Er mischt sich in Politik

Libes Tagbuch, weißt du, das Lischen gestern in dem Brunn gefalln is?

So ein Geschrei un Gekreisch hab ich noch nich gehert, wi im ganzn Haus

wahr, di Leite lifn, um sie herauszuzihn, befor sie ertrunkn is un der

Knech fon Hansis Fater kam so schnell wi er nur konnte, mit der Leitter

heriber. Er liß sie henunter un fischte sie auf un brachte sie heraus

un Elsbett pakte sie un Mamma rif ihr un der Kechin zu, nur schnell

ein pahr Dekn zu wermen, weil sie so fom Wasser triffte un riß Elsbett

das arme Kind weg -- un zuletz fandn sie, das sie sich nich hedtn so

zu tummln brauchn -- es wahr gar nich Lischen, sondern ein falsches

Medchen, das ich gemacht un heneingeworfn hadte -- ich schaffte Lischen

ruig hinter den Holtzschupfn lign zu bleibn, werend ich es heneinschmiß

un dann schrih: »Oh, oh, oh! sie wird ertrinkn, oh armes Lischen!«

Dann kamen sie gelaufn un sahn die Stropuppe im Brunnen un machtn dem

greßlichstn Schpetakl. Es wahr wirklich ungerech fon Papa mich ohne

Nachmal in meinem Zimmer zu schikn, weil die Leite ein falsches Medchen

nich erkennen, wenn sies so sehn. Ich sagte ja nich, das sie ihm Brunn

is, ich sagte nur: »Armes Lischen, oh! oh!« Un jetz hat jemann den Dekl

offn gelassn un di Katz fihl henein, aber ich wahr zohnig un sagte kein

Wort un heit is ein großes Gesuch um di Katz -- was is nur geschehn mit

ihr? -- ich wer mich nich bemihn, es zu erklern, sie wern es bald genug

wissn, wenn das Wasser fon ihre Iberbleibsel richt. Ich winschte, der

Schleicher fon driber der Schtraße wer heneingefalln un hedt sich das

neie blaue Gewand runihrt.

Elsbett erwartet ein par Freindinnen auf dem Abnd un firchtete sich,

der Englkuchn wird ihr in Ofn ferbrennen un deßwegn mußte sie zu

mir henaufkommen. Betti hadte Ausgang un die Kechin wollte sie nich

fortschikn, un deßwegn fragte sie mich, ob ich ihr nich henunterlaufn

will in der Zukerbekerei um ein Fund Makkrohnen un drei Firtl

Gefrornes, Schoklat un Wanillje gemischt. Natirlich sagte ich gleich ja

-- es is doch fiel besser, um Gefrornes henunterzulaufn, als im Zimmer

eingeschperrt zu sein un zu hungern un druntn die Jungen jauchsn zu

hern, wi sie zum Freidnfeier hinlaufn. Sie gab mir 2 Doller um fir die

Erfrischung zu zaln un ich machte, das ich fortkahm. »Aber Schorschi,

bleib nich eine Sekkunde lenger als finfzehn Menutn aus, das Gefrorne

zerflißt, wi nur was; komm nur direk so schnell zurik, als deine Fiße

dich tragn kennen un sei ein brafer Junge -- bleib nich am Weg schtehn,

wir wartn alle auf dem Gefrornen; denk nur, was fir ein fergengliches

Ding Gefrornes is; des Abns is warm, wills du dich eiln, sofihl du

kanns, liber Schorschi?« Schwestern kennen greßlich siß sein, wenn sie

ihre kleine Brider zu irgndwas brauchn. Ich lif auf dem ganzn Weg un

schaffte ihnen nur schnell die Makkrohnen einzupakn un das Gefrornes in

der Eiskanne zu gebn, damit ich so schnell wider zuhaus bin, wi Elsbett

mir gesagt hat. Aber wi ich zuhaus kam -- so eine Beschehrung! Die

Kanne wahr foll einer schwabbliche gelbe Soß un ein kleines Hindchen

hadte die ganzn Makkrohnen gefressn un sogar das Papir zerkaut -- aber

an den Papir lag mir nich sofihl. Es is wirklich selltsam, wi etwas

so einschrumfn un einschrumfn kann, wi Gefrornes. Ich glaube, es is

so eingeschrumft, weil ich zu nah bein Freidnfeier wahr. Es wahr eine

prachfolle Flamme -- ein paar Tehrfesser un ein altes Faß fon blauen

Erdwax. Henschen un ich un noch eine Menge Jungen heiftn das Holtz

aufeinand, so schnell wir nur konntn. Es dauerte mehr wi eine Schtunde.

Wir blibn bis es aus wahr, so eine Hetz! Mir tats nur leid, das Elsbett

um ihre Erfrischung gekommen is. Wenn ich gewußt hedt, was ich tun wer,

hedt ich di 2 Doller aufhebn un eine Menge Rakettn dafir kaufn kennen.

Der junger Herr lachte un sagte: »Oh wenn sich nur Schorschi bein

Freidnfeier gut unterhaltn hat, machn sie sich nichs aus den Gefrornen,

Fräulein Hacker!« Aber Elsbett weinte beina. Deßwegn sagte Matilld

Robinson, sie will iber Nach bei uns bleibn -- sie is Elsbetts beste

Freindinn, seit Susi dem Dokter geheiratet hat -- un wi lang di Medchen

aufblibn, nachdem die Gesellschaff fort wahr! ich glaub sie missn so

schlefrig sein, das sie heit den ganzn nachmitag schlafn wern. Es wahr

ein Holtzfeier in Kamihn, weil es abns schon kihl is. Sie setztn sich

direk am Kamihntepich. Zuers namen sie sich die Haarlokn henunter,

dann schmissn sie die Halbschu herunter un machtn es sich beqwem; dann

fingen sie an, fon die Burschn zu redn. Godt! wi sie schnattertn! un

Elsbett sagte Matild soll ihre erste Brautjungffer sein un dann redetn

sie ein bischen leise un sie sagte: »Nein, Matilld, sag mir die Warheit

-- ich weiß, du biß schterblich ferlibt in ihm -- firchte dich nich,

mirs zu erzehln -- ich wers nich weitersagn!«

Un Matild fing zu weinen an un zu seifzn un sagte: »Oh Elsbett, er

kimmert sich gar nich um mir, un ich libe schon dem E-er-er-erdbodn,

auf dem er tridt. Ja, das tu ich. Ich glaub-aube er is gre-re-reßlich

lib. Aber ferathe keiner lebende Sehle ein Wo-o-ort. Es wirde mein

To-od sein, wenn Ka-a-arl Grin auch nur treimen mecht, wi ich ihm

libe.« Es is ein Wunder, das ich nich den Forhang henunterriß un mich

feratete. Aber ich blib ganz ruig, weil ich wußte, das Elsbett mich

greßlich bei die Haare ziht, wenn ich mich erwischen laß, un so schlif

ich ein, un wi ich aufwachte, wahrn sie fort un ich schlipffte auch

henauf.

Heit frih ging ich auf einen großn Umweg in der Schule um zu sehn,

was los is, un mir di Ruihnen fon den gestrign Freidnfeier bei Tag

anzuschaun, wi ich eine große Menge Leite bei der Schtadthalle

bemerkte, auf der Treppe un auf den Seitnweg un herte wi sie fon einer

Parahde un noch einen Faklzug redetn. Dann sah ich Karl Grin mit einer

Menge junge Leite, die Freiwillge sin, sons hedte ich gar nich an dem

gedacht, was die Medchen sagtn. Es is ein Glick, das ich ihm sah, weil

jetz alles gut is. Ich sagte: »Hallo, Herr Grin!« Er sagte: »Halloh,

Schorschchen, wi gehts den Gefrornen heite?« Dann erzehlte ich ihm

alles, wi di Medchen aufblibn un sich das Hahr kemmtn un fon ihm redetn

un was Matilld gesagt hat, un zeigte ihm, wi sie weinte -- die andern

Kerle lachtn, aber Karl wahr so zohnig, wi nur was un sagte: »Schtill,

Schorschi, du bist ein roer Junge, Dinge zu erzehln, di du zufellig

gehert hast!« Ich sagte: »Ich dachte, sie wern es gern wissn wolln, un

sie heit abns besuchn un ihr sagn, sie soll nich mehr weinen,« un so

glaub ich auch, das er heit abns hingehn wird.

Mir scheint, mein Fatter redet oder denkt jetz fon nichs anres als

Polletick. Mir scheint, er gibt sich sehr fihl Mihe um dem Land.

Er sagt es kommt auf dem Hund. Ich fragte, auf was fir einen Hund.

Er sagte, er meint damit, das es in Schtike geht. Ich glaubte, er

meint ein Erdbebn, wie in meiner Gografih, schteht, aber wi ich ihm

nocheimal fragte, sagte er: »Ach was, ich meinte, wir wern durchfalln.«

Ich wollte wissn, wohin wir falln wern -- filleich falln wir durch bis

Kinah un zerqwetschn ihnen ihre Zepffe, weil ich einen Redner hab sagn

hern, die Kinehsn missn gehn un ich dachte, Papa is in Angs das Amerka

durch un durchfallt bis auf Kinah. Er sagte, ich bin ein Narr, un nich

alt genug um di kinehsische Frage zu ferschtehn. Aber mir scheint es

is genug Schpaß in der Polletik, solche Trannsperente, Latehrnen un

Faanen un Fersammlugn un Redn un Faklzige un Freidnfeier, das man genug

damit zu tun hat. Es bleib mir nich ½ so fihl Zeit ibrig, um meine

Kenntnisse zu ferweitern, wi ich nethig hedte dazu; mein Leerer sagt,

ich muß reglmeßig in der Schule kommen, sons bleib ich ein Dumkopff.

Ich muß fersuchn reglmeßiger zu gehn, weil er sons heriber kommt un es

den Papa sagt, wenn ichs nich tu.

Gestern fersuchte ich, reglmeßig in der Schule zu gehn, aber ich hadte

einen schreklich ween Hals un Kopfwe, so das ich mein Frihschtik gar

nich essn konnte; Mamma war in Angs; sie glaubte es is Difftritis.

Sie gab mir ein bischen Medezihn un sagte, sie wird um dem Dokter

Moor schikn, wenns nich besser wird; aber um halb zehn wahr mir schon

ganz gut, un Betti gab mir deßwegn 10 oder 12 Buchweitznkuchn, die

sie mir aufgehobn hadte un ich schlipffte aus dem rikwertign Thor um

in der Schule zu gehn. Ich dachte, ich wer bein Depoh forbeigehn um

di Freiwillign in dem Zug einschteign zu sehn. Sie solltn um halb

elf nach Bluewill zu der großn Feier farn. Bluewill is filleich 16

Meiln fon hir. Es sollte grosartig zugehn. Bluewill is am Seh. Gereste

Austern, Gullasch, Obswein, ein Zellt, ein Haufn Leite, eine Kanohne,

Feierwerk, eine Blechmusikkbande -- wirklich, wi ich in den Gedrenge

zu den Depoh kahm un der Zug einfuhr konnte ich gar nichs dafir, das

sie mich di Schtufn henauf in einen Wagohn heneindrengtn. Das Gedreng

wahr so arg, das ich mich durchaus nich durchzwengen konnte, um in der

Schule zu gehn. Befor ich es noch wußte, wahr ich obn eingezwikt in den

Gang, der Zug in Bewehgun un keinem Cent in der Tasche, um fir meiner

Fart zu bezaln. Jedesmahl wenn der Konduktehr durchging, ferschtekte

ich mich anderswo, aber nach einer Weile sah er mich doch un fragte wo

ich meine Karte hab. Dann erzehlte ich ihm, wi ich hereingedrengt worn

bin, wi ich grad in der Schule gehn wollte, un ein pahr sagtn: »Oh, es

is nur Schorschi, er kommt warscheinlich mit um uns unsre anre Fahne

zu ferbrennen!« Un der Konduktehr sagte: »Oh es is Schorschi Hacker,

der is es!« un lachte un ging foriber un in einer Weile kamen wir an,

un ich schtig mit die ibrign ab. Es wahr so gut wi ein fierter Juli.

Es wahr ein bischen kihl an der Kiste, aber zwei risige Feier machtn

es wider gut -- eines, um Gullasch zu kochn un eines um die Muschln

zu restn. Außer uns warn filleich noch 1000 Leite dort. Die Bande

schpilte, ein par Herrn hiltn Redn un dann sangen wir ein pahr Lider

un feiertn die Kanohne ab. Ich konnte di Redn nich zuhern, weil ich

sehr fihl zu tun hadte den Kessl mit Gullasch foll machn zu helfn un

einen großn Haufn Schteine heiß zu machn um die Muschln zu restn. Ich

hadte kein Geld un so wollte ich mir mein Essn ferdinen. Ich wollte

einen Pack Sehgras, um es um di Muscheln bein Restn zu legn. Es wahrn

Fesser un Fesser foll dafon da, un ein Faß foll dikn Schiffszwihbak

zum Gullasch un eine Menge Zwibl, Erdepfl, Schweinfleisch, Saltz un

Feffer. Ich kann nich sagn, wi es passihrte, aber wi ich das Faß mit

den Zwihbak rollte, kuglte das runde Ding grad ins Wasser, un schwamm

filleich 100 Elln henaus, grad wi wenn es direk nach Eiropa wegfarn

wollt; dann plantschte es zurik un ein Mann watete hinein, aber es

schwabblte auf un ab un es dauerte sehr lang befor er es erwischte --

ich glaub, er hedte einen Fischkahn nemen solln -- aber er erwischte

es enlich, aber es wahr durch un durch mit Sehwasser follgesogn. Das

Saltz un der Feffer wahrn auch drin, aber zun Glik machte es dem

Schweinfleisch nichs. Sie mußtn das Gullasch ohne Salz un Feffer machn.

[Illustration]

Es erinnerte mich an der Geschichte in meinen Lesebuch mit den

Mitagessn fon den armen Mann. Deßwegn sagtn di Leite, ich soll liber

nich in der Näe kommen, bis alles fertig is. Ich un noch ein Junge

gingen an der Kiste ein bischen schpazirn un wir fandn ein totes Thir;

das ganz so ausschaute, wi ein Esl. Es wahr an der Kiste geschwemt

worn. Ich hadte eine Menge in der Polletik gelesn un gehert, fon Esln

di gleich for Wut kochn, un so dachte ich, dem kann man ganz gut dazu

brauchn. So sagte ich dem anren Jungen, er soll gut Ach gebn, bis sie

die Muschln zum Restn gegebn habn, un wir wikltn es in Sehgras ein

un wartetn, bis die Menner weggegangn warn, um Obswein zu trinkn, un

dann schleptn wir es mit aller Krafft hin un lissn es obnauf auf die

Muschln plumpsn un legtn noch mehr Segras drauf, damit sie so fiel fon

einen kochendn Esl habn, als sie brauchn -- nur wahr der gebratn --

aber ich glaube, er muß krank gewesn sein, wi er schtarb, oder wahr

es schon zu lang, oder sons etwas. Wi sie das Sehgras henunternamen,

um ihre Muschln zu essn -- na, es is einfach greßlich, mehr wi 1000

hungrige Leite zohnig auf sich zu sehn, wenn man nichs anres wolln hat,

als ihnen einem gutn Bissn gennen; aber ein Mann lachte un sagte er is

froh, das der Esl enlich tot is.

Ich firchte, sie hadtn wenig mehr zu essn, außer Obswein, bis sie

in der Schtadt tellergrafihrtn un ihnen ein pahr kalte Lebnsmitl

herausgeschikt wurdn. Aber di Feier wahr famohs; di Musikk schpilte

un wi es finster war, kam eine große Menge belegte Budterbröter un

anre Sachn un nachdem er aufgegessn wahr, sollte ein großes Feierwerk

sein, nur fing der Wagn Feier in den alles aufgepakt wahr un alles ging

zusamm in der Lufft, un das wahr wirklich zu dumm, weil es in ganzn

nich mehr wi 3 Menutn dauerte un man di einzelne Figurn nich gut sehn

konnte.

Es wahr noch ein Glick, das die Leite auf der andern Seite fon Depoh

warn, sons hedte noch jemann mit in der Hehe gehn kennen. Ein Kerl

pakte mich bei der Schultter un fragte ob ichs getan hab? Er wollte

mich einen Pollezeiman ibergebn, aber einer fon unsre Freiwilligen kam

un fihrte mich weg -- es wahr Karl Grin, in dem Matilld schterblich

ferlibt is; er setzte mich auf der Eisenbahn, bezalte mir die Fahrt

un sagte, ich soll nur ach gebn un auf der richtige Schtattsjohn

ausschteign. »Du darffs nich lenger bleibn, deine Leite wern sich um

dir sorgn un es is gefehrlich fir dir, in den Gedrenge zu bleibn; du

has dich als solcher Schadnschtiffter gezeigt, das ein pahr dich auf

der Schtelle aufknipfn wolln, un ein pahr mechtn dich liber ein bischen

in der Seh eintauchn, damit du dirs merkst, un ein pahr wolltn, das du

ein Schtik fon den gerestetn Esl essn sollst, allso is es besser, du

gehst nachaus,« sagte Karl. Allso ging ich.

Das heißt, ich fuhr richtig weg, aber ich wahr ganz erschepfft, un

schlif im Wagohn ein: un wi ich aufkam, wahr Mitternach -- tife finstre

Mitternach, un der Konduktehr sagte: »Sehnchen, schteh auf, wir sin

schon in Filadelfja. Wohin fahrs du?«

Tagebuch eines bösen Buben · 第 41 / 43 题