Schiedsgerichtes in das Beifallsrasen der Zuschauer hinein, und:
„Match dernier: Roland, Allemand, Champion de St. Petersbourg, avec
Claude le Titan, Paris, Champion de France!“
Claude le Titan sprang auf Roland mit jenem wilden Tigersprunge, den er
eine Viertelstunde vorher in der Garderobe unterdrückt hatte.
So hatte Claude le Titan noch nie gerungen, so wild und voller
Leidenschaft hatten die Pariser den allezeit Ruhigen noch nie gesehen.
Er schlug Roland ins Genick, er versuchte ihm einen betäubenden Schlag
mit der äußeren Kante der Hand gegen die Halsschlagader zu versetzen,
welcher in den rohen Ringkämpfen der Ecole Bordelaise und der Ecole
Marseillaise als „Colbac“ eine gefährliche Rolle spielt.
Die Pariser heulten vor Wut. Wie? Ihr Favorit, ihr Champion ließ
sich derartig plumpe Reglementswidrigkeiten gegen diesen Prussien zu
Schulden kommen? Wo blieb denn die Nationalehre, wenn ein Pariser sich
im freien, öffentlichen Sport unfair gegen einen Allemand benahm? --
Dann besann sich Claude, daß er seine Kräfte nicht vorzeitig ausgeben
durfte. Jetzt stand er ruhiger im Kampfe. Die Pariser wurden ihres
Champions wieder froh. Parbleu, ja: man wußte doch, was man an Claude
le Titan hatte, auch wenn sein Temperament ihm einmal durchgegangen war!
Und die Viertelstunden dehnten sich.
Die beiden bleichen Körper glänzten schweißbedeckt, reckten sich
aus und zogen sich wieder zusammen, schnellten sich herum, wie von
ungeheurer Federkraft getrieben, und ruhten wieder unbeweglich, wie
Steinklumpen, am Boden.
Claude le Titan hockte seit einiger Zeit wieder einmal auf dem
blutroten Teppich. Roland kniete neben ihm und versuchte, den rechten
Arm des Franzosen unter seinem Körper durchzuziehen. Die Kenner lachten
höhnisch. Ramassement de bras! Ach nein, so plump ließ Claude le Titan,
der alte Fuchs, sich nun doch nicht fangen. Er stützte sein mächtiges
Bein auf und war mit einem starken Schwunge seines Körpers wieder auf
den Füßen.
Da war Roland mit einem gedankenschnellen Sprunge hinter ihm, faßte ihn
um beide Hüften, hob den schweren Körper hoch auf,... noch höher.....
bog sich weit zurück und warf sich selbst rücklings nieder:
In weitem Bogen flog Claude le Titan nach rückwärts über Rolands
Schulter hinweg und lag gerade, wie ein gefällter Baum, auf beiden
Schultern platt am Boden! -- -- -- Ceinture en souplesse.....
„Vainqueur Roland, Allemand, -- -- une heure dix minutes! ....“
Und die Musikanten bliesen Tusch, Lorbeerkränze häuften sich ringsum,
-- dann wurde Roland der goldene Gürtel von Frankreich um die Hüften
gelegt. In einem Blumenregen stand er, mit der berühmten Ceinture
d’or de France und mit der Meisterschaft der Welt geschmückt, aber
in all seiner Siegerherrlichkeit sah er nichts, als das Mädchen im
hyazinthenblauen Kleide mit dem Strauß von weißen Camelien vor der
Brust......
Dann wartete sie auf ihn, und er kleidete sich mit fiebernden Händen
an und eilte hinaus. Sie hätten einander in die Arme fliegen mögen,
um sich festzuhalten für Zeit und Ewigkeit, sie hätten vor Liebe und
Freude sterben mögen, aber sie hielten ihre Gefühle stolz zurück,
reichten einander nur die Hände und flüsterten mit bebenden Lippen:
„Grüß’ dich Gott, Eberhard -- Therese, grüß’ dich Gott!“
* *
*
Und als nach vielen Stunden der ganze Siegestrubel verrauscht, das
Festmahl zu Ende war und die glänzenden Augen der Festteilnehmer matt
geworden waren, waren allein zwei Augenpaare noch kerzenhell, und der
neue „Champion du Monde“ flüsterte in Liebe und Seligkeit:
„Therese, hast du mir vergeben?“
„Ach, wirst du mir je verzeihen können, du Lieber?“
„Therese, wir sprechen heute davon und dann niemals mehr! Alles muß
klar sein zwischen uns. Dann aber soll die Vergangenheit schlafen. Und
wir wollen eine fröhliche Zukunft an uns reißen!“
„Sage, mein Freund, wie siehst du die Zukunft?“
„Sage zuerst, Therese, wie du sie siehst!“
„Du bleibst, was du heute geworden bist!“ sprach Therese mit freudigem,
tiefem Erröten. „Obwohl.... Eberhard, ich habe in Berlin dein zweites
Stück aufführen sehen....“
„Therese, was denkst du über das Stück?“
Sie zögerte einen Augenblick, denn sie wollte ihm nicht weh tun,
erwiderte dann aber tapfer:
„Ich mag’s nicht leiden! Obwohl die Leute klatschten ... Du hättest
sie applaudieren hören müssen! -- -- Aber was war das für ein Gefühl,
dieselben Menschen jubeln zu hören, die damals gepfiffen haben! Sie
sind so gemein... so launenhaft... so gedankenlos.....“
„Gedanken!“ sprach der Ringkämpfer mit leuchtender Stirn, „Gedanken! --
Sie sind ein Wahn, sie sind eine Qual! -- Ein Ruck tut mir die Dienste
des sorglichsten Denkens, ein Recken der Glieder schüttelt die Qual
der Gedanken ab! -- Ich habe den Gedanken Valet gesagt, Therese! Mein
Training ist meine Denkkunst, mein Ringkampf ist meine Philosophie. Im
Reiche der Kraft bin ich vorläufig der Herr! --“
„Ich habe auch gelitten unter schlimmen Gedanken,“ sagte sie leise.
„Meine Sinne haben genossen, mein Geist hat geschwelgt, aber mein Herz
blieb leer. Was hat er....“ sie sprach den Namen nicht aus, „was hat
er nicht alles getan, um mich zu erfreuen! Bücher und Kunstwerke hat
er gebracht, eine ganze Bibliothek... Und er war so zart, Eberhard, so
zart -- -- --! Seitdem wir aus Italien zurück waren, besaß er nur noch
das Bewußtsein meiner Treue... sonst nichts..... nichts... Und doch kam
der Tag, an dem die Sehnsucht mir bis an den Hals stieg und ich darin
untergegangen wäre, wenn ich nicht fortgereist wäre... zu dir... ob du
mich wieder haben willst.....“
Er ging auf ihren demütigen Zweifel nicht einmal ein und blickte ihr
strahlend in die Augen:
„Wie gut, Therese, daß du nun ganz eines Sinnes mit mir bist! -- Denn
nun hält uns ja nichts mehr ab, den Bund unserer Liebe durch berufene,
geweihte Hände segnen und heiligen zu lassen..... Du lächelst, meine
Geliebte?“
„Nur vor Glück,“ erwiderte sie und wischte sich eine klare Träne von
der Wange.
„Das mein’ ich auch, mein liebes Weib. Wir können uns vor Gottes Altar
in allen Ehren finden und binden. Da geh’ ich mit Goethe, welcher es so
frei und edel aussprach, daß die Trauung zwar nur eine Formel ist, aber
eine so schöne: der Segen des Himmels zu dem Segen der Erde.“
[Illustration]
Druck von Hallberg & Büchting, Leipzig.
Interessante
belletristische Werke
aus dem
Leipziger Verlag
G. m. b. H.
in Leipzig, 38.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen,
auch vom Verlag.
Ausführlicher, reich illustrierter
Verlags-Katalog, Preis 50 Pfg.
~Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig.~
Hochaktuell! Sensationelle Novität!
Das Buch der Saison!
Unfruchtbarkeit
Roman von =DOLOROSA=.
Mit künstlerischem bunten Umschlagbild
von =RAPHAEL KIRCHNER-PARIS=.
Umfang ca. 300 Seiten.
Preis Mk. 3.--.
Das =Tiroler Tagblatt= schreibt u. a.:
„Dolorosa’s neuester Roman „Unfruchtbarkeit“ ist ein Gegenstück zu
Zolas „Fruchtbarkeit“. Ein Grosstadtroman, der die Schattenseiten
der menschlichen Fortpflanzung bis ins kleinste Detail schildert und
schliesslich in dem Axiom ausklingt: „Die Fruchtbarkeit ist das grösste
Verbrechen.....“
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
KORSETTGESCHICHTEN
von
DOLOROSA
Mit farbigem Umschlag von Raphael Kirchner, Paris.
Preis Mark 3.--
Gibt es ein Thema, welches des Interesses so sicher ist, wie Schönheit
und Liebe, wie die zarten Geheimnisse des Toilettenzimmers und des
Damenboudoirs?
Wenn aber das Thema mit so entzückenden Variationen und mit so pikantem
Charme vorgetragen wird, wie in der vorliegenden liebenswürdigen
Novellensammlung der beliebten Autorin, so ist der Erfolg besiegelt.
Die Grazien haben Pate gestanden bei dieser anmutigen Schöpfung, die
von einem heitern, leichtlebigen, pariserischen Geiste durchweht ist.
Wie bunte Falter um duftende Rosen, so gaukeln diese leichtbeschwingten
Erzählungen um die entzückten Sinne des Lesers. Ist der fröhlich
galante Geist Boccaccios wieder lebendig geworden? Sind all’ die Rosen
und Kränzchen, die flatternden Schleifen und weissen Täubchen, die
brennenden Herzen und verliebten Sentiments der Rokokozeit vom langen
Schlafe erwacht? Man sollte es meinen, wenn man die gefühlvollen Helden
dieser graziösen Novellen neckisch und zärtlich mit den Korsetts ihrer
Herzensdamen schäkern und karessieren sieht.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Tagebuch einer Erzieherin
von
DOLOROSA
Mit farbigem Umschlag von Raphael Kirchner, Paris.
12. Auflage. Preis Mark 3.--
Dieses Buch ist das zweite Romanwerk der jungen, um der unerhörten
erotischen Kühnheit ihrer Dichtungen willen so schnell berühmt
gewordenen und so viel gelästerten Dolorosa. Diese jugendliche
Dichterin liebt es, merkwürdige und nicht alltägliche Schicksale zu
schildern. Von dem „Tagebuche einer Erzieherin“ sagt sie selbst in der
Einleitung:
„Ich will euch, meine Freunde, eine Geschichte von einem trüben
Leben sagen; dieses Leben gehörte zu den Dingen, die so niedrig
und alltäglich und gemein erscheinen, dass man nicht davon singen
kann. Keine grosse, herrliche Tragödie, wie ein Gewitter. Kann
einer davon singen, dass ein edles Purpurgewand durch den Staub der
Strasse geschleift wurde?
„Einige ausgeschriebene Tagebücher kamen mir in die Hände, Briefe
und sonst Blätter, und ein eichener Kasten mit allerlei Tand:
eine kostbare Reitpeitsche, und seltsame Bilder und Gedichte und
Kindersächelchen, und..
„Aber was liegt daran? -- Ich will euch die schlimme, trübe
Geschichte sagen; nur vergesst mir nicht, ihr Freunde, dass aus all
dem bizarren Lärm doch immer Harfenakkorde der Liebe hervorklingen.“
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Schuhgeschichten
von
Restif de la Bretonne
übersetzt von E. LAFIÈRE
Mit künstlerischem Umschlagbild von
RAPHAEL KIRCHNER-PARIS
Preis Mark 2.--
In seinen Schuhgeschichten erzählt uns Restif de la Bretonne von den
Liebeswonnen und Qualen zweier „=Schuhfetischisten=“. Er malt
das Erwachen ihrer Leidenschaft, die Zuckungen ihrer krankhaften
Sinnlichkeit mit einer Kraft, einer Anschaulichkeit, die erschreckend
wäre ohne Restifs Meisterschaft, ohne die vollendete Kunst seiner
Schilderung, die selbst die krassesten und gewagtesten Situationen zur
Schönheit verklärt.
[Illustration]
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Venus im Pelz
Novelle von
Leopold von Sacher-Masoch
Reich illustriert
☛ Preis Mark 5.-- ☚
Von allen Werken Sacher-Masochs erfreut sich keines so ausgedehnter
Popularität wie „+Venus im Pelz+“. Sie ist die typischeste
Schöpfung ihres Meisters bezüglich alles den tiefsten Wesenskern seiner
Individualität Betreffenden, und verdient überhaupt die klassische
masochistische Novelle der Weltliteratur genannt zu werden. Besitzt
sie schon darum Leben, Reiz und Wert, übertrifft sie durch blendenden
Stil und glänzendes Kolorit an sich schon das meiste, was der eminente
Sprachkünstler geschaffen, erweckt sie noch aus einem anderen Grunde
besonderes Interesse, weil sie eine Episode aus dem Leben ihres
Schöpfers erzählt und darum als ein Stück seiner Selbstbiographie
gelten darf. -- Severin ist Sacher, Wanda -- nicht etwa seine spätere
Gattin, sondern eine seiner vielen, der österreichischen Aristokratie
angehörenden Herzensköniginnen, die er in einem Ischler Hotel kennen
lernte, und mit der er später jene wunderliche phantastische Reise nach
Florenz unternahm, während welcher er halb gezüchtigter Sklave, halb
der in allen Himmeln schwelgende Liebhaber einer strengen Herrin war.
„Habent sua fata libelli“ sagt eine oft zitierte Sentenz. Da sich in
keiner der Schriften ihres Verfassers Sachersche Individualität und
masochistische Eigenart so rein wiederspiegelt wie in der „Venus im
Pelz“, ist es als ein glücklicher Umstand anzusehen, dass gerade dieses
Buch Sachers Namen lebendig erhalten hat und erhalten wird.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
DÄMONE
Roman in 2 Bänden
von
R. BRÖHMEK
Mit buntem Umschlagbild von Raphael Kirchner-Paris.
Preis Mark 5.--
In vorliegendem Roman zeichnet der bekannte Verfasser mit gewandtem
Griffel das Treiben zweier dämonischer Menschen, die Triebfedern
ihrer absonderlichen Leidenschaften und Gelüste. Im Vordergrunde
steht das Weib, eine jener herzlosen, raffinierten Koketten, welche
zu den Teufelinnen gehören, hinter deren Schönheit und Majestät Härte
und Grausamkeit, Tod und Verderben lauern. Sie weiss das traurige
Geschick eines adeligen Hauses zu benutzen, um das junge, männliche
Haupt der Familie, welches schon als Knabe ihre strenge Behandlung
mit pathologischer Hingebung ertragen hat, in ihr gefährliches Garn
locken. Sie demütigt ihre Nebenbuhlerin, deren Liebreiz die Sinne ihres
adeligen Seladons von ihr abgewandt hat, verfolgt die Unschuldige mit
ihrem Hass und facht die extremen Neigungen der Knabenseele zu wildem
Sinnestaumel an. Und wie sich bekanntlich tausend Männerköpfe unter
den Fuss eines schönen, grausamen Weibes beugen, so verliert auch der
junge Baron den moralischen Halt, die Herrschaft über sich selbst, und
erliegt der tödlichen Gewalt der dämonischen Messaline.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Der Hass der Polin
[Illustration]
Roman von
KURT FELSINGEN
[Illustration]
Mit buntem Umschlagbild von
RAPHAEL KIRCHNER-PARIS
Preis Mark 3.--
Der Roman schildert die Geschichte eines vornehmen, stolzen und
herrschgewohnten Weibes, das, erfüllt von fast fanatischer Menschen-
und Mannesverachtung, dem Drange diese ihrer Gelüste zu befriedigen
freien Lauf lässt.
Doch diese Frau selbst schafft sich die Sühne.
Ein stolzer selbstbewusster Mann ist von ihr aufs Ungeheuerlichste
gedemütigt worden in brutaler Vergewaltigung, und nun nimmt dieser
Mann Rache. Die Schilderung dieser Vergeltung, die erst nach Jahren
und unter den romantischsten Umständen eintritt, ist von wunderbarer
Feinheit und packendster Wirkung, der Aufbau der Handlung derart
spannend, dass der Leser bis zum Ende vollständig im Banne der
Darstellung bleibt.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Die Venuspeitsche
von
Carl Felix von Schlichtegroll.
Band I:
Die Hexe von Klewan
Novelle.
Preis Mk. 3.--
Ungewöhnlich wie der Titel dieses Buches dürfte auch der Inhalt
erscheinen. Der Verfasser hat es unternommen, in ihm ein
sexual-pathologisches Problem, nämlich das der Algolagnie (Masochismus)
in verschiedenen Einzeldarstellungen dichterisch zu behandeln. Er
zeichnet in seiner Titelheldin eines jener dämonischen Weiber, deren
schrankenloser Gewalt fast jeder ihr nahende Mann willenlos unterworfen
ist. Durch seine Kenntnis der Völker des Ostens und die Schilderung
des an religiösen Wahnsinn grenzenden Kultus einer der zahlreichen
russischen Geheimsekten weiss er den Leser durch eine Reihe teils
grausiger, teils ergreifender Bilder in gleicher Weise zu fesseln, wie
zu erschüttern.
Sacher-Masoch urteilte über von Schlichtegroll in bezug auf die vor
mehreren Jahren erschienenen „Totentänze“:
„Schlichtegroll ist ein bedeutendes Talent, auch besitzt er jene
Eigenart, welche heute unerlässlich ist, wenn man im Gewühl der
literarischen Menge nicht unbemerkt bleiben soll. Seine Sprache ist
lebendig und bildlich. Stoff und Kolorit werden ungleich bunter
bei ihm durch die Vertrautheit mit der Welt des Ostens, der er
verschiedene gelungene Bilder entlehnt; er trifft ebenso sicher
den Ton für rumänische oder serbische oder galizische Stimmungen
und Vorgänge. Alles in allem eine jener wenigen Sammlungen, die
beachtet und vor allem gelesen zu werden verdienen.
Man braucht nicht gerade ein Prophet zu sein, um voraussehen zu
können, dass wir von dem Dichter, der seines Zeichens eigentlich
ein Maler ist, noch manches Schöne zu erwarten haben.
Man sieht es seinem starken Talent an, dass er noch lange nicht
sein letztes Wort gesprochen hat.“
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Die Venuspeitsche
von
Carl Felix von Schlichtegroll
Band II:
Ulrich von Liechtenstein
Novelle.
Preis Mk. 4.--
Der Autor führt auch in diesem Bande den sexualpathologischen
Grundgedanken des ganzen Werkes konsequent weiter. Freilich bietet
er diesmal kein Bild aus der Gegenwart, noch ein solches aus dem
reizvollen Milieu Halbasiens, sondern er hat jetzt einen weiten Ritt
in die Vergangenheit, in die Minnesängerzeit unternommen, aus welcher
schöpfend er ein farbenreiches und zum Teil drastisches Gemälde vor
unseren Augen aufrollt.
Die Seltsamkeiten, welche das Leben des Helden charakterisieren,
schliessen sich, so ungeheuerlich sie erscheinen mögen, der
historischen Überlieferung auf das Engste an. Ebenso kann für jeden
Zug des monströsen Charakters der Pfannenbergerin, der Geliebten des
berühmten Ritters, mehr als ein historisches Beispiel geliefert werden.
von Schlichtegrolls Werk liefert somit einen höchst interessanten
Beitrag zur Charakterisierung jener fälschlich als sentimental
angesehenen, in Wahrheit jedoch sinnlich-derben, ja brutalen Epoche
unserer Vergangenheit.
Die Freunde, die der Autor sich durch seine „Hexe von Klewan“ erworben,
werden auch in diesem seinem neuesten Buche die Kraft rücksichtsloser
Schilderung wiederfinden, die jenes Werk auszeichnet.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Die Venuspeitsche
von
Carl Felix von Schlichtegroll
Band III:
Satans Töchter
Roman.
Mit künstlerischem bunten Umschlagsbild.
Preis Mk. 4.--
In ruhigem Flusse setzt die dem modernen Leben entnommene Erzählung
ein. Alltägliche Vorgänge, nur ganz leise von Tönen der Leidenschaft
durchzittert, spielen sich zunächst vor den Augen des Lesers ab,
bis plötzlich ein Orkan wilder Gewalten, in den Gang der Handlung
hereinbrechend, den Helden des Buches in tollem Wirbel und
atembeklemmender Hast durch alle Höhen des Himmels und die Abgründe der
Hölle hindurchjagt.
Je mehr der Gang der Ereignisse fortschreitet, desto verwirrender,
grausiger und farbenglühender offenbaren sich die in kühnen Zügen
entworfenen Bilder, bis endlich unerwartet hereinbrechendes Licht alle
nächtlichen Wolken verscheucht und den Leser erlöst aufatmen lässt.
Die beiden Frauengestalten, denen das Buch seinen Titel verdankt,
sind in ihrer skrupellosen Energie, in der Leidenschaftlichkeit und
der Zügellosigkeit ihrer Natur mit Fug und Recht dem Dämonenreiche
entstammende Geschöpfe zu nennen. Aber nicht nur ihre bis zu äusserster
Konsequenz durchgeführte Charakteristik verleiht dem Werke Reiz und
Glanz, auch die prachtvollen Schilderungen des landschaftlichen Milieus
verdienen ausdrückliche Betonung und werden mit dazu beitragen, dem
Autor als eigenartigen Schilderer absonderlicher Verhältnisse und
Situationen neue Freunde zu gewinnen.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig, 38._
Die Venuspeitsche
von
Carl Felix von Schlichtegroll.
Band IV.
Die Wölfin.
ROMAN
Mit künstlerischem bunten Umschlagbild
Preis Mk. 4.--
Der Verfasser führt den Leser in die wildbewegte Epoche der
französischen Revolution.
In jenen blutbesudelten und nach Umgestaltung alles Bestehenden
ringenden Zeiten trat eine Anzahl politischer Amazonen auf, und eine
dieser ist es, deren Werden und Vergehen Schlichtegroll in der Gestalt
„Der Wölfin“ gezeichnet hat.
Théroigne de Méricourt ist ihr Name. Ein Geschöpf von brennendem
Ehrgeiz und rasenden Leidenschaften; eine durch und durch Verworfene
ihrem Wandel wie ihren Taten nach, und dennoch ein Weib, dessen starkem
Geiste, dessen unerschrockenem Mute schaudernde Bewunderung gezollt
werden muss, selbst von denen, die in ihr nichts als die Verkörperung
weiblicher Bestialität zu erblicken vermögen. Eine Jeanne d’Arc d’impur
hat Limartine sie genannt und mit diesem Ausdruck ihr Bild auf das
schärfste und treffendste gekennzeichnet.
Doppelt interessant für die Gegenwart dürfte dies geniale Ungeheuer
schon darum sein, weil sie ähnlichen Wünschen und Bestrebungen, wie
unsere Frauenrechtlerinnen solche verfechten, bereits in ihren Tagen
energischen Ausdruck verlieh. Sie wollte den Mann entthronen und die
Herrschaft des Weibes begründen, da sie sich als berufene Rächerin
ihres Geschlechts an dem anderen, dem stärkeren, fühlte.
In diesem Kampfe und an der Unmöglichkeit, ihre ehrgeizigen
Phantastereien verwirklichen zu können, wie an der Unmässigkeit ihrer
eigenen Natur ging sie unter -- und aus diesem tritt ihr Schicksal uns
als ein tief tragisches entgegen.
So leidenschaftlich, erschütternd, grausig und ungewöhnlich die Taten
und Schicksale „der Wölfin“ auch erscheinen mögen, so gilt doch auch
von ihnen das Wort Shakespeares:
„Alles ist wahr.“
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig_
In Servitute Felicitas
von =Irene Brug=
Preis Mk. 2.--
Eine neue Romandichterin tritt mit dem vorliegenden Buche zum
erstenmale vor die Öffentlichkeit. Sie erzählt uns keine süßliche
und sentimentale Liebesgeschichte von zwei Menschen, die sich nach
Überwindung von allerlei Hindernissen glücklich „kriegen“, sondern sie
greift mit anerkennenswertem Freimut ein Problem an, das mit gleicher
Geradheit und Ehrlichkeit wohl noch nie von einer Frau behandelt
worden ist: Das Problem der Herrin Weib, des Weibes, welches in
maßlosem Geschlechtsstolz sich selbst zur Königin des Mannes ernennt
und hochmütig, rücksichtslos und ränkevoll genug ist, um den liebenden
Mann ihrer Herrschaft zu unterwerfen. In jeder Frauenseele liegt, mehr
oder weniger bewußt, dieser herrschsüchtige Weibstolz, aber schwer
und ungern entschließt sich das Weib, diese innere Triebfeder ihres
Handelns einzugestehen.
Die Geschichte eines merkwürdigen Seelenlebens ist von der Autorin
mit schlichter Einfachheit, ohne viel Ausschmückungen und Rankenwerk,
erzählt, und diese große Natürlichkeit der Sprache und Schilderung
bildet nicht den geringsten Charme dieser reizvollen Geständnisse einer
Frau.
Sinnen und Lauschen
Briefe an einen Freund
Ein Beitrag zur Psychologie der Homosexualität
von
Hanns Fuchs
Preis Mk. 5.-- ord., eleg. geb. Mk. 6.--
Ein homosexueller Briefwechsel! Über Homosexualität und Homosexuelle
ist bis jetzt so viel geredet und geschrieben worden, daß es an der
Zeit erscheint, die Homosexuellen selbst über sich und ihre Frage, über
ihre Stellung in Welt und Gesellschaft, über ihre Psyche zu hören.
In fesselnden Briefen, die auf Rat eines weltbekannten Arztes und
Psychologen der Öffentlichkeit übergeben werden, erhält der Leser
interessante Einblicke in das Innenleben, in den Vorstellungskreis
eines Homosexuellen. Dieses Werk dürfte eines der interessantesten
Bücher der Gegenwart sein.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig._
Ein neuer Roman von Hanns Fuchs
Verfasser von
„Claire“ und „Auf Dornenpfaden“
In purpurnen Schmerzen
Stationen von einer Lebensreise
Roman von HANNS FUCHS
Mit Umschlagbild von Raphael Kirchner, Paris
Preis Mk. 3.--
Der Verfasser ist zu dem Problem seines ersten grossen Romans, zu dem
des Masochismus, zurückgekehrt. Er selbst nennt diesen Roman eine neue
Studie über den masochistischen Mann, und er schildert uns mit seinen
bekannten leisen und eindringlichen Mitteln einen Mann, der zwischen
Arbeit und Genuss als willenloser Spielball seiner Leidenschaften hin-
und hergeworfen wird. Alles Äusserliche dieses ergreifenden Problems
hat sich Hanns Fuchs in früheren Romanen von der Seele geschrieben, und
so ist hier alles nur innerlich und seelisch.
_Leipziger Verlag G. m. b. H. in Leipzig._
Im Erscheinen begriffen:
Dominatrix
Roman-Zyklus von =R. Bröhmek=.
Band I
Der Sklave der schönen Despotin
Mit künstlerischem Umschlagbild von Raphael Kirchner, Paris
Preis Mk. 3.--
Band II
Fräulein Lehrerin
Mit künstlerischem Umschlagbild von Raphael Kirchner, Paris
Preis Mk. 3.--
Ein altes deutsches Sprichwort sagt: „In jedem Weibe steckt ein
Teufel“, und ein französisches Sprichwort lautet: „Tout homme diable et
la femme surtout“.