterstriche_
größere Schrift: ~Tilden~
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Die
Pharisäer.
Ein Beitrag
zum
leichtern Verstehen der Evangelien und
zur Selbstprüfung
von
Michael Wirth,
K. B. Professor am Lyceum zu Regensburg.
Ulm, 1824.
In der +Stettin+’schen Buchhandlung.
Ich sage euch, wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist, als die der
Schriftgelehrten und Pharisäer, so könnet ihr nicht eingehen in das
Himmelreich.
+Matth.+ V, 20.
Vorrede.
Schatten erhöhet die Wirkung des Lichtes. Unser verherrlichter Erlöser
strahlt uns noch unendlich milder und menschenfreundlicher aus den
Evangelien entgegen, wenn wir ihn den düstern Schatten des Reiches der
Finsterniß gegenüberstellen.
Diese Schatten, welche die Glorie unseres Herrn erhöhen, sind die
+Pharisäer+. In ihnen wird aber auch uns ein zurückschreckendes +Bild+
aufgestellt, welches vor +Heuchelei+, die in Gottes Augen ein Greuel
ist, kräftig warnt.
Lassen wir uns von +Christus+ erleuchten und beleben, von den
+Pharisäern+ Abscheu vor Heuchelei einflößen, dann singen Gottes Boten
wieder: „Ehre sei Gott in der Höhe, Frieden auf Erden!“
Dieß ist der hohe Zweck, zu dessen Erreichung der Verfasser
vorliegender Schrift sein Scherflein beitragen möchte.
In einer Zeit, in welcher Selbstsucht, Eigennutz, Falschheit, Tücke,
Frömmelei mehr als je zum tiefsten Schmerz und Schrecken der Freunde
thatenreicher Religiosität kühn ihr Haupt erheben, thut es wahrlich
noth, darauf aufmerksam zu machen, daß[1] „die +Menschen+ auf das
sehen, was +in die Augen fällt+, daß aber der +Herr+ das +Herz+
ansieht.“
+Geschichte+ belehret am besten, und beleidiget am wenigsten, besonders
+heilige+ Geschichte. Darum machte der Verfasser es sich zur Aufgabe,
nur die +Gesinnungen+, +Lehren+ und +Thaten+ der +Pharisäer+ nach
seinen Kräften deutlich darzustellen, ohne alle Rück- und Seitenblicke,
welche anstößig werden könnten.
Sollten deß ungeachtet dem Verfasser hämische Absichten angedichtet
oder gar aufgezwungen werden, so ist seine einzige Waffe gegen solche
Zumuthungen -- +sein Bewußtsein vor Gott, daß er keinen Stand und keine
Person ansah, sondern nur auf Belehrung und Besserung ~jedes Einzelnen
Bedürftigen~ bedacht war+.
Einzig aus dieser Absicht muß man es erklären, wenn hie und da eine
starke Sprache geführt, oder an Satyre streifende Züge angebracht
werden. Alles sollte angewendet werden, was die Heuchelei in ihrer
ganzen Abscheulichkeit darstellen konnte.
Gelehrter Prunk von Citaten, zu denen es an Gelegenheit nicht fehlte,
wurde vorsätzlich vermieden, weil dem Kenner die Quellen nicht
verborgen sind, aus denen geschöpft wird, und weil dem Nichtkenner, der
es unschuldig sein kann, nichts damit geholfen ist. Wahrheitsliebe war
mein Leitstern; absichtlich trat ich nicht aus der geraden Bahn.
Der, welcher der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, gebe seinen Segen
zu der schwachen Bemühung
+des Verfassers+.
Den 29. Nov. 1823.
Inhalt.
Seite
Vorrede III
Einleitung 1
I. Johannes, der Täufer, den Pharisäern gegenüber 27
II. Nathanael 35
III. Jesus stellt pharisäischen Unfug im Tempel ab 37
IV. Gespräch mit einem Pharisäer besserer Art 40
V. Jesus in der Synagoge zu Nazareth 46
VI. Die Bergpredigt 49
VII. Die Heilung des Schlagflüßigen 71
VIII. Die Berufung des Matthäus; Beantwortung von zwei
Fragen 74
IX. Ueber Heiligung und Entweihung des Sabbates 83
X. Jesus, Simon, der Pharisäer, und die Sünderin 94
XI. Heilung eines Besessenen, der blind und stumm war.
Urteil der Pharisäer. Antwort Jesu 98
XII. Ueber die Lehre von gesetzlichen Reinigungen 102
XIII. Jesus auf dem Laubhüttenfeste zu Jerusalem 111
XIV. Die Pharisäer und die Ehebrecherin vor Jesus 129
XV. Die Pharisäer untersuchen gerichtlich die wunderbare
Heilung des Blindgebornen 134
XVI. Beantwortung der Frage eines Schriftgelehrten über
die Liebe 150
XVII. Ueber Heuchelei im Urtheilen 154
XVIII. Verhalten der Pharisäer vor, bei und nach dem
Einzuge Jesu zu Jerusalem 157
XIX. Letzte Rede Jesu gegen die Lehre und gegen das
Leben der Pharisäer 184
XX. Jesus wird von den Pharisäern an das Kreuz gebracht 210
Einleitung.
+Das Himmelreich ist gleich einem Sauerteige, welchen ein Weib nahm und
in drei Schäffel Mehl verbarg, bis es ganz durchsäuert war.+ (Matth.
XIII. 33.)
+Vor Allem hütet euch vor dem Sauerteige der Pharisäer, das ist, vor
Heuchelei.+ (Luc. XII. 1.)
Also das +Evangelium+ wirket wie ein Sauerteig, und die +Heuchelei+
wirket wie ein Sauerteig! Zwei so verschiedene Dinge unter Einem Bilde;
und doch so natürlich! Das Evangelium ist von Gott dazu bestimmt,
die ganze Menschheit und jeden einzelnen Menschen zu durchdringen
zur Sinnesänderung und Heiligung, wie der Sauerteig die ganze Masse
durchwirket. Wer dem Evangelium kein Gehör giebt, in dem bringen die
verderblichen Lehren des Weltgeistes in umgekehrter Ordnung dieselbe
Wirkung hervor. Alle Theile des geistigen Lebens werden vom sündhaften
Sauerteige erfüllt und verdorben. Dazu ist nichts mehr geeignet, als
+Heuchelei+. Mit Recht bezeichnet daher Jesus die Lehren und Thaten
derselben als das wahre Anti-Evangelium, indem er für beide dasselbe
Bild beibehält, aber einmal die Licht- und dann die Nachtseite
desselben zeigt. Sollte +sein+ Zeugniß uns nicht aufmerksam machen, daß
wir uns in Acht nehmen vor den Besuchen eines so gefährlichen Gastes,
der anfangs nur einen kleinen Winkel im Hause sich erbittet, bald aber
die ganze Wohnung verpestet? Oder wenn er unser Herz bereits in Besitz
genommen hat, sollten wir uns nicht beeilen, ihn so schnell als möglich
zu vertreiben, und die Wohnung wieder zu reinigen?
Da bedürfen wir aber vor Allem einer eben so tiefen, als genauen
Kenntniß der Heuchelei. Wir müßen zuerst das +Wesen+ und den
+Grundcharakter+ derselben zu erfassen suchen; dann kann eine +genaue
Beschreibung+ ihrer Gestalt, ihrer Mienen, Gebehrden, Reden, Thaten,
Wendungen und Krümmungen uns in den Stand setzen, die leisesten Spuren
dieses Krebsschadens des Christenthums zu entdecken, zu verfolgen und
zu vertilgen.
Woher sollen wir diese Einsicht in das Wesen der Heuchelei nehmen? Der
+Geist des göttlichen Wortes+ wird uns auch hier auf dem sichersten und
kürzesten Wege zum erwünschten Ziele leiten. Folgen wir mit Demuth und
Vertrauen diesem besten Führer!
* * * * *
In der heiligen Schrift wird +Gott+ überall dargestellt als der
+Lebendige+ -- in sich selbst und für alle Wesen.
Dieses Leben offenbart sich auf eine doppelte Weise -- als +Wahrheit+
und +Liebe+ in unendlicher Vollkommenheit und Einheit. In Gott ist
Wahrheit auch zugleich Leben und Liebe, und umgekehrt. Nur der
menschlichen Schwäche zeigt er sich bald in +vorwaltender+ Wahrheit,
bald in +überwiegender+ Liebe.
+Gottes Wort+ ist +das Leben, welches von Anfang beim Vater war, und
uns erschienen ist+, aber auch vor, bei und nach seiner Erscheinung
sich +ausgesprochen+ -- durch +göttliche Lehre+ den Menschen sich
geoffenbart, durch +göttliche Thaten+ sich erwiesen hat.
„+Dein Wort ist die Wahrheit+,“ sagt Christus betend zum Vater. Gottes
Wort, wie es die heilige Schrift enthält, ist kein Menschenwort, d.i.
„kein Licht ohne Wärme.“ „+Das Wort Gottes ist lebendig+,“ und beweiset
sein Leben an allen Glaubigen durch +Belebung+. Durch Auge und Ohr
dringt es zum Herzen, erregt und öffnet dasselbe höhern Einflüssen, die
vom „Lebendigen“ ausgehen, und Licht und Leben mittheilen.
Darum wird auch in der heiligen Schrift +Erkennen+ und +Lieben+ als
gleichbedeutend genommen. Von der innigsten Verschmelzung zweier
Menschen in +einer Liebe+ des +ehelichen Bundes+ eben so, wie von der
geistigsten Vereinigung in Liebe mit +Gott+ wird derselbe Ausdruck
gebraucht. (Matth. I., 25. Joh. X., 14-15.) Doch wohl ein sprechender
Beweis, daß nach Gottes Sinn Erkennen und Wollen, Wissen und Thun,
Wahrheit und Liebe +Ein Leben+ bilden.
In und vor Gott giebt es also keine Wahrheit, die bloß Gedanke,
bloßes Erkennen ist, und ohne Einfluß auf das Leben bleibt. Deßwegen
spricht Christus vom +Thun+, d. i. vom Ausüben der +Wahrheit+; vom
+Leuchtenlassen des Lichtes+, damit die Menschen unsere +guten Werke+
sehen. In der That ein gottähnliches Verhältniß der Wahrheit und Liebe
im Menschen!
Wer sich auf diesen Standpunct erhoben hat, den wird es nicht mehr
befremden, daß durch göttliche Wahrheit im Menschen sich eine
Seelenstimmung, ein Charakter ausbilde, den wir nicht besser bezeichnen
können, als mit +Wahrhaftigkeit+. Diese ist der unverwandte Blick des
Geistes nach der Erkenntniß der Wahrheit, die gerade, unverrückbare
Richtung des liebenden Herzens nach Verwirklichung derselben, der
getreue Abdruck derselben im Leben des Menschen.
Ein Leben in Wahrheit durch Liebe ist „+ewiges Leben+“, und macht das
Innerste und Tiefste und Höchste im Menschen aus -- sein eigentliches
Wesen, seine Gottähnlichkeit.
Darum werden auch bei einem Menschen, in welchem sich Wahrheit mit
Liebe gepaart und zur Wahrhaftigkeit ausgebildet hat, alle Handlungen
+natürlich+; denn aus der wahren Erkenntnis, welche zugleich Liebe
ist, geht eine Handlungsweise hervor, welcher der Mensch +gerne+,
+immer+ und unter +allen Umständen+ getreu bleibt; welcher der nicht
zuwider handeln +kann+, weil er nicht +will+; von welcher endlich
alle +Nebenabsichten+, alles +Gepränge+, alle +Ziererei+, alle fromm
sein sollenden +Schnörkel+, alle +Einseitigkeit+, +Engherzigkeit+,
+Sonderbarkeit+ &c. schlechthin ausgeschlossen ist und bleibt.
„Der +gute Mensch+ bringt aus dem +guten Schatz+ seines Herzens nur
+Gutes+ hervor“ -- nicht halb Gutes, nicht verblümtes verkleistertes,
vergoldetes Gutes, noch weniger Böses; denn von alle diesem ist +nichts
darin+.
„Ein +guter+ Baum +kann+ nur +gute+ Früchte bringen;“ es wirkt kein
schlechter Saft in ihm. Aber er thut dabei nur, was seine Natur mit
sich bringt; und er thut es stille, geräuschlos, ohne besonderes
Aufsehen. So auch der gute, der in Liebe wahrhaftige Mensch! Ihm ist
es eben so natürlich, mit Freiheit die Wahrheit zu thun, als es dem
Lichte natürlich ist, zu leuchten. Beide verfahren dabei kunstlos; das
Licht thut es, weil es nicht anders kann; der gute Mensch +kann+ nicht
anders, weil er nicht anders +will+.
+Selig sind, die eines solchen reinen Herzens sind!+
Aber es giebt auch eine +Kehrseite+ dieser Sache. Nicht selten trifft
man Menschen, welche „+einen bösen Schatz+ in ihrem Herzen“ tragen;
Menschen, welche Jesus mit +schlechten Bäumen+ vergleicht. Sie +können+
keine gute Früchte bringen, weil sie nicht +wollen+. Woher dieses? --
Wahrhaft und wirklich entgegengesetzt ist der Wahrheit weder der +bloße
Mangel+ derselben, noch der +Irrthum+ oder Schein das Wahren, sondern
die +Lüge+, als positive, wirkliche, freiwillig erzeugte Unwahrheit.
Mit dem Geiste der Lüge ist der Geist der Wahrheit schlechterdings
unvereinbar; beide sind und bleiben ewige Feinde.
Wenn sich aber +Wahrheit+ mit +Liebe+ paart, so fordert es die Natur
der Sache, daß mit der +Lüge+ nur der +Haß+ einen innigen, treuen Bund
schliessen könne.
Ein Leben in Lüge durch Haß ist „+ewiger Tod+“, ist +satanische
Existenz+. -- Auch diesem Zustande kann der Mensch sich +nähern+.
Doch treten die Gegensätze der wahrhaftigen Liebe und der gehässigen
Lüge nicht immer so +rein+ ins Leben. Vielmehr berühren sich auch hier
die Extreme, und es entsteht eine +Mischung+ ungleichartiger Dinge, so
daß
_a_) Wahrheit und Wahrhaftigkeit in ihrer Reinheit getrübt und
durch einen +Zusatz von Lüge entstellt+ werden;
_b_) Lüge und Lügenhaftigkeit dagegen ihre Natur zu verändern
scheinen, und einen täuschenden +Anstrich von Wahrheit+
erhalten.
Bei der ersten Art von Mischung liegt offenbar +Schwäche+ des Geistes
zum Grunde, die sich durch falsche Ansichten und unreine Beweggründe
irre leiten läßt. Nicht so bei der zweiten Art; da lauert die +Tücke+
im Hintergrunde, welche gar wohl fühlt, daß das Böse, welches im
Innern hauset, sich nicht so geradezu in seiner Nacktheit und grellen
Farbe zeigen dürfe, sondern daß es sich klug und gewandt in die
einnehmende Maske des Guten hüllen müsse, um nicht sogleich beim ersten
Anblicke zurückzustoßen.
Beide Arten bezeichnet unser Erlöser mit Einem Worte, und nennt sie
+Heuchelei+.
Diese hat also +zwei Hauptseiten+, nach welchen sie sich in tausend
Gestalten ausbildet. Es liegt eben so sehr in ihrer Natur,
das Wahre und Gute aus +lügenhaften Gründen+ und +bösen Absichten+,
als die Lüge und Bosheit unter dem +Scheine+ der Wahrheit und Liebe
auszuüben.
Eine unausbleibliche Wirkung dieses Geistes der Heuchelei ist es, daß
+das Aeußere zur Hauptsache, das Innere zur Nebensache wird+. Religion
und Tugend verwandeln sich in eitles Gepränge, das weder vom Herzen
kommt, noch zu demselben dringt.
+Anbetung+ des Vaters, der Geist ist, in +Wahrheit und Liebe+ des
+Geistes+ kann also mit Heuchelei schlechterdings nicht bestehen; eben
so wenig +ächte, lebendige+ Nächstenliebe. Damit fällt aber auch das
+Evangelium+ und der wahre Glauben an dasselbe. Wo die Wucherpflanze
der Gleißnerei den Boden bedeckt, da kann der +Glauben+, die Pflanze
des himmlischen Vaters, nicht gedeihen; „+ohne Glauben aber ist es
unmöglich; Gott zu gefallen+.“ Glauben ist der Grund- und Eckstein des
Tempels der Liebe, in welchem Seligkeit thronet und ewiges Leben.
* * * * *
Schon +David+ eifert gegen heuchlerischen Gottesdienst. Aber schwerlich
ist dieses Uebel erst zu seiner Zeit entstanden; es ist die giftige
Frucht des Saamens, welchen der „Vater der Lüge und des Mordes“ schon
im Anfang ausstreute. Ueber dieses Gewächs spricht sich Gott so aus:
„Höre mein Volk! Ich rede, ich zeuge selbst an dich, Israel! Gott bin
ich, dein Gott. Nicht deiner Opfer wegen straf’ ich dich; mir wallt
ja stets hinauf der Opfer Rauch. -- Ess’ ich denn Fleisch der Stiere?
Trink’ ich der Böcke Blut? Opfere du nur Dank der Gottheit; erfülle
nur, was du dem Herrn gelobt! Rufe mich an in deiner Noth; ich errette
dich, und du sollst mich preisen!“
Warum tadelt Gott die Opfer, für die er den Ort und die Weise selbst
bestimmt, die er aber nicht als nothwendig verlangt hatte? Warum
dringt er so sehr auf Religion des Herzens? Man höre: „Zum Gottlosen
spricht der Herr: Was schwätzest du von meiner Lehre; führest meinen
Bund in deinem Munde, da du doch Belehrung hassest, und meinen
Ausspruch wegwirfst? Siehest du einen Dieb, sogleich bist du sein
Freund; mit Ehebrechern hast du Umgang. Du lässest Bosheit nur aus
deinem Munde; Arglist schmiedet deine Zunge. Du sitzest zu Gericht, und
bist selbst ein Verläumder deines Bruders; bist bereit, insgeheim zu
fällen deiner Mutter Sohn. Dieß thust du. Schwieg’ ich nun, so dächtest
du, Ich sei wie Du!“ (Psalm L.)
Wie mußte Jehova die fetten Opfer solcher Menschen ansehen, an denen
sie es gewiß nicht fehlen ließen? -- --
Noch schärfer ist die Rüge der Heuchelei, welche der Herr durch den
Mund des Propheten +Jesajas+ ergehen ließ: „Aus voller Kehle rufe! Halt
dich nicht zurück! Erhebe, der Trompete gleich, die Stimme! Thue meinem
Volke seine Missethat, und Jakobs Hause seine Sünde kund! -- Zwar
suchen sie mich Tag für Tag, und zeigen Lust, zu kennen meine Wege;
gleich einem Volke, das recht gehandelt, und seines Gottes Vorschrift
nicht verletzt, verlangen sie von mir Gerechtigkeit, und nähern sich
der Gottheit dreist. +Wir fasten, und warum siehst du es nicht? Warum
merkest du es nicht, daß wir uns quälen?+ -- Sehet! da ihr fastet,
folgt ihr euerm Willen, und dränget alle eure Schuldner. Ihr fastet
nur zum Streit und Hader, um euch mit ungerechter Faust zu schlagen. O
fastet forthin so nicht mehr! Laßt nicht mehr Himmelan erschallen eure
Stimme! Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, wenn einen Tag der Mensch
sich quälet; wenn er sein Haupt, wie Schilfrohr, senkt, und sich auf
Sack und Asche legt? Dieß nennest du ein Fasten; dieß einen Tag, Jehova
angenehm? +Das ist ein Fasten, wie ich es liebe+: Der Bosheit Ketten
lösen, befreien von der Bürde Last, loslassen die Gefesselten und jedes
Joch zertrümmern. Brich Hungerigen dein Brod! Die armen Flüchtlinge
nimm auf ins Haus! Den Nackten, den du siehst, bekleide, und dem, der
deines Fleisches ist, entziehe dich nicht! Dann bricht dein Licht wie
Morgenrot hervor.“ (Jes. LVIII, 1-8.).
Alle Wahrheit wird nach der heiligen Schrift bestätiget durch zweier
oder dreier Zeugen Aussage; darum soll +Jeremias+ die Reihe der Zeugen
Gottes gegen die Heuchler schliessen. Bei ihm steht geschrieben: „Höre,
Erde! Ich will über dieses Volk Unglück bringen, die Frucht seiner
Rathschläge, weil es auf meine Worte nicht gemerket, und mein Gesetz
verschmähet hat. Wozu mir der Weihrauch, der von Saba, und der beste
Kalmus, der aus fernem Lande kommt? Eure Brandopfer gefallen mir nicht,
und eure Opfer sind mir nicht angenehm. -- Verlasset euch nicht auf die
lügenhafte Rede derer, die sprechen: Jehova’s Tempel, Jehova’s Tempel,
Jehova’s Tempel sind diese (Gebäude)! -- Sehet! ihr verlasset euch auf
lügenhafte Reden, die euch nicht helfen werden. Wollet ihr stehlen,
morden, ehebrechen, falsch schwören, dem Baal räuchern, andern Göttern,
die ihr nicht kennet, nachlaufen, und dann kommen, und in diesem
Tempel, der meinen Namen führet, vor mein Angesicht treten, und sagen:
Wir werden gerettet werden -- damit ihr alle diese Greuel fortsetzet?
Ist denn dieser Tempel, der meinen Namen führt, in euren Augen eine
Mördergrube? -- Wie könnet ihr sprechen: Wir sind weise? haben das
Gesetz Jehova’s! Fürwahr, in Lügen hat es der trügerische Griffel der
Schriftgelehrten verwandelt. Die Weisen werden beschämt, bestürzt und
gefangen werden. Das Wort Jehova’s haben sie verschmähet, und welche
Art Weisheit bleibt ihnen übrig?“ (Jerem. VI, 19-20. VII, 4. 8-11.
VIII, 8-9.).
* * * * *
Es gab also schon Heuchler vor den +Pharisäern+, so wie sie mit dem
Erlöschen dieser Secte nicht ausgestorben sind. Aber wie entstunden die
Pharisäer? Ihr Wesen ist Symbol ihrer Geschichte; diese liegt so im
Dunkeln, daß man nicht einmal den Ursprung und Anlaß ihrer Benennung
weiß, obwohl sich dieser Orden erst in dem Zeitraum zwischen der
Wiedererbauung der Stadt und des Tempels und der Ankunft unseres Herrn
bildete.
Die ersten Anläße mögen noch unschuldig genug gewesen sein. Sie
scheinen in der bis zur Aengstlichkeit gestiegenen Strenge in
Beobachtung und Einschärfung aller auch der kleinsten Dinge des
Gesetzes ihren Grund zu haben. Je trauriger die Erfahrungen waren,
welche man in dem Exil gemacht hatte, desto sorgfältiger war man
darauf bedacht, der Nachlässigkeit in der Gesetzeserfüllung und der
Gleichgültigkeit gegen Gottes Wort, als den Hauptursachen alles
Unglückes, entgegen zu arbeiten. +Esra+ und +Nehemia+ waren hierin mit
rühmlichem Eifer vorangegangen; allein in ihrem Geiste wurde nicht
fortgefahren. Immer pünktlicher und schärfer bestimmte kleingeistige
Aengstlichkeit alle Formen, Gebräuche, Tage und Stunden &c. nur zu
bald und zu leicht übersah man bei dieser gesetzlichen Frömmigkeit die
Besserung des Herzens, die Mitwirkung reiner, heiliger Gesinnungen;
man war mit dem Aeußern zufrieden, und kümmerte sich wenig um das
Innere. Dazu trug die Art von Schriftauslegung, welche eben um diese
Zeit aufkam, nicht wenig bei. Freilich, wer wird es tadelhaft finden,
daß die Lehrer der wiederhergestellten Nation auf alle Weise und
durch alle tauglichen Mittel das Ansehen der heiligen Schriften zu
sichern, ihren Sinn genau zu bestimmen bemühet waren? Wer wird es
ihnen zunächst verargen, wenn sie alte Sagen, Ueberlieferungen von
Gebräuchen und Auslegungen zu diesem Behufe sammelten? Allein dabei
blieben die Nachfolger nicht stehen; diese erhoben die +Mischna+ --
Sammlung von Lehren und Ueberlieferungen der Alten -- zu gleichem
Ansehen mit den heiligen Schriften, wollten alle Schrifterklärung nach
diesem Maaßstabe geregelt wissen, und verbanden dann, um das Verderben
zu vollenden, auch noch chaldäisch-babylonische und andere asiatische
Lehren von guten und bösen Geistern, von Seelenwanderung, von
Engeldienst, magischen Künsten &c. damit. Unmöglich war es, Entstellung
und Verfälschung des wahren Sinnes bei der Schriftauslegung unter
solchen Umständen zu vermeiden; und welche Folgen hatte dieß wieder für
Religion und Sittlichkeit?
Allerdings fand das strenge Bestehen auf dem äussern und öffentlichen
Bekenntnisse des Judenthumes einen wichtigen Entschuldigungsgrund
in den grausamen Verfolgungen des Antiochus und in dem schändlichen
Hange vieler Schwachen und Verkehrten in Israel zu griechischem
Götzendienste. Allein diese Zeiten und Umstände dauerten nicht immer,
und konnten es nicht rechtfertigen, wenn man dann aus Abneigung und
Haß gegen Heidenthum und Heiden schon in der blossen äusserlichen
Gesetzerfüllung etwas Verdienstliches sah, und sich vor dem Heiden
glücklich pries, obwohl das Innere um nichts besser war.
Aus solchen Elementen entwickelte sich der +Pharisäismus+ allmählich
im Laufe der Zeit. Endlich erstarkte er so, daß er sich absondern,
als eigene Secte darstellen und durch Kleidung und ihre Verzierung
selbst dem Auge kenntlich machen konnte. Von jetzt an war der Einfluss
dieser Parthei mächtig, und nur die +Sadducäer+ konnten denselben
beschränken, doch nur im Politischen. Auf Religiosität und Sittlichkeit
des großen Haufens wirkte die blendende Außenseite dieser Frömmler
über alle Vorstellung. Zwar fanden sich noch edle Männer unter ihnen;
die Evangelisten nennen Nikodemus und Joseph; allein sie vermochten
den Strom nicht aufzuhalten, um so weniger, da sie als Mitglieder des
Ordens in den meisten Dingen den Uebrigen sich gleich stellen mußten.
Wundern wird man sich also nicht mehr, warum +Jesus+ gegen die
+Pharisäer+ so schonungslos verfuhr; warum sein göttlicher Eifer
entbrannte ihren Lehren und Thaten gegenüber, wenn man auch nur das
reif und besonnen überlegt, was die heilige Schrift vom Wesen der
Heuchelei uns gelehret hat. Aber staunen muß man über die langmüthige
Liebe und über den hohen Ernst, womit unser Erlöser unabläßig daran
arbeitete, den verborgenen Krebsschaden dieser Leute, wo möglich noch
zu heilen oder wenn dieses durch ihre eigene Schuld nicht mehr angieng,
denselben zur Warnung für Mit- und Nachwelt unverholen aufzudecken.
Möge das Werk des Herrn an uns nicht verloren gehen!
I.
Johannes der Täufer, den Pharisäern gegenüber.[2]
„+Gottes Wort+ ergieng an Johannes, Zacharias Sohn, in der Wüste“ --
und er trat auf, plötzlich, unerwartet, kräftig, wie sein Vorbild,
Elias.
Das Volk strömt an den Jordan, sieht, höret, bewundert, staunet, wird
erschüttert von dem Donner des nahen Gottesgerichtes, läßt sich taufen
zur Sinnesänderung.
Der Ruf von ihm dringt in die Hauptstadt, erregt die Neugierde, wird
Tagsgespräch. Viele machen sich auf, eilen an den nicht zu entfernten
Fluß, um die neue Erscheinung mit eigenen Augen zu sehen. Manche kommen
gerührt und gebessert zurück, Andere nicht; Alle erzählen von einem
Manne -- „angethan mit einem Kleide aus Kameelhaaren, einem ledernen
Gürtel um seine Lenden; von einem Manne, der Heuschrecken und wilden
Honig genießt.“ Der Inhalt seiner Predigt sey: „Aendert euern Sinn;
denn das Himmelreich ist nahe!“
„Und das römische noch näher!“ -- so mochte mancher eifrige Pharisäer
dem Erzähler antworten -- „Wozu ein +himmlisches+ Reich, so lange
das +Volk Gottes+ unter dem römischen Joche schmachtet? +Buße ist
unnöthig+; denn wir dienen weder Baal noch Astaroth, wie unsere Väter.
+Frei+ sollen wir sein; wer uns Befreiung verkündiget, oder noch
lieber, bringt, der ist +unser+ Prophet.“
Für Leute von solchem Sinne hatte Johannes zu wenig +politisches+
Interesse, um gleich Anfangs ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Zu
dem war man in diesen unruhigen Zeiten an sonderbare Auftritte ziemlich
gewöhnt.
Bei Vielen unter dem Volke hatte aber doch der Gott dieser Welt die
Herzen noch nicht so verdüstert, daß sie unfähig gewesen wären,
einzusehen, der Täufer habe Gottes Wort und das Zeugniß ihres Gewissens
für sich, wenn er sie um ihrer +Lieblosigkeit+, +Habsucht+ und
+Ungerechtigkeit+ willen als zur Strafe reif betrachte. Er selbst war
über jeden Tadel dieser Art erhaben, und bestätigte seine Lehre mit
seinem +Beispiele+. Daher die großen Wirkungen seines +Wortes+.
* * * * *
Darin zeichnen sich alle Männer Gottes vor den Menschenkindern so sehr
aus, daß sie hohe +Würde+ mit reiner +Demuth+ so unvergleichlich in
sich vereinigen. Auch Johannes trägt dieses Siegel Gottes an sich.
Als eine heilsame Furcht vor einem nahen Gerichte die Nation
durchdrungen, und die freudige Hoffnung des kommenden Gottesreiches in
Vielen einen bessern Sinn angeregt hatte; als das Volk Schaarenweise an
den Jordan strömte, um sich taufen zu lassen: da fanden es +Pharisäer+
und +Sadducäer+ rathsam, den Gang dahin ebenfalls zu thun. Was bewog
sie denn dazu? Ohne Zweifel hatte +Neugierde+ großen Antheil an
diesem Schritte. Doch eben so viel wenigstens mochte die +Sucht,
beym Volke etwas zu gelten+, beitragen; sie wollten, wenigstens die
Pharisäer, nicht die Letzten seyn, die sich bei dem neuen Propheten
einfanden. Im Hintergrunde aber lag noch eine +geheime Furcht+ vor
göttlichen Strafen, die sich ihrer bei der allgemeinen Erschütterung
unwillkührlich bemächtigte, weil ihr Gewissen gegen sie zeugte. Endlich
trieb sie +Neid+ und +Eifersucht+ an, die Absicht des neuen Lehrers
kennen zu lernen, der so viel Aufsehen erregte, und so großen, für sie
kränkenden Beifall fand.
Wer sieht sie nicht kommen? Mit gemessenem Schritte in Achtung
gebietender Haltung, das Gesicht in frömmelnde Falten verzogen,
im Blicke eine Mischung von Kriecherey und Stolz -- so schreiten
die Herren durch das Volk, und treten vor den Täufer. Dieser aber
entdeckte bald die Wölfe, welche sich in Schaafspelze verkrochen
hatten. Ohne sich durch ihre Gegenwart und durch ihre hohen Mienen
im geringsten schrecken zu lassen, behauptete er sein +Ansehen+ als
Prophet und machte von dem +Rechte+, das ihm der göttliche Auftrag
gab, einen so nachdrücklichen Gebrauch, daß sie das ganze Gewicht
seiner beschämenden Strafrede unangenehm genug zu fühlen bekamen. Er
zeichnet ihren Charakter von der schlimmsten Seite mit Einem Zuge:
„Natternbrut!“ Damit deutet er auf das Gift ihrer Lehre, auf die Tücke
ihres Herzens, auf die Gefahr für gute Menschen von ihrer Seite, auf
ihre schlaue Furchtsamkeit, welche er sogleich noch besonders, aber
gar nicht zu ihrer Empfehlung heraushebt. Mit Gottes Allmacht schlägt
er ihre falschen Schlüsse: „+Wir haben Abraham zum Vater+;“ also
sind wir +Gottes Volk+, und folglich +Erben+ des +Reiches+ mit dem
+Messias+. Die Hauptsache war in ihren Augen, als +Jude geboren+ --
+beschnitten+ -- +erzogen+ zu sein; der +Zustand des Herzens+ wurde
wenig berücksichtiget. Sie pochten auf Aeußerlichkeiten und auf einen
religiösen Ahnenstolz, ohne eigenen Werth zu haben. War dieß nicht die
gefährlichste, verderblichste Heuchelei?
Mit dieser gewaltigen Kraft, mit diesem überwiegenden Ansehen, eines
Elias würdig, steht in wunderbarem Kontraste die +Bescheidenheit+
und +Demuth+, mit welcher er vor dem Volke, das ihn für den Messias
zu halten geneigt war, unaufgefordert erklärte: Zum Messias verhalte
er sich wie der geringste Sklave zu seinem Herrn; seine Kraft reiche
an die des Stärkern nach ihm so wenig, als reinigendes Wasser an
läuterndes und belebendes Feuer.
Vergleiche den großen, demüthigen, edeln +Johannes+ mit den
hochfahrenden, kriechenden, listigen +Pharisäern+ -- und +lerne+!
* * * * *
Mit nichts kann man den Heuchler gewisser zur unversöhnlichsten
Rache aufreizen, als durch Aufdeckung seines Innern. Dieß erfuhr
auch der Täufer. Er hatte den geheimen Stolz der Pharisäer aufs
empfindlichste gekränkt; denn sie bildeten sich auf ihre Frömmigkeit
und Gottseligkeit nicht wenig ein. Darum sannen sie darauf, wie sie ihm
die erlittene Schmach siebenfach vergelten könnten. Leidenschaft macht
scharfsinnig; und so fanden sie bald ein treffliches Mittel, ihren
Zweck zu erreichen. +Johannes hatte sein Amt ohne Wissen und Wollen des
Synedriums angetreten; er handelte und lehrte eigenmächtig, wie ein
Prophet, ohne seine göttliche Sendung durch ein Wunder zu beweisen+;
konnten die Väter des Volkes da nicht mit vollem Rechte die Frage
aufwerfen: +Ob Johannes auch nur ein Prophet sey?+ Schwerlich war ihnen
in diesem Augenblicke eine Vorschrift des Gesetzes erwünschter, als
die, welche ihnen das Recht gab die Ansprüche auf die Prophetenwürde zu
untersuchen. Welch’ ein blendendes Aushängeschild für ihren Racheplan!
Dabei nahmen sie ihre Maaßregeln so, daß es weder an +gesetzlichen
Formen+, noch an +feierlichem Pompe+ fehlen sollte. Sie beschlossen,
eine +förmliche Deputation+ von +Priestern+ und +Leviten+ -- an den
Jordan zu schicken, und dem Täufer +öffentlich+ eine kurze und
bestimmte +Erklärung+ über sein Vorhaben und Benehmen abzufordern.
Man müßte für Johannes zittern, wenn die Pharisäer an ihm ihres
Gleichen vor sich gehabt hätten. Allein wer seiner guten Sache gewiß
ist; wer mit reinem Herzen der Wahrheit aus Gottes Munde huldiget; wer
mit redlichem Sinne den Menschen zugethan ist, der vereitelt solche
Ränke entweder geradezu durch sein einfaches, schlichtes Reden und
Thun, oder wenn er unterliegt, so ist selbst sein Tod ein neuer Sieg
für die Wahrheit, welche triumphierend aus seinem Grabe aufersteht.
Der Täufer gerieth nicht in ihre Schlinge. Vielmehr setzte er ihrer
Schlauheit wahre Klugheit, ihrer Verstellung arglose Aufrichtigkeit,
ihrem Stolze ungekünstelte Demuth entgegen; er behandelte sie, als
Gesandte des Synedriums, mit der ihrem Range gebührenden Achtung;
machte ihnen nicht den leisesten Vorwurf; antwortete auf jede Frage
bescheiden, kurz und wahr; rechtfertigte seine Predigt und Taufe mit
einer Stelle des Jesaias, fügte eine eigene Weissagung dazu -- und ließ
sie unverrichteter Dinge mit einem Stachel im Herzen abziehen, ohne daß
sie Scham oder Verdruß sich durften ansehen lassen.
Wer es beherzigen will, wird hier lehrreiche Winke darüber finden,
theils wohin Heuchelei führe, theils wie man derselben am besten
begegnen könne und soll.
* * * * *
Was werden sich die abgeschickten Priester und Leviten nicht
eingebildet haben auf dem Wege? Wer sie gekannt hätte, der hätte den
gewissen Sieg schon auf ihren Gesichtern lesen können. An ernster
Amtsmiene und an imponirendem Tone ließen sie es wohl auch nicht
fehlen; +die heilige Sache forderte es so+.
Aber der Ausgang der Sendung belehrte sie eines Andern. Welche Gefühle
regten sich in ihren Herzen auf dem Rückwege? Was sagten die Alten
zu Jerusalem? Welch’ ein Schlag, sich in ihren süßesten Erwartungen
so getäuscht zu sehen! Und doch war es nicht zu ändern! Was blieb
ihnen nun noch übrig? Immer noch ein ächtes und kräftiges, solcher
Scheinheiligen würdiges Mittel -- +den Täufer zu lästern und zu
verläumden+. Sie, die auf öffentliche Selbstkasteiung sonst so viel
hielten, schämten sich jetzt nicht, mit sich selbst in Widerspruch
zu gerathen, und gerade das an Johannes zu tadeln, was ihm als
Bußprediger so gut anstund. „+Er hat einen Teufel!+“ d. h. er ist ein
Narr, ein Schwärmer, ein gefährlicher Mensch. Dieß bewiesen sie aus
seinem Aufenthalte in der Wüste mit seiner Kleidung und Kost, durch
seine mit den Erblehren nicht harmonirende Sittenlehre u. s. w. Man
denke sich dazu eine warnende Miene, frömmelnde Gebehrden, eifriges
Amtsgesicht, breite Gelehrsamkeit und Redekünste; und man wird sehr
leicht berechnen, daß es Manchen irre machen mußte, der gewohnt war,
den weisen und frommen Vätern Alles auf ihr Wort zu glauben. (Matth.
XI, 18).
Doch fanden diese Verläumdungen nicht überall so leicht Eingang; denn
beim Volke hatte die Ueberzeugung, Johannes sey ein Prophet, zu festen
Fuß gefaßt. Sobald sie daher merkten, daß sie den großen Haufen, das
„Erdenvolk“ in ihrer Sprache, unwillig machen würden, so zogen sie sich
zurück, verstummten, sprachen zweideutig von dem Täufer, und verbargen
ihren Ingrimm. (Matth. XX, 26. Luk. XX, 6.)
Ein solches Betragen bedarf doch wohl keines Commentars!
II.
Nathanael.[3]
Dieser ist ja kein Pharisäer, wird man sagen! Wohl wahr; aber Blick
kann er uns geben in das, was Pharisäismus ist, durch den Gegensatz,
den er mit demselben bildet.
Jesus selbst drückt seine Freude über Nathanael sehr lebhaft aus:
„+Siehe da, ein wahrhaftiger Israelite in dem kein Falsch ist!+“ So
freuet sich ein biederer Mann, wenn er einen Redlichgesinnten findet.
Unserm Herrn wallet das Herz auf bei einem solchen Anblicke, und aus
der Fülle seines Herzens fließt ein seltner Lobspruch. Wie menschlich
schön erscheint hier Jesus!
„Aber Nathanael hegte ja ein Vorurtheil gegen Nazareth!“ Was schadet
dieses seinem antipharisäischen Charakter? +Wer sein Vorurtheil so
offenherzig gesteht, und so bereitwillig ablegt, sobald sich ihm die
Wahrheit zeigt, der ist das gerade Gegentheil eines Heuchlers+, und so
war es bei Nathanael! Ein leichter Morgennebel kann nicht schneller von
der hervorbrechenden Sonne zerstreuet werden, als Nathanaels Vorurtheil
gegen den Zimmermannssohn aus Nazareth bei den Worten Jesu. Deutlich
bewies er, daß dieser dunkle Flecken nur an der Oberfläche haftete, der
Grund seiner Seele aber von Wahrheitsliebe glühte.
+Wahrheit galt bei ihm, nicht Person, nicht Ort, nicht Zeit+ -- -- und
Jesus sah dieß, und belohnte es überschwenglich. +Dieser Jesus lebt
noch+; möchte er recht Viele zu belohnen finden!
III.
Jesus stellt pharisäischen Unfug im Tempel ab.[4]
Der Heuchler kann immer mehr, als andere Leute; er besitzt das gewiß
seltene Geheimniß, +Widersprüche zu vereinigen+. Ist es möglich? Die
+That+ beweiset es. Wer war frömmer in den Augen der Menschen; wer
pünktlicher in der Gottesverehrung als ein Pharisäer? Sie galten für
Muster in diesem Punkte. Und doch +duldeten+ sie zur Zeit der großen
Feste einen +Unfug im Tempel+, daß Jesus gleich im Anfange seines
Lehramtes sich für verpflichtet hielt, demselben mit allem Eifer und
Nachdrucke zu steuern. Wäre dieß von ihrer Seite möglich, und von Seite
Jesu nothwendig gewesen, wenn sie sich an den +Geist+, und nicht bloß
an die +Form+ der Religiosität gehalten hätten? So aber gieng ihnen
Opfergepränge und herrliches Ceremoniel über Alles. Darum mußte für
die Festpilgrimme jeder Schritt erleichtert werden, damit ja kein Opfer
zurückblieb. +Ihr Gott war wie sie; er ließ sich durch Gaben und fettes
Opfervieh seine Gunst abkaufen, und sah wenig oder gar nicht auf das
Herz des Gebers.+
Einen solchen Gott hatten sie um so nöthiger, da sie schlau genug
waren, mit seiner +Verherrlichung+ ihren eigenen +Vortheil+ recht
enge zu verbinden. Man wird der Ehre dieser Leute kaum zu nahe
treten, wenn man annimmt, daß mancher Denar als Budenzins, von den
Opfervieh-Händlern und Geldwechslern den Priestern und Leviten in den
Beutel fiel. Sollten sie nicht auch diese Sümmchen zur Ehre Gottes
recht genau eingetrieben haben? Gewiß, ohne Interesse wären sie nicht
so nachsichtig gewesen.
Ueber dieß war es ja nur der +Vorhof der Heiden+, in welchem der
Unfug getrieben wurde. An den +Unbeschnittenen+ aber konnte man sich,
nach pharisäischer Lehre so leicht nicht versündigen; +Beschneidung+
und +Rechtgläubigkeit+ ertheilten in solchen Fällen ein eigenes
Privilegium. +Solche Unterscheidungen sind in dem Wesen der Heuchelei
gegründet.+
Je verkehrter das +Herz+ dieser Leute war, desto sinnreicher wurde der
+Kopf+ in Erfindung von Schutzmitteln für ihre Werke der Finsterniß.
Unrecht konnten sie Jesus geradezu nicht vorwerfen; denn die Unordnung
war zu auffallend, und die muthige Handlung unseres Herrn fand bei
Bessergesinnten ohne Zweifel lauten Beifall. Wie sollten sie nun ihre
+Amtsehre+ retten? Sie versuchten es auf eine feine Weise, indem sie
der Sache eine andere Wendung gaben, und Jesus beschuldigten, +er habe
einen Eingriff in fremde Rechte gethan+. Eine solche unbefugte Handlung
konnte er, nach ihrer Meinung, nur durch ein +Wunder+ rechtfertigen.
Dazu hielten sie ihn für unfähig, und so waren sie des Sieges gewiß.
Schade nur, daß eine +Weissagung+, also Vertagung ihres Prozesses,
Alles verdarb!
+Wie traurig sieht es im Innern des Heuchlers aus! Pflanzen der
schlechtesten Art -- Frömmelei, Eigennutz, Verachtung Anderer --
wuchern ungestört. Will Jemand dieses Unkraut ausreuten, so begeht er
ein Verbrechen.+
IV.
Gespräch mit einem Pharisäer besserer Art.[5]
+Jesus und Nikodemus!+ Ein vielfach behandelter Stoff. Wir wollen hier
einzig den Gesichtspunkt da nehmen, wo ihn uns die Worte anweisen: „+Es
war ein Mann unter den Pharisäern, Nikodemus mit Namen ein Vornehmer
unter den Juden; dieser kam in der Nacht zu Jesus.+“ --
Also Nikodemus war ein +Pharisäer+; dieser +kam+ zu Jesus, aber des
+Nachts+! Schon der letzte Umstand ist auffallend; wie viel mehr die
erstern? Nikodemus hätte doch wohl auch +bei Tag+ zu Jesus kommen
können -- wenn er nur die Mitglieder seines Ordens nicht gefürchtet
hätte. Wirklich war auch ihr Haß gegen den neuen Propheten aus Nazareth
schon in den ersten Tagen seines öffentlichen Lebens so weit gestiegen,
daß Nikodemus nicht wenig hätte wagen müßen, wenn er bei Jesus
öffentlich einen Besuch gemacht hätte. Noch ließe sich freilich auch
denken, die weise Zurückhaltung, welche Jesus schon damals beobachtete
(Joh. II, 23-25.) habe es ihm erschwert, ihn am Tage zu sprechen. Auf
jeden Fall ist es lehrreich, daß Jesus den nächtlichen Besuch annahm
-- ohne die +geringste Bemerkung über heuchlerische Menschenfurcht zu
machen+, oder sich zu entschuldigen &c. Wie viel hätte ein blinder
Eiferer schon daran auszusetzen, oder scheinheilig zu loben gefunden?!
Jesus freute sich darüber, daß Nikodemus zu ihm kam. Zeugte es nicht
von Wißbegierde besserer Art, daß er Jesus aufsuchte? Ließ es nicht ein
gutes, empfängliches, Wahrheit suchendes Herz vermuthen? und +giebt
der Edle nicht gerne einer solchen Vermuthung Platz+? +Gewiß eben so
schnell, als der Heuchler dem Argwohn+, weil in +seinem+ Innern ein
Schelm wohnet.
Aber Nikodemus war ja ein +Pharisäer+! -- Als er hingieng, allerdings;
als er zurückkam, nicht mehr (Joh. VII, 50-52. XIX, 39.) Er ward
ergriffen von der Wahrheit aus Gott, und wurde +wiedergeboren+, so
wenig er sich auch Anfangs darein finden wollte. Doch gar so leicht
mag es nicht abgegangen seyn; „der Mann war schon alt“ -- und mit ihm
der Pharisäer. Dieser wich schwerlich so schnell von seiner Stelle.
Vergegenwärtigen wir uns nur seine erste Nacht! --
Nikodemus kommt nach Hause; die Seinigen sind schon in sanften Schlaf
gesunken; Er -- Kopf und Herz voll Gedanken und Gefühle ganz neuer Art
-- wirft sich auf sein Lager, und überdenkt noch einmal das äußerst
merkwürdige Gespräch:
„Dieß war der wichtigste Gang in meinem Leben! -- Vieles und Großes
hatte ich von diesem Jesus erwartet; aber unendlich mehr habe ich
gefunden. -- Wie einfach, wie offen, wie zwanglos war gleich der erste
Zusammentritt! Schon dieß gewann mein Herz, spannte meine Erwartung. --
Aber noch staune ich, noch kann ich mich nicht recht finden in das, was
er vom +Reiche Gottes+ und von der +Bedingung der Aufnahme+ in dasselbe
sagte -- nur sagte? Nein! mit einem Ernste und mit einem Nachdrucke
festsetzte, daß er unwiderstehlich war, so sehr sich auch mein Kopf
dagegen setzte -- noch setzet. Wie so gar nichts von Allem, was +unsere
Schule+ vom Reiche des Messias als wesentlich lehret, liegt in seinem
einfachen Begriffe vom +Reiche Gottes+! Nicht das Land der Verheißung,
nicht die große Stadt, nicht die Unterjochung der Völker, nicht die
Pracht und Größe des Königs, nicht die Herrlichkeit seines Volkes --
nur +Gott und seine Regierung+ hebt er heraus. Es ist so wahr, so
geistig, so erhaben -- aber wie sieht es mit der +Lehre unserer Alten+
aus? -- -- +Wiedergeboren werden!+ Sonderbar! Leiblich kann und will
er es nicht verstanden wissen -- und geistig --, welchen Sinn, welchen
Zweck hat es? -- +Was vom Fleische geboren ist, ist Fleisch; was vom
Geiste geboren wird, ist Geist!+ Was will er damit sagen? Soll uns etwa
leibliche Geburt -- Abstammung -- selbst von Abraham nichts nützen?
Keinen Anspruch auf das Reich des Messias geben? -- Eine ganz neue,
unerhörte Lehre! -- -- Aber warum dringt er denn so auf Wiedergeburt
aus +Wasser+ und +Geist+? Wie hängt dieß mit +Gottes Reich+ zusammen?
-- Nikodemus! du bist grau geworden als Lehrer; aber darin wirst du
dich nicht leicht zurecht finden -- doch jetzt will es Licht werden!
Sollte die geistige Wiedergeburt nicht auf Gottes +Geistigkeit+ Bezug
haben? Kann Gott andere als +geistige Kinder+ an den Menschen haben?
Sind wir dieß? Sind wir es von Abraham her? Wie können wir es anders
werden, als durch geistige Umwandlung, durch Aenderung des irdischen
Sinnes und Herzens? -- nun wird mir auch +das Wasser+ begreiflich;
sollte er damit nicht gar auf den Johannes am Jordan anspielen? -- Aber
diesen hat ja das Synedrium verworfen! Ferner ist es eine Hauptlehre:
+Jeder Nachkömmling Abrahams sei Erbe des Reiches Davids!+ Wozu also
Sinnesänderung, Wiedergeburt, Erneuerung des Israeliten? Hier liegt der
Knoten; hier der Stein des Anstoßes an dem entweder mein System, oder
mein Glauben an Jesus sich zerschellen muß. -- Lehrer Israels? alter,
allgemein verehrter Rabbi! jetzt stehest du auf dem Punkte, Alles,
was du bisher für wahr und gut und rühmlich hieltest, fahren lassen
zu müssen, um der +Wahrheit, wie sie von Gott kommt+, zu huldigen! --
Ist es aber auch göttliche Wahrheit, was Rabbi Jesus mir vortrug? Eine
stille, innige Ahnung davon steigt in mir auf; ein tiefes Gefühl im
Innersten sträubt sich gegen alle Zweifel. -- +Unbegreiflich+ war und
ist mir freilich die Wiedergeburt! Das ist es aber gerade, was Jesus
behauptet. Sein Bild vom Winde -- wie passend, wie wahr, wie tief! Wer
will +Gott+ auf der That ertappen, +ihm+ den Weg ausspähen, +seine+
Gedanken errathen? Daran hat er recht. -- -- Ewig, ewig kann ich die
Worte nicht vergessen: +Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Ich rede,
was ich weiß, und bezeuge, was ich gesehen habe.+ Dieß ist das Siegel
auf alles Sonderbare, Neue, Unbegreifliche, was er sagte. Mit welcher
Zuversicht und Bescheidenheit, mit welcher Würde und Milde sprach er
dieß. Nein! ein solcher Mann kann nicht lügen -- Nein! seine +Thaten+
auf dem Feste verkündigen diese Hoheit. Ihm glaube ich es, daß er vom
Himmel kommt; daß er dort war -- daß er -- der +Messias+ ist! -- -- Ja,
wenn er nur vom Hause +Davids+ wäre! Wenn man sein +Geschlecht+, wenn
man +Bethlehem+, als Geburtsort, nachweisen könnte! Wenn auch nur eine
Spur der +Königlichen Würde und Herrlichkeit+ sich zeigte! Aber Wunder
und hohe Lehren machen ihn noch nicht zum +Sohne Davids+, zum +Retter+
des +Volkes Gottes+ aus der +Gewalt seiner Feinde+. Er sieht auch gar
nicht so aus, daß er das Schwerdt ziehen und führen könnte. Für Gott
eifert er; das sahen wir; aber sonst ist er lauter Friede, Güte und
Liebe. -- Doch nennet er sich +den Sohn+, welchen +Gott+ in die Welt
gesandt habe! Also will er doch der Messias sein!? Und noch dazu für
die +ganze Welt+! Immer räthselhafter, immer dunkler! Wo bleiben denn
die +Vorrechte+ des +Volkes Gottes+, wenn er sogleich auf Ein Mal auch
alle +Heiden+ samt den +Juden+ selig machen will? -- Da liegt meine
ganze Lehre vom Messias am Boden! Da rathe mir, wer da kann! Der muß
aber dann auch das noch dunklere Räthsel von +Moses’ Schlange+ lösen.
-- -- -- O Gott meiner Väter! siehe herab auf deinen armen Knecht, der
dich und deine Wahrheit suchet! Meine Seele ringet in mir, mein Herz
schmachtet dahin, zu +glauben an den+, der sich deinen +Eingebornen+
nennet, der so +große Werke+ thut. Erlöse mich aus der Nacht der
Zweifel! Laß mich nicht länger in der Finsterniß wohnen, die das Herz
verderbet! Führe mich dem heitern Tage der Wahrheit entgegen damit dir
meine Werke gefallen! Erhöre mein heißes Flehen, Jehova!“ -- --
So betete Nikodemus, fiel erschöpft in tiefen Schlaf, erwachte gestärkt
und froh, und wandelte in der Stille nach dem Geiste der Lehre Jesu.
V.
Jesus in der Synagoge zu Nazareth.[6]
Nichts verfinstert die Köpfe so sehr; Nichts erzeugt mehr
Einseitigkeit und Unduldsamkeit im Denken; Nichts vertilgt die Liebe
unausbleiblicher -- als +Heuchelei+. Gilt dieß schon bei Gebildeten, so
werden die Folgen noch verderblicher für die Menschheit, die Ausbrüche
noch scheußlicher für Einzelne, wenn das +Volk+, von heuchlerischen
Lehren angesteckt, die Religion und Wahrheit bloß nach Aeußerlichkeiten
beurtheilt und schätzt; nur an Formen und Worten klebt; +Glauben+
von +Liebe+ trennt -- und im Gotteshause heilige Komödie spielt. Die
+Nazarethaner liefern ein anschauliches Beispiel+.