Jones' Oberkörper war weiß und glatt, auch mehr fleischig, McCoole dagegen

mit dichten schwarzen Haaren bedeckt, und so standen sie sich einen

Augenblick gegenüber. Dann plötzlich schritt McCoole auf den Gegner zu und

reichte ihm die Hand, die dieser nahm und hielt, während die Sekundanten

jetzt auch ihrerseits die Hände über denen der Gegner kreuzten, so daß die

Sechs zusammen für wenige Sekunden in einem Ring standen. Der aber löste

sich sehr bald wieder, und jetzt rückte der eigentliche Moment heran, dem

heute ja Alles entgegenstrebte: der wirkliche Kampf.

Beide Gegner waren noch einen Moment zu ihrem alten Stand zurückgetreten,

jetzt schritt McCoole langsam wie ein Bär aus seiner Höhle vor und rascher

folgte Jones seinem Beispiel. Der Letztere hielt aber ein kleines Packet

Banknoten, sogenannte Greenbacks, in der Hand und forderte jetzt McCoole

keck heraus, hundert Dollars gegen die seinigen zu setzen, daß er ihn

zuerst zu Boden schlagen würde.

McCoole erwiederte kopfschüttelnd, daß er kein Geld mehr habe, einer der

Zuschauer aber nahm die Wette auf und das Geld wurde deponirt.

Mir gefiel Jones' ganzes Auftreten nicht. Selbst die anscheinende

Zuversicht, mit welcher er die Wette anbot, kam mir so vor, als ob

Jemand aus lauter Verlegenheit lacht. Aber es blieb keine Zeit, weitere

Beobachtungen zu machen, denn die Sache wurde Ernst. Die Sekundanten hatten

Beiden noch einmal Brust und Arme abgerieben, etwa genau so, wie man ein

Pferd abreibt, um seinen Muskeln mehr Geschmeidigkeit zu geben, und jetzt

wurden sie, wie bissige Köter, gegeneinander losgelassen.

McCoole schien sich dabei mehr auf die Vertheidigung zu halten; er hatte

wahrscheinlich zu viel von Jones' Kunstfertigkeit und Gewandtheit gehört

und wollte sich nicht leichtsinnig einer Gefahr aussetzen, während Jones

dagegen augenscheinlich bemüht war, den ersten Schlag anzubringen. Den

führte er auch, aber McCoole parirte ihn. Beide gaben dabei ihren

Armen freies Spiel, jetzt zu einem Scheinangriff ausfallend, jetzt

zurückweichend, bis Jones eine Blöße McCoole's zu benützen suchte. Aber

er hatte sich darin geirrt; der Schlag glitt ab und wurde rasch erwiedert,

Jones parirte auch diesen und holte wieder aus, als McCoole's rechte

Eisenfaust ihn gegen das linke Auge traf und wie einen Sack zu Boden warf.

Ein wahres Jubelgeheul machte die Luft erbeben. Im Nu aber sprangen die

Sekundanten hinzu und hoben nicht allein Jones auf, um ihn zu seinem Stuhl

zu tragen, nein, thaten auch das Nämliche mit dem völlig ungeschädigten

McCoole, der es sich ruhig gefallen ließ. Beider Gesicht wurde dann rasch

mit kaltem Wasser abgewaschen, Jones schon mit Blut unterlaufenes Auge

besonders aufmerksam, und während das der Eine that, schob der Andere

seinem Kämpfer etwas in den Mund, das wie ein Schwamm aussah und vielleicht

etwas Stärkendes oder Erfrischendes enthielt. Es wurde ihnen auch nicht

viel Zeit dabei gelassen, denn die Pausen zwischen den einzelnen Gängen

oder =rounds= dürfen den hierbei gültigen Gesetzen nach nur genau

30 Sekunden dauern, wozu ein Mann mit einer Sekundenuhr in der Hand

fortwährend neben dem Kampfrichter steht. Wer von den Kämpfern nach

30 Sekunden nicht wieder in der Arena steht, wird als besiegt erklärt --

und wie rasch vergehen 30 Sekunden!

Jones stand zur bestimmten Zeit wieder auf den Füßen und McCoole gegenüber,

aber es sah so aus, als ob er scheu geworden wäre, und er zeigte sich

jedenfalls lange nicht so geneigt mehr, als beim ersten Gang, mit dem

gefährlichen Gegner anzubinden. Desto weniger Zeit aber verlor McCoole und

nach kaum einer halben Minute, in welcher Jones ein paarmal auswich, konnte

er sich zuletzt nur dadurch vor einem gefährlichen Schlag des Iren retten,

daß er sich wieder rasch zu Boden warf.

Neues Geheul und stürmischer Jubelruf von allen Iren und Denen, die auf

McCoole gewettet hatten, erfüllte die Luft, und wieder wurden beide Kämpfer

zu ihren verschiedenen Sitzen zurückgetragen und genau so behandelt als

vorher -- wieder standen sie sich 30 Sekunden später kampffertig gegenüber.

Aber es war jetzt kaum noch ein Zweifel, wer von ihnen Sieger bleiben

müsse. McCoole ging scharf und keck vor, Jones hatte alle Zuversicht

verloren und nur noch eine Hoffnung -- nämlich die, durch ein paar

kunstgerechte Schläge die Augen des Gegners zu treffen, wonach er diesen

dann leicht so lange aufhalten konnte, bis das Anschwellen der weichen

Theile um die Augen ihn zeitweilig erblinden machte. Aber darin hatte er

den Nachtheil, daß er wenigstens fünf Zoll kleiner als sein Gegner war und

deßhalb zu hoch mit seinen Armen hinauflangen mußte. Als er so in die Höhe

reichte, erhielt er einen furchtbaren Schlag in die Seite, der ihm zwei

Rippen knickte, und nun war es vorüber. Noch viele Gänge hatten sie,

und einmal ermannte sich Jones, hielt Stand und versetzt McCoole einen

entsetzlichen Schlag gegen die rechte Seite des Kopfes, der auch aus seinem

Auge Blut brachte, aber McCoole schlug ihn gleich dafür wieder zu Boden und

weigerte sich sogar, von dem Kampf erregt, getragen zu werden. Er schritt

selber leicht zu seinem Stuhl zurück.

Noch erhielt Jones, der Muth und Kraft verloren hatte, einen Schlag gegen

den Körper, der genau so klang, als ob man mit einem Hebebaum auf einen

Wollsack schmetterte, aber es bedurfte dessen kaum noch, denn bei ein paar

Gängen mußte er sich zu Boden werfen, ohne nur berührt zu sein, um einem

furchtbaren, nach ihm gerichteten Schlag auszuweichen. Hatte er doch die

Kraft verloren, ihn zu pariren. Es war dann ein scheußlicher Anblick, wenn

der überdieß nicht hübsche Bursche, mit den blutunterlaufenen Augen und

bleichen Zügen, aber lächelnd zu seinem Sieger aufblickte, als ob er sagen

wollte: Siehst Du wohl, dießmal bin ich Dir doch noch ausgewichen. Aber

McCoole blickte nur verächtlich auf ihn nieder und schritt zu seinem Stand

zurück, denn kein Schlag darf geführt werden, wenn der Gegner am Boden

liegt.

Noch zwei Gänge und der entscheidende Schlag fiel. Jones war

augenscheinlich zur Verzweiflung getrieben. Er fühlte, daß er nicht lange

mehr aushalten könne, und machte einen verzweifelten Angriff auf den Iren.

Das aber bekam ihm schlecht. McCoole war auf seiner Hut und ein Schlag

gegen den Hals oder untern Theil des Gesichts -- es ließ sich das in der

Schnelligkeit nicht so genau bestimmen -- schmetterte Jones mit solcher

Gewalt zu Boden, daß ihm der Kopf auf die Seite sank.

Er wurde augenblicklich wieder auf seinen Stand getragen, aber er war nicht

im Stande, sich in der kurzen Frist von 30 Sekunden zu ermannen, hatte auch

vielleicht, den Hieben gegenüber, keine besondere Lust dazu. Dreißig --

fünfunddreißig Sekunden verflossen, und jetzt schmetterte das Siegesgebrüll

der Irländer durch die Luft, und Alles sprang jauchzend in den Ring, um den

Sieger zu begrüßen -- oder auch vielleicht um zusehen, wie er seinen Gegner

zugerichtet habe.

Viele stimmten freilich nicht mit in das Siegesgeschrei ein, und zwar aus

dem sehr triftigen Grunde, weil sie bedeutende Summen -- man sprach sogar

von _sehr_ bedeutenden, die gewettet worden -- verloren hatten. So soll

ein Mann allein über 50,000 Dollars auf ihn verloren haben. Nur die

Gleichgültigen eilten, so rasch sie konnten, nach den schon ihrer harrenden

Wagen des Extrazugs zurück, um Sitzplätze zu bekommen und die Stehplätze

dießmal Denen zu überlassen, die hoch oben in den Bäumen saßen und nicht

so rasch heruntergleiten konnten, und nach kaum einer halben Stunde setzte

sich der Zug langsam wieder in Bewegung.

Vorher war aber schon der wieder zum Bewußtsein gekommene Jones in einen

Wagen gesetzt worden und abgefahren, und als wir nach etwa zehn Minuten

wieder hielten, überholten wir diesen. McCoole selber war mit im Zug, aber

er stieg aus und ging zu Jones' Wagen, in welchem dieser mit verbundenem

Kopf saß, und reichte ihm dort hinein die Hand.

Zugleich ging im Zug das Gerücht um, daß Jones selber eine ziemlich große

Summe bei dem Kampf gewettet und verloren habe, und daß man unterwegs für

ihn sammeln würde. Es dauerte auch nicht lange, so kam McCoole selber, das

breite, gemeine Gesicht wohl etwas geschunden, aber sonst allem Anschein

nach völlig unverletzt, durch unsern Waggon. Vor ihm ging einer seiner

Sekundanten, ein Papier in der Hand, um zu Unterschriften aufzufordern,

hinter ihm McCoole mit seinem schwarzen breitrandigen Hut in der Hand, um

kleinere Gaben gleich einzukassiren. Aber der Erfolg scheint kein besonders

glänzender gewesen zu sein, -- wer auf Jones gewettet und verloren hatte,

fand seinen Geldbeutel schon genug in Anspruch genommen. Wer gegen ihn

gewonnen, gab wohl etwas, und eine kleine Summe kam dadurch zusammen. Es

ist auch in der That eine starke Zumuthung, einem besiegten Preisboxer noch

Almosen zu geben; die giebt man doch lieber einem braven, hülfsbedürftigen

Arbeiter.

So endete dieser wirklich berühmte Zweikampf, der auch in der That einiges

politische Interesse hatte, da er, in damaliger Zeit gerade, zwischen einem

Irländer und Engländer stattfand und dadurch schon die Sympathieen der

Amerikaner für den Iren erweckte. Welchen Antheil man aber daran nahm, geht

schon daraus hervor, daß der Kampf etwa 16 Minuten nach elf Uhr zu Ende kam

und um zwölf Uhr -- ja noch einige Minuten früher -- schon die Zeitungen

ausgegeben und von Jungen durch die Straßen geschrieen wurden, in welchen

ein zwar flüchtiger, aber doch wahrer Bericht über den Kampf gedruckt

stand. Hatte man doch zu dem Zweck einen Telegraphenapparat mit dem

Draht dort in Verbindung gebracht, um auch nicht einen Augenblick Zeit

zu verlieren, die werthvolle Nachricht zu verbreiten und einem Jeden

zugänglich zu machen.

Mir selber war das ganze Schauspiel, als überhaupt etwas Neues und in den

Zweck meiner Reise einschlagend, interessant genug, aber es ist jedenfalls

ein Beweis großer Brutalität, etwas Derartiges mit solchem Pomp und

Spektakel und solchen Vorbereitungen zur Schau zu tragen. Uebrigens zeigten

die Deutschen in Cincinnati deutlich genug, daß sie keine Freude an einer

solchen Bestialität finden, denn nur sehr Wenige waren draußen, und ich bin

auch ziemlich fest überzeugt, daß keiner von ihnen einen Cent auf solche

Menschenschinderei gewettet hat.

Leipzig, Druck von Giesecke & Devrient.

[ Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription

werden _gesperrt_ gesetzte Schrift sowie Textanteile in =Antiqua-Schrift=

hervorgehoben.

Fehlende und falsch gesetzte Anführungszeichen wurden korrigiert, sowie

gegebenenfalls "«," geändert in ",«".

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich

uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Camin" -- "Kamin",

"Canoe" -- "Kanoe", "erwiderte" -- "erwiederte", "Fourche-la-Fave" --

"Fourche la Fave" -- "Fourche-la-fave", "Jayhawker" -- "Jay-hawker",

"Palissaden" -- "Pallisaden", "Partei" -- "Parthei", "Petite Jeanne" --

"Petite-Jeanne", "Señora" -- "Sennora", "Señor" -- "Sennor", "wonach" --

"wornach",

mit folgenden Ausnahmen,

Seite 6:

"Missisippi" geändert in "Mississippi"

(vom anderen Ufer des Mississippi eine Versammlung)

Seite 13:

"," eingefügt

(rief der Major, »Sie reden gerade)

Seite 22:

"." eingefügt

(seinen Besuch nicht erwartet haben. Aber was ging)

Seite 26:

"enfernteste" geändert in "entfernteste"

(auf das Bett in die entfernteste Ecke des Hauses gelegt)

Seite 34:

"Furche-la-fave" geändert in "Fourche-la-fave"

(Am Fourche-la-fave änderte sich in der nächsten Zeit)

Seite 40:

"zn" geändert in "zu"

(von den Frauen selbst verhöhnt zu werden)

Seite 40:

"," eingefügt

(rief der alte Mann,)

Seite 47:

"bisjetzt" geändert in "bis jetzt"

(die sich bis jetzt der Einberufungs-Ordre entzogen)

Seite 50:

"Bushwacker" geändert in "Bushwhacker"

(bekamen aber auch die Bushwhacker einen schlechten Namen)

Seite 57:

"peischte" geändert in "peitschte"

(Während man sie dann peitschte)

Seite 60:

"," eingefügt

(gegen Little Rock marschirt, um sich dort)

Seite 113:

"." geändert in "?"

(oder wer ist sonst noch bei Dir?)

Seite 122:

"könnne" geändert in "können"

(und dort nach Belieben wirthschaften können)

Seite 126:

"erkärten" geändert in "erklärten"

(von der Welt für vogelfrei erklärten Jay-hawker)

Seite 132:

"Boyle's" geändert in "Boyles'"

(kehrten sie nach Boyles' Farm zurück)

Seite 133:

"," eingefügt

(»Weil ich kein Stück Blei im Leibe haben wollte,«)

Seite 133:

"," hinter "man" entfernt

(Revolverpatronen kann man ein paar Stunden)

Seite 138:

"." geändert in "?"

(Was ist denn das für eine Büchse, die Du da trägst?)

Seite 168:

"ententgangen" geändert in "entgangen"

(ein vorbeigaloppirendes Pferd nicht entgangen)

Seite 186:

"," eingefügt

(Er sah, wie sein Opfer noch einmal)

Seite 192:

"." eingefügt

(und hielt mit seiner Arbeit inne.)

Seite 196:

"," eingefügt

(die wenigen Hinterbliebenen, ihre Ernährer und)

Seite 223:

"." eingefügt

(und sie dann, augenscheinlich befriedigt, neben sich legte.)

Seite 265:

"einen" geändert in "einem"

(dann zog die Mannschaft mit einem)

Seite 273:

"," eingefügt

(und kamen jetzt, wahrscheinlich um ihren gefangenen König)

Seite 280:

"Sie" geändert in "sie"

(lauten Schrei ausstoßend liefen sie zu den)

Seite 305:

"," hinter "gerathen" entfernt

(Sie müssen jedenfalls in ein falsches Haus gerathen sein)

Seite 314:

"." eingefügt

(Geh nur rasch, daß Du keine Zeit versäumst.)

Seite 329:

"mi" geändert in "mit"

(und die Luft mit ihrem Arom erfüllten)

Seite 344:

"Biättern" geändert in "Blättern"

(mit Palmfasern oder Blättern gedeckt)

Seite 353:

"," eingefügt

(»Es geschieht Ihnen Nichts,« lachte der Mexikaner)]

Kreuz und Quer, Dritter Band Neue gesammelte Erzählungen · 第 18 / 18 段